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Päpstliches Werk für geistliche Berufe
Neue Berufungen für neues Europa

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  • ERSTER TEIL DIE HEUTIGE LAGE DER GEISTLICHEN BERUFE IN EUROPA »Die Ernte ist groß, aber es gibt nur wenig Arbeiter« (Mt 9,37)
    • Neues Europa
      • c) »Mensch ohne Berufung«
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c) »Mensch ohne Berufung«

Dieses Spiel von Kontrasten wiederholt sich unweigerlich auch auf der Ebene der Zukunftsplanung, die von den Jugendlichen in einer folgerichtigen Perspektive als auf die eigenen Ansichten beschränkt betrachtet und auf die rein persönlichen Interessen (Selbstverwirklichung) ausgerichtet wird.

Es ist dies eine Logik, die die Zukunft auf Berufswahl, auf wirtschaftliches Zurechtkommen oder auf affektiv-emotionale Befriedigung reduziert, und dies innerhalb von Horizonten, die in Wirklichkeit das Verlangen nach Freiheit und die Möglichkeiten des Menschen auf begrenzte Vorhaben beschränken, verbunden mit der Illusion, frei zu sein.

Es sind dies Entscheidungen ohne jede Öffnung zum Geheimnis und zum Transzendenten und womöglich auch mit nur geringem Verantwortungsbewußtsein dem eigenen wie dem fremden Leben gegenüber, dem Leben, das als Geschenk gegeben wurde und an andere weiterzugeben ist. Es handelt sich mit anderen Worten um ein Empfinden und Denken, das womöglich eine gewisse berufungsfeindliche Kultur kennzeichnet. Das will sagen, daß in diesem kulturell so vielschichtigen und orientierungslosen Europa, das einem Pantheon gleicht, der »Mensch ohne Berufung« das herrschende anthropologische Modell zu sein scheint. Hier eine mögliche Beschreibung: »Eine pluralistische und komplexe Kultur neigt dazu, in den Jugendlichen eine unfertige und schwache Identität zu erzeugen, was zu einer chronischen Unentschlossenheit in der Berufswahl führt. Viele Jugendliche verfügen nicht einmal über die »elementare Grammatik« der Existenz, sie sind Nomaden: unaufhaltsam ziehen sie durch die Welt, durch die Gefühlswelt, durch Kulturen, durch Religionen, sie »probieren«! Inmitten der Überfülle unterschiedlichster Informationen und nur unzureichend ausgebildet, erscheinen sie wie verloren, mit nur wenigen Empfehlungen und mit nur wenigen Menschen, die für sie einstehen. Darum haben sie Angst vor der Zukunft, schrecken vor endgültigen Verpflichtungen zurück und hinterfragen ihr Sein. Wie sie einerseits Autonomie und Unabhängigkeit um jeden Preis wollen, so neigen sie andererseits, gleichsam als Zuflucht, zu starker Abhängigkeit vom gesellschaftlich-kulturellen Umfeld und suchen die unmittelbare Befriedigung der Sinne: durch das, »was mir paßt« und »was mir liegt« in einer maßgeschneiderten Welt der Gefühle«.(9)

Es macht unendlich traurig, Jugendlichen zu begegnen, in denen, obgleich sie intelligent und begabt sind, die Freude am Leben, an etwas zu glauben, nach hohen Zielen zu streben, auf eine auch durch den eigenen Beitrag besserungsfähige Welt zu hoffen, erloschen ist. Es sind Jugendliche, die sich im Spiel oder im Drama des Lebens überflüssig fühlen, die abgedankt haben, in Sackgassen verirrt, reduziert auf ein Minimum von Lebensspannung; ohne Berufung, aber auch ohne Zukunft, oder mit einer Zukunft, die im besten Falle eine Kopie der Gegenwart ist.




9) Propositiones, 3.






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