91. Diese Affinität lenkt unsere Aufmerksamkeit
konkret auf einige Punkte. Jesus Christus und sein Evangelium gehen über
jede Kultur hinaus, selbst dann, wenn die Präsenz des auferstandenen
Christus und seines Geistes sie alle von innen her durchdringt.(181)
Andererseits muß jede Kultur evangelisiert, d.h. von den Wunden der
Sünde gereinigt und geheilt werden. Zugleich wird die Weisheit, die sie in
sich trägt, von der Weisheit des Kreuzes überragt, vertieft und
vollendet.(182) Man sollte also überall auf der Welt:
- für die AllgemeinbiIdung der
Kandidaten sorgen, ohne zu vergessen, daß sich Kultur nicht auf die
intellektuelle Dimension der Person beschränkt;
- feststellen, wie die Ordensmänner und
Ordensfrauen ihren eigenen Glauben in ihre ursprüngliche Kultur
inkulturieren, und ihnen dabei helfen. Das darf natürlich nicht dazu
führen, daß die Ausbildungshäuser der Orden in eine Art
Inkulturationslaboratorien verwandelt werden. Aber die für die Ausbildung
Verantwortlichen dürfen es nicht versäumen, bei der persönlichen
Begleitung ihrer Alumnen darauf zu achten. Da es um ihre persönliche
Glaubenserziehung und die Einpflanzung dieses Glaubens in das Leben der ganzen
Person geht, durfen sie nicht vergessen, daß das Evangelium in einer
Kultur die letzte Wahrheit der Werte, die sie in sich trägt, freisetzt und
daß andererseits die Kultur das Evangelium auf eigenständige Weise
zum Ausdruck bringt und neue Aspekte darin offenkundig macht;(183)
- die Ordensmänner und Ordensfrauen,
die in einer ihrer Herkunft nach fremden Kultur leben und arbeiten, in die
Kenntnis und Wertschätzung dieser Kultur einführen, wie es in dem
Konzilsdekret Ad gentes, Nr. 22, empfohlen wird;
- entsprechend dem Dekret Ad gentes, Nr.
18, in den jungen Kirchen in Gemeinschaft mit der ganzen Ortskirche und unter
der Führung ihres Bischofs ein inkulturiertes Ordensleben fördern.
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