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VORWORT - Assisi 1998
Rom, 4. Oktober 1998
Fest des hl. Franziskus
Prot. N. 00958/98
An alle Brüder des Ordens
Liebe Brüder,
mit grosser Freude überreichen wir euch die Ergebnisse, die der 6. Plenarrat
des Ordens zum Thema "Armut in Brüderlichkeit leben" in Assisi vom 7.
September bis 1. Oktober 1998 in Assisi erarbeitet und dann auch schriftlich
festgehalten hat.
Vor zweieinhalb Jahren haben wir dem Orden unsere Absicht bekannt gegeben,
einen Plenarrat über die evangelische Armut in ihrer gemeinschaftlichen und
institutionellen Dimension durchzuführen. In der Folge hat sich die
Brüdergemeinschaft unseres Ordens intensiv mit der Vorbereitung dieser
bedeutsamen Veranstaltung befasst. Vor wenigen Tagen nun fand dieses Ereignis
seinen Abschluss: 31 Delegierte der Konferenzen aus allen fünf Kontinente waren
mit dem Generalminister und seinem Definitorium in Assisi zusammengekommen.
Wenn wir nun, liebe Brüder, das Ergebnis der geleisteten Arbeit
veröffentlichen, sind wir uns sicher, dass wir euch ein leistungsfähiges
Arbeitsinstrument an die Hand geben, das die lebendige Einheit zwischen der
Generalleitung in Rom und der ganzen Brüdergemeinschaft unseres Ordens zum
Ausdruck bringt. Zudem bezeugt es die gelebte Brüderlichkeit, die wir in den
Tagen des Plenarrats erfahren haben. Wie es die Satzungen nahelegen (vgl. Satz
123,1), wird die gemachte Erfahrung dazu beitragen, bei den Brüdern das
Bewusstsein der Verantwortung füreinander und der Zusammenarbeit miteinander zu
stärken und die Einheit unserer Gemeinschaft in all ihrer Pluriformität zu
fördern. Mit dieser Veröffentlichung bestätigen wir gleichzeitig mit Zustimmung
des Generaldefinitoriums die Ergebnisse der Beratungen des 6. Plenarrats. Was
die Beratungen erbracht haben, darf als wegweisende Norm für den ganzen Orden
Geltung haben (vgl. Satz. 123,6).
Das Generaldefinitorium selber wird den Text im kommenden Januar an seiner
ordentlichen Sitzung intensiv studieren, jene Punkte festhalten, die
unmittelbar in die Tat umgesetzt werden können, und die vormerken, die
allenfalls dem Generalkapitel zur Behandlung überwiesen werden müssen. In jedem
Fall ist es unsere Absicht, alles aufzugreifen, was der Plenarrat erarbeitet
hat und was den Prozess einer angepassten Erneuerung des Ordens fördern kann.
Wir möchten noch eine Bemerkung anfügen zum methodischen Vorgehen, von dem
sich die Arbeit des Plenarrats leiten liess. Wie ihr aus dem Text unschwer
erkennen könnt, hat dieser Plenarrat nicht wie frühere Plenarräte ein
eigentliches Dokument erarbeitet, sondern sich darauf beschränkt Propositiones
vorzulegen. Propositiones haben nicht die Absicht, die Thematik unter
lehrmässigen Gesichtspunkten zu entwickeln und zu vertiefen. Die lehrmässigen
Elemente, die im Text durchaus nicht fehlen, stehen in erster Linie im Dienst
von Aussagen, die Handlungsanweisungen sein wollen. Die Arbeitsweise mit den
Propositiones erlaubte allen Teilnehmern am Plenarrat die aktive Mitarbeit und
den intensiven Austausch untereinander. Sie ermöglichte es auch, die reiche
kulturelle Vielfalt unseres Ordens mit Aufmerksamkeit und Respekt in ihrem Wert
anzuerkennen, sie zu würdigen und positiv zu integrieren, und sie hat uns einen
Weg gehen lassen, der zu einer weitgehenden Übereinstimmung in den
verschiedensten und oft auseinander strebenden Ansichten der Brüder geführt
hat, eine Übereinstimmung übrigens, die uns alle überrascht hat.
Der vorliegende Text wurde nach den Weisungen des Plenarrats von einer
kleinen Redaktionskommission nochmals durchgesehen und überarbeitet. In
Übereinstimmung mit den Anregungen der Brüder auf dem Plenarrat hat sie die
Propositiones vor allem unter stilistischem und sprachlichem Gesichtspunkt
überarbeitet. Wir sind dabei auch der Mehrheit des Plenarrats gefolgt und haben
einige wenige Überschriften gesetzt. Diese gehören allerdings nicht zum
eigentlichen Text, können aber doch zu dessen besserem Verständnis beitragen.
Zum Schluss empfehlen wir aus ganzem Herzen den Höheren Oberen und den
Guardianen als den Erstverantwortlichen für die Weiterbildung im Orden (vgl.
Satz 23,6), die Brüder mit den vom Plenarrat vorgelegten Kriterien
bekanntzumachen, diese intensiv zu studieren und sie entsprechend den
jeweiligen Möglichkeiten und Zuständigkeiten in die Tat umzusetzen. So werden
wir die evangelische Armut in wahrer Brüderlichkeit leben können.
Der Geist des Herrn möge in den Herzen aller Brüder die Liebe zu unserer
Herrin, der heiligen Armut, erneuern und uns helfen, die Armut und ihr heiliges
Wirken in uns zu bewahren.
Der Generalminister und das Definitorium
Br. John Corriveau
Br. Ermanno Ponzalli
Br. Aurelio Laita
Br. Andrew Anil Sequeira
Br. Tadeusz Bargiel
Br. Paul Hinder
Br. William Wiethorn
Br. Andrés Stanovnik
Br. Thaddaeus Ruwa'ichi
6. PLENARRAT
DIE ARMUT
IN BRÜDERLICHKEIT LEBEN
PROPOSITIONES
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