ZWEITES
KAPITEL
ASPEKTE,
DIE ALLEN ABSCHNITTEN DER AUSBILDUNG ZUM ORDENSLEBEN GEMEINSAM SIND
A) VERMITTLER UND UMFELD DER AUSBILDUNG
DER GEIST GOTTES
19. Gott selbst beruft Menschen zum geweihten Leben
in der Kirche. Er behält während des ganzen Lebens der Ordensleute
die Initiative: »Gott, der euch beruft, ist treu; er wird es tun«.(63)
Wie sich Jesus nicht damit zufrieden gegeben hat, seine Jünger zu berufen,
sondern sie während seines öffentlichen Wirkens geduldig erzogen hat,
so fuhr er nach seiner Auferstehung fort, sie durch seinen Geist »in die ganze
Wahreit zu führen«.(64)
Dieser Geist, dessen Wirken zwar von anderer
Art ist als die Erkenntnisse der Psychologie oder die sichtbare Geschichte, der
aber auch durch sie tätig ist, handelt im Verborgenen des Herzens eines
jeden von uns, um sich dann in sichtbaren Früchten zu offenbaren: Er ist
die Wahrheit, die »lehrt«, »erinnert«, »führt«.(65) Er ist »die
Salbung«, die uns erkennen, ermessen, beurteilen, wählen
läßt.(66) Er ist der Beistand und Tröster, der »sich
unserer Schwachheit annimmt«, uns stärkt und uns den Geist des Sohnes
schenkt.(67) Diese unauffällige, aber entschiedene Gegenwart des
Geistes Gottes verlangt zwei Grundhaltungen: die Demut, die sich der Weisheit
Gottes überläßt, und die Kenntnis und praktische Übung der
geistlichen Unterscheidung. Es kommt in der Tat darauf an, die Gegenwart des
Geistes in sämtlichen Aspekten des Lebens und der Geschichte und durch die
menschliche Vermittlung erkennen zu können Was diese letztere betrifft,
gilt es, die Öffnung für einen geistlichen Führer wachzuhalten,
die von dem Wunsch, selbst klar zu sehen, und von der Bereitschaft geweckt
wird, sich beraten und lenken zu lassen, um den Willen Gottes einwandfrei zu
erkenen.
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