|
SCHLUß
110. Dieses Dokument wollte den bereits gewonnenen
Erfahrungen nach dem Konzil Rechnung tragen und zugleich von den höheren
Obern aufgeworfene Fragen weitergeben. Es ruft allen einige Forderungen des
Rechts in bezug auf die gegenwärtigen Verhältnisse und
Bedürfnisse in Erinnerung. Nicht zuletzt hofft es, den Ordensinstituten
von Nutzen zu sein, damit alle in der kirchlichen Gemeinschaft voranschreiten,
unter der Führung des Papstes und der Bischöfe, denen »das Amt
zukommt, zu unterscheiden und zu steuern, das Amt, das gleichzeitig die
Fülle besonderer Gaben des Geistes und das eigene Charisma der Lenkung der
verschiedenen Dienste in tiefster Fügsamkeit gegenüber dem einzigen
lebenspendenden Geist mit sich bringt«.(212)
An erster Stelle wurde darauf hingewiesen,
daß das Hauptziel der Ausbildung der Ordenleute darin besteht, sie in das
Ordensleben einzuführen und ihnen dabei zu helfen, sich ihrer
Identität als Männer und Frauen bewußt zu werden, die sich
durch ihr Gelübde zur Befolgung der evangelischen Räte der
Keuschheit, der Armut und des Gehorsams Gott in einem Ordensinstitut geweiht
haben. Unter den entscheidenden Vermittlern der Ausbildung kommt dem Heiligen
Geist ein Vorrang zu, denn die Ausbildung der Ordensleute ist ihrer Quelle und
ihrer Zielsetzung nach ein im wesentlichen göttliches Werk. In unserem
Dokument wird die Notwendigkeit betont, qualifizierte Erzieher auszubilden,
ohne zu warten, bis jene, die diese Aufgabe gegenwärtig wahrnehmen, ihren
Auftrag beendet haben. Die wichtige Rolle, die der Ordensangehörige selbst
und seine Gemeinschaft spielen, machen diese Aufgabe zu einem bevorzugten Ort
der Ubung persönlicher und gemeinschaftlicher Verantwortung. Es wurden einige
aktuelle Fragen zur Sprache gebracht, die zwar nicht alle peremptorisch
beantwortet werden, die aber wenigstens zum Nachdenken anregen sollen. Ein
besonderer Platz wurde auch den gänzlich auf die Kontemplation
hingeordneten Instituten eingeräumt angesichts ihrer Stellung im Herzen
der Kirche und der Eigenart ihrer Berufung.
Jetzt bleibt noch, für alle, Obern,
Ausbilder, Ordensleute, die Gnade der Treue zu ihrer Berufung nach dem Vorbild
und unter der Obhut der Jungfrau Maria zu erbitten. Auf ihrem Weg durch die Zeiten
schreitet die Kirche voran und »geht dabei denselben Weg, den auch die Jungfrau
Maria zurückgelegt hat, die den Pilgerweg des Glaubens gegangen ist und
ihre Verbundenheit mit dem Sohn in Treue bewahrt hat«.(213) Die Zeit
der Ausbildung hilft den Ordensleuten, diesen Weg im Licht des Geheimnisses
Christi zu gehen, das das Geheimnis Mariens »voll und ganz
aufklärt«,(214) während gleichzeitig das Geheimnis Mariens
»für die Kirche ein Zeichen der Bestätigung für das Dogma von
der Menschwerdung ist«,(215) wie es auf dem Konzil von Ephesus
offenkundig geworden ist. Maria ist bei der Entstehung und der Erziehung einer
Ordensberufung gegenwärtig. Sie ist mit dem ganzen Wachsen dieser Berufung
im Heiligen Geist aufs engste verbunden. Die Sendung, die sie an der Seite Jesu
erfüllt hat, vollendet sie zum Wohle seines Leibes, der Kirche, und in
jedem Christen, besonders in jenen, die sich einer »besonders engen« Nachfolge
Jesu Christi hingeben.(216) Und darum wird eine von einer authentischen
Theologie getragene marianische Atmosphäre für die Ausbildung der
Ordensleute die Zuverlässigkeit, die Gründlichkeit und die Freude
sicherstellen, ohne die ihr Sendungsauftrag in der Welt nicht voll erfüllt
werden könnte.
In der Audienz, die dem unterzeichneten
Kardinal-Präfekten am 10. November 1989 gewährt wurde, hat der Hl.
Vater das vorliegende Dokument der Kongregation für die Institute des
geweihten Lebens und die Gemeinschaften des apostolischen Lebens
gutgeheißen und dessen Veröffentlichung unter dem Titel »Richtlinien
für die Ausbildung in den Ordensinstituten« gestattet.
Rom, am Sitz der Kongregation, den 2.
Februar 1990, am Fest der Darstellung des Herrn.
fr.
JÉRÔME KARDINAL HAMER
Präfekt
+ VINCENZO FAGIOLO
em. Erzbischof von Chieti
Sekretär
|