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Kongregation für die Institute des geweihten Lebens und die Gesellschaften des apostolischen Lebens
Richtlinien für Ausbildung in Ordensinstituten

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  • ERSTES KAPITEL GEWEIHTES LEBEN UND AUSBILDUNG
      • 14
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ARMUT

14. »Der evangelische Rat der Armut in die Nachfolge Christi, der um unseretwillen arm wurde, obwohl Er reich war; hat außer einem in Wirklichkeit und im Geiste armen Leben, das nach Kräften in Bescheidenheit und fern von irdischem Reichtum zu führen ist, Abhängigkeit und Beschränkung zur Folge in Gebrauch und Verfügung über Vermögen nach Maßgabe des Eigenrechts der einzeInen Institute«.(38)

Das Gespür für die Armut ist nicht neu, weder in der Kirche noch im Ordensleben. Neu ist vielleicht, daß heute ein besonderes Gefühl für die Armen und für die Armut in der Welt das Ordensleben kennzeichnet. Es gibt heute Formen von Armut in großem Ausmaß, die einzelne oder ganze Gesellschaften zu ertragen haben: Hunger, Unwissenheit, Krankheiten, Arbeitslosigkeit, Unterdrückung grundlegender Freiheiten, wirtschaftliche und politische Abhängigkeit, Korruption in den öffentlichen Verwaltungsapparaten, und allem Anschein nach ist die menschliche Gesellschaft so organisiert, daß sie diese verschiedenen Armutsformen erzeugt und immer wieder erzeugt, ja vervielfältigt.

Unter diesen Bedingungen werden die Ordensleute zu einer größeren Nähe zu den Ärmsten und Bedürftigsten angehaIten, also zu den Menschen, die Jesus seit jeher bevorzugt hat, zu denen er nach seiner eigenen Aussage gesandt wurde(39) und mit denen er sich identifizierte.(40)

Diese Nähe zu den Armen läßt die Ordensleute einen persönlichen und gemeinschaftlichen Lebensstil annehmen, der konsequenter ihrer VerpfIichtung anspricht, dem armen und erniedrigten Jesus unmittelbarer nachzufolgen und die Situation der Armen zu teilen.

Diese dem Evangelium entsprechende »vorrangige Entscheidung«(41) der Ordensleute für die Armen schließt das innere Losgelöstsein, die Einfachheit und Strenge des Kommunitätslebens ein und bedeutet mitunter, daß sie das Leben und den Lebenskampf dieser Menschen teilen, ohne jedoch zu vergessen, daß die eigentliche Sendung der Ordensleute darin besteht, »auf herausragende Weise Zeugnis zu geben, daß die Welt nicht verwandelt und Gott geweiht werden kann, außer im Geist der Seligpreisungen«.(42)

Gott liebt die ganze Menschheitsfamilie und will sie als ganze, ohne jemanden auszuschließen, sammeln.(43) Es ist für die Ordensmänner und Ordensfrauuch eine Armutsform, sich nicht in ein bestimmtes Milieu oder eine soziale Klasse abdrängen zu lassen, denn die echten Armen sind in allen Kreisen zu finden. Dies gilt, unter Berücksichtigung der je besonderen Eigenart ihres Charismas, ebenso für die Institute, die sich einem Dienst an den am meisten benachteiligten sozialen Schichten verschrieben haben. Das Studium der Soziallehre der Kirche und besonders der Enzyklika Sollicitudo rei socialis und der Instruktion über die christliche Freiheit und Befreiung(44) soll den Ordensleuten helfen, die für eine aktualisierte Übung der evangelischen Armut erforderlichen Unterscheidungen vorzunehmen.

Die Erziehung zur evangelischen Armut soll auf folgende Punkte achten:

- Vor dem Eintritt ins Ordensleben erfreuten sich manche dieser jungen Leute einer gewissen finanziellen Unabhängigkeit und waren gewohnt, sich alles, worauf sie Lust hatten, zu besorgen. Andere wiederum finden in der Orsgemeinschaft einen höheren Lebensstandard vor, als sie ihn aus ihrer Kindheit oder ihren Studien- bzw. Arbeitsjahren gewöhnt waren. Die Erziehung zur Armut soll die Geschichte jedes einzelnen berücksichtigen. Man wird auch daran denken müssen, daß in manchen Kulturen die Familien sich von dem was gleichsam als ein sozialer Aufstieg für ihre Kinder erscheint, erwarten, daß es auch ihnen zugute kommt;

- zur Tugend der Armut gehört es, sich einzulassen auf ein arbeitsreiches Leben, auf einen strengen Lebensstil sowie auf eine konkrete, demütige Art des Verzichtes auf Eigentum, die die Betreffenden freier für ihre Sendung machen; die Schöpfung und die in ihr dem Menschen zur Verfügung gestellten materiellen Güter zu bewundern und zu respektieren; die Versorgung mit dem Lebensnotwendingen der Gemeinschaft zu überlassen; den aufrichtigen Wunsch zu bekunden, daß »alle alles gemeinsam haben« und »jedem davon so viel zugeteilt wird, wie er nötig hat« (vgl. Apg 4,32.35).

Das alles, um dem armen, geliebten Jesus nachzufolgen und zum Mittelpunkt des eigenen Lebens zu machen. Andernfalls nimmt die religiöse Armut in Form der Solidarität und der Güterteilung allzu leicht ideologisch-politischen Charakter an. Nur ein armes Herz, das sich anschickt, dem armen Christus nachzufolgen, kann die Quelle echter Solidarität und wahrer Uneigennützigkeit sein.




38) Can. 600.



39) Vgl. Lk 4, 16-21.



40) Vg1. Lk 7, 18-23.



41) Schlußdokument von Puebla. Nr. 733-735, Johannes Paul II. spricht von der »Liebe der Auserwählung« (Rede an die Familie von Prado, Lyon, 7.10.1986).



42) LG 31.



43) Vgl. GS 32.



44) Kongregation für die Glaubenslehre, 22.3.1986.






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