18 Deshalb dürfte das persönliche Leben eines
Ordensmannes oder einer Ordensfrau eigentlich nicht unter Spaltungen leiden,
weder zwischen dem allgemeinen Ziel ihres Ordenslebens und dem besonderen Ziel
ihres Instituts, noch zwischen der Weihe an Gott und der Entsendung in die
WeIt, noch zwischen dem Ordensleben als solchem einerseits und den
apostolischen Tätigkeiten andererseits. Es gibt konkret kein Ordensleben
»an sich«, das gleichsam wie ein Zusatz das besondere Ziel und eigene Charisma
jedes Instituts überlagern wurde. In den Instituten, die sich dem
Apostolat widmen, sind sowohl das Streben nach Heiligkeit und die Befolgung der
evangelischen Räte wie auch das Gott und seinem Dienst geweihte Leben an
und für sich mit dem Dienst an der Kirche und der Welt
verbunden.(57) Oder besser, in diesen Instituten gehören »die
apostolische und die karitative Tätigkeit zum eigentlichen Wesen des
Ordenslebens«, und zwar so sehr, daß »das ganze Ordensleben... von
apostolichem Geist durchdrungen und alle apostolische Arbeit vom Ordensgeist
geprägt sein muß«.(58) Der Dienst am Nächsten entfernt
und trennt den Ordensmann oder die Ordensfrau nicht von Gott. Wenn dieser
Dienst von einer wahrhaft göttlichen Liebe beseelt ist, gewinnt er Wert
und Bedeutung eines Dienstes an Gott.(59)
Und man kann daher mit Recht sagen, »das
Apostolat aller Ordensleute besteht in erster Linie im Zeugnis ihres geweihten
Lebens«.(60)
Es wird Sache jedes einzelnen sein zu
überprufen, inwieweit in seinem eigenen Leben die apostolische Arbeit aus
seiner tiefen Verbundenheit mit Gott hervorgeht und zugleich diese
Verbundenheit enger macht und stärkt.(61) Unter diesem
Gesichtspunkt ist der hier und jetzt in der empfangenen Sendung bekundete
Gehorsam das direkte Mittel, durch das sich eine gewisse - geduldig gesuchte,
aber niemals erreichte - Einheit des Lebens verwirklichen läßt.
Dieser Gehorsam ist nur aus dem Willen zu erklären, Christus
möglichst unmittelbar nachzufolgen, ein Wille, der seinerseits von einer
persönlichen Liebe Christi beseelt und angeregt wird. Diese Liebe ist das
Prinzip der inneren Einheit des ganzen gottgeweihten Lebens.
Die Einheit des Lebens läßt sich
in geeigneter Weise aufgrund einer vierfachen Treue nachweisen: die Treue zu
Christus und zum Evangelium, die Treue zur Kirche und zu ihrer Sendung in der
Welt, die Treue zum Ordensleben und Charisma des eigenen Institutes, die Treue
zum Menschen und zu unserer Zeit.(62)
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