88. Dabei neigen ihre doktrinellen und ethischen
Bezugnahmen dazu, sich so sehr zu relativieren, daß sie nicht immer
richtig wissen, ob es feste Bezugspunkte für das Erkennen der Wahrheit
über den Menschen, die Welt und die Dinge gibt. Schuld daran ist nicht
selten die Armseligkeit oder das Fehlen des Metaphysikunterrichts in den
Lehrplänen der Schulen. Unschlüssig zögern sie auszusprechen,
wer sie sind, und zu sagen, wozu sie berufen sind. Wenn sie Überzeugungen
zur Existenz von Gut und Böse haben, so scheint sich der Sinn dieser
Begriffe im Vergleich zu dem, den er für die früheren Generationen
hatte, verschoben zu haben. Häufig besteht bei ihnen ein
Mißverhältnis zwischen dem Stand ihrer mitunter sehr spezialisierten
weltlichen Kenntnisse, dem ihres psychologischen Wachstums und dem ihres
christlichen Lebens. Angesichts der Krise, von der die Familie als Institution
sowohl dort heimgesucht wird, wo die Kultur nicht tief vom Christentum
durchdrungen ist, als auch in Kulturen des nachchristlichen Typs, wo sich die
Notwendigkeit einer Neu-Evangelisierung als vordringlich erweist, als auch in
den längst evangelisierten Kulturen, haben nicht alle in ihren Familien
glückliche Erfahrungen kennengelernt. Sie lernen viel mittels Bilder, und
die heutige Schulpädgogik fordert bisweilen dieses Medium, doch sie lesen
wenig. Es stellt sich heraus, daß ihre Bildung und Kultur
gewissermaßen durch ein Fehlen der geschichtlichen Dimension
gekennzeichet ist, so als würde unsere Welt erst heute beginnen. Sie bleiben
von der Konsumgesellschaft mit den Enttäuschungen, die sie hervorruft,
nicht verschont. Nachdem sie manchmal nur mit Mühe ihren Platz in der Welt
gefunden haben, lassen sich manche der jungen Leute von Gewalt, Drogen und
Erotik verführen. Immer häufiger sind unter den Kandidaten zum
Ordensleben Jugendliche zu finden, die gerade in diesem letzten Bereich
unglückliche Erfahrungen gemacht haben.
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