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| Päpstliches Werk für geistliche Berufe Neue Berufungen für neues Europa IntraText CT - Text |
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Die »Lernbereitschaft« der Berufung (docibilitas) Die letzte Phase im Werdegang einer Berufung ist die des Entschlusses. Bezüglich dieser Phase müssen die folgenden Entscheidungkriterien gegeben sein: a) Hauptanforderung ist ein gutes Mab an Lernbereitschaft der Person und an innerer Freiheit, sich von einem älteren Bruder oder einer Schwester führen zu lassen; dies besonders in den entscheidenden Phasen der Verarbeitung und Aneignung der eigenen Vergangenheit, vor allem der problembeladenen, und die anschliebende Freiheit, zu lernen und sich zu ändern. b) Die Voraussetzung für die Lernbereitschaft ist identisch mit Jugendlichkeit, nicht so sehr dem Geburtsdatum nach, sondern als umfassende existentielle Einstellung. Es ist wichtig, dab jemand, der ins Seminar oder in einen Orden eintreten möchte, wirklich »jung« sei, mit den Tugenden und den Verletzlichkeiten, die für diese Lebensphase charakteristisch sind: mit Tatendrang und mit dem Verlangen, sein Bestes zu geben, mit Kontaktfähigkeit, mit Freude an der Schönheit des Lebens, der eigenen Schwächen und Stärken bewubt und überzeugt von dem Geschenk, erwählt worden zu sein. c) Ein weiterer Bereich, der heute mehr denn je besondere Aufmerksamkeit verdient, ist der affektiv-sexuelle Bereich. (111) Es ist wichtig, dab ein Jugendlicher zeigen kann, dab er jene beiden Gewibheiten erwerben kann, die die Person affektiv frei machen, d.h. die Gewibheit, die sich aus der Erfahrung herleitet, schon geliebt zu sein, und der ebenso erfahrenen Gewibheit, lieben zu können. Konkret mübte der Jugendliche jenes menschliche Gleichgewicht besitzen, das es ihm erlaubt, allein auf eigenen Füben zu stehen; er mübte jene Sicherheit und Autonomie besitzen, die ihm sozialen Kontakt und herzliche Freundschaft ermöglichen, und er mübte jenes Verantwortungsgespür besitzen, das es ihm erlaubt, als Erwachsener soziale Beziehungen zu leben, in der Freiheit des Gebens und Nehmens. d) Was die Mängel im affektiv-sexuellen Bereich anbelangt, so mub eine abgewogene Prüfung der Zentralität dieses Bereiches in der allgemeinen Entwicklung des jungen Menschen und in der gegenwärtigen Kultur (oder Subkultur) Rechnung tragen. Es ist nicht so aubergewöhnlich oder selten, dab ein Jugendlicher hierin besondere Schwächen zeigt. Unter welchen Bedingungen kann man klugerweise die Berufsbitte eines Jugendlichen annehmen, der derlei Probleme mit sich bringt? Voraussetzung dafür ist, dab folgende drei Bedingungen gemeinsam gegeben sind: 1. Daß der Jugendliche sich der Wurzel seines Problems bewubt ist, das ursprünglich oft kein sexuelles Problem ist. 2. Die zweite Bedingung ist dab der Jugendliche seine Schwäche als Fremdkörper empfinde, der nicht zu seiner Persönlichkeit gehört, als etwas, was er nicht möchte und das sich an seinem Ideal reibt und gegen das er mit seinem ganzen Selbst angeht. 3. Schlieblich ist es wichtig sich zu vergewissern, ob der Jugendliche imstande ist, diese Schwäche zu kontrollieren im Blick auf deren Überwindung, sei es, dab er seltener fällt, sei es dab diese Neigungen immer weniger sein Leben stören (auch das psychische) und ihm die Erfüllung seiner Aufgaben ermöglichen, ohne übermäbige Spannungen zu erzeugen oder seine Aufmerksamkeit unangemessen zu beanspruchen. (112) Diese drei Kriterien müssen vollständig gegeben sein, um eine positive Entscheidung zu rechtfertigen. e) Die Reife der Berufung hängt schlieblich von einem Element ab, das tatsächlich allem seinen Sinn gibt: dem Akt des Glaubens. Die echte Berufsentscheidung ist in jeder Hinsicht Ausdruck der gläubigen Annahme; sie ist um so echter, je mehr sie Teil und Abschlub eines Bildungsprozesses zur Glaubensreife hin ist. Innerhalb einer Logik, die dem Geheimnis Raum läbt, ist der Glaubensakt gerade jener zentrale Punkt, der es erlaubt, die oft entgegengesetzten Polaritäten eines Lebens zusammenzuhalten, das sich in ständiger Spannung zwischen den Zeichen der Sicherheit des Anrufs und dem Bewubtsein der eigenen Ungeeignetheit befindet, zwischen dem Gefühl des Sich-Verlierens und des Sich-Findens, zwischen Gott, der ruft, und dem Menschen, der antwortet. Der wirklich berufene Jugendliche mub die Festigkeit dieses Glaubensaktes aufweisen, gerade in der Spannung dieser Polaritäten.
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111) Wir sprechen hier von einer affektiv-sexuellen Grundreife als einer Vorbedingung für die Zulassung zu den Ordensgelübden und zum geweihten Dienstamt, entsprechend den beiden Wegen der katholischen Kirchen in Europa: zum zölibatären Weiheamt (Lateinische Kirche) und zum verheirateten Weiheamt (Orientalische Kirchen). Es ist wichtig, dab von der Berufspastoral bis zur eigentlichen und wirklichen Ausbildung die pädagogischen Programme kohärent und zielorientiert sind, damit die Vorbereitung zum Weihedienst in beiden Fällen angemessen sei, besonders auf der Ebene der affektiven Stabilität; dann kann der Dienst selbst auch das Ziel der Verkündigung, nämlich die Liebe Gottes als Anfang und Erfüllung der menschlichen Liebe, erreichen. 112) Siehe dazu die Empfehlung bezüglich der Homosexualität in den Richtlinien der Kongregation für die Institute des geweihten Lebens und die Gesellschaften des apostolischen Lebens (Potissimum institutioni) vom 2. Februar 1990 in: AAS 82 (1990) 470-532. Dort werden nicht jene ausgeschlossen, die solche Tendenzen haben, sondern jene, »die es nicht fertigbringen, solche Tendenzen zu beherrschen« (39), wobei dieses »Beherrschen« nach unserem Verständnis nicht nur die Willensanstrengung meint, sondern ein wachsendes Freisein von diesen Neigungen, im Herzen und im Geist, im Willen und im Begehren. |
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