GEHORSAM
15. »Der im Geist des Glaubens und der Liebe
in die Nachfolge des bis zum Tode gehorsamen Christus übernommene
evangelische Rat des Gehorsams verpflichtet zur Unterwerfung des Willens
gegenüber den rechtmäßigen Oberen als Stellvertretern Gottes,
wenn sie im Rahmen der eigenen Konstitutionen befehlen«.(45) Alle
Ordensleute unterstehen außerdem »aus einem eigenen Grunde der
höchsten Autorität der Kirche... und sind gehalten, dem Papst als
ihrem höchsten Oberen auch kraft der heiligen Gehorsamsbindung Folge zu
leisten«.(46) Weit davon entfernt, die Würde der menschlichen
Person zu mindern führt der Ordensgehorsam diese durch die
größer gewordene Freiheit der Kinder Gottes zu ihrer
Reife«.(47)
Der Ordensgehorsam ist zugleich Nachahmung
Christi und Teilnahme an seiner Sendung. Es geht ihm darum zu tun, was Christus
getan hat, und zugleich das zu tun, was er in der konkreten Situation, in der
sich die Ordensleute heute befinden, tun würde. Daß in einem
Institut die Obernautorität ausgeübt wird oder nicht, kann man ohne
Berufung auf die Sendung weder befehlen noch befolgen. Wenn der
Ordensangehörige gehorcht, stellt er seinen Gehorsam m einen
kontinuierlichen Zusammenhang mit dem Gehorsam Jesu zur Rettung der Welt. Daher
ist alles, was bei der Ausübung der Autorität bzw. bei der Leistung
des Gehorsams durch Kompromiß, diplomatische Lösung oder Zwang oder
irgendeine andere Art menschlicher Machenschaften zustande kommt, ein Verrat an
der grundlegenden Inspiration des Ordensgehorsams, nämlich sich nach der
Sendung Jesu zu richten und sie hier und jetzt zu verwirklichen, selbst wenn
der Einsatz schwer ist. Ein Oberer, der den Dialog fördert, erzieht zu
einem aktiven und verantwortungsvollen Gehoram. Dennoch kommt es ihm zu, »seine
Autorität zu gebrauchen, wenn entschieden und angeordnet werden muß,
was zu tun ist«.(48)
Was die Erziehung zum Gehorsam betrifft,
soll Folgendes beachtet werden:
- Um sich dem Gehorsam hingeben zu
können, muß man zuerst als Person existieren. Die Kandidaten
müssen die Anonymität der technischen Welt verlassen, sich als
Personen erkennen und als solche anerkannt, geschätzt und geliebt werden;
- die Kandidaten müssen zur wahren
Freiheit finden, um persönlich von »dem, was ihnen gefällt«, zu dem
zu gelangen, »was dem Vater gefällt«. Deshalb solIen die Strukturen der
Ausbildungskommunität, auch wenn sie klar und eindeutig festgelegt sind,
den Eigeninitiativen und verantwortlichen Entscheidungen einen breiten Raum
lassen;
- daß der Wille Gottes sich meistens
und auf herausragende Weise durch die Vermittlung der Kirche und ihres
Lehramtes kundtut, und für die Ordensleute besonders durch ihre eigenen
Ordenssatzungen.
- was den Gehorsam anbelangt, so hat das
Zeugnis der älteren Kommunitätsmitglieder mehr Bedeutung für die
jungen Leute als jede andere theoretische Überlegung. - Wer sich jedoch
wie Christus und in Christus zu gehorchen bemüht, dem gelingt es, weniger
vorbildliche Beispiele einfach unbeachtet zu lassen.
Die Erziehung zum Ordensgehorsam wird daher
mit aller Klarheit und dem erforderlichen Anspruch darauf abzielen, daß
man nicht von dem »Weg« abkommt, der Christus mit seiner Sendung
ist.(49)
|