DIE
LECTIO DIVINA
76. Mehr als ihre im Apostolat tätigen
Brüder und Schwestern verbringen die Mitglieder der gänzlich auf die
Kontempaltion hingeordneten Institute täglich einen gut Teil ihrer Zeit
mit dem Studium des Wortes Gottes und mit der lectio divina unter den vier
Gesichtspunkten von Lesung, Meditation, Gebet und Betrachtung. Unabhängig
von den Bezeichnungen, die den verschiedenen geistlichen Traditionen entsprechend
dafür verwendet werden, und unabhängig von dem genauen Sinn, den man
ihnen gibt, behält jeder dieser Abschnitte seine Notwendigkeit und
Originalität. Die lectio divina lebt vom Wort Gottes, findet darin ihren
Ausgangspunkt und kehrt zu ihm zurück. Die Ernsthaftigkeit des
Bibelstudiums gewährleistet also teilweise die Fülle der lectio. Ob
diese lectio den Text der Bibel selbst zum Gegenstand hat, ob es sich um einen
liturgischen Text oder um einen großen spirituellen Text der kathoIischen
Tradition handelt, es ist ein getreues Echo des Wortes Gottes, das man
hören und vielIeicht sogar, nach Art der Alten, »murmeln« (leise
mitsprechen) soll. Diese Einführung oder Initiation erfordert mutiges
Einüben wahrend der anfänglichen Ausbildung, und auf sie stützen
sich alle weiteren Stufen.
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