12. Glaube, Hoffnung und Liebe drängen die
Ordensleute dazu, durch die Gelübde die drei evangelischen Räte zu
verwirklichen und sich zu ihnen zu bekennen und so die Bedeutung des Geistes
der Seligpreisungen für diese Welt zu bezeugen.(31)
Die evangelischen Räte sind gleichsam
die Grundpfeiler des Ordenslebens, weil sie in vollkommener und bedeutsamer
Weise den evangelischen Radikalismus, der es kennzeichnet, zum Ausdruck
bringen. Denn »durch die Verpflichmg auf die evangelischen Räte in der
Kirche will (der Ordensangehörige) von den Hindernissen, die ihn von der
Glut der Liebe und der Vollkommenheit der Gottesverehrung zurückhalten
könnten, frei werden und wird dem göttlichen Dienst inniger
geweiht«.(32)
Sie betreffen drei wesentliche Ebenen der
Existenz und der Beziehungen der menschlichen Person: Gefühl, Besitz und
Macht. Aus dieser anthropologischen Verwurzelung erklärt sich, daß
die geistliche Überlieferung der Kirche sie häufig mit den vom hl.
Johannes genannten drei Begierden in Verbindung gebracht hat.(33) Die
richtige Befolgung der Räte fordert die personliche Entfaltung, die
geistliche Freiheit, die Reinigung des Herzens, facht die Glut der Liebe an und
hilft dem Ordensmann und der Ordensfrau, mitzuwirken am Aufbau der irdischen
Gesellschaft.(34)
Die evangelischen Rate haben, wenn sie
möglichst authentisch gelebt werden, eine große Bedeutung für
alle Menschen,(35) denn jedes Gelübde gibt eine spezifische
Antwort auf die großen Versuchungen unserer Zeit. Durch die Räte
zeigt die Kirche weiterhin der Welt die Wege zu ihrer Verwandlung in das Reich
Gottes.
Darum ist es so wichtig, aufmerksame Sorge
darauf zu verwenden, daß die Kandidaten für das Ordensleben
theoretisch und praktisch in die konkreten Anforderungen der drei Gelübde
eingeführt werden.
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