27. Eine Gemeinschaft ist in dem Maße formativ,
in dem sie jedem ihrer Mitglieder in der Treue zum Herrn und dem Charisma des
Instituts entsprechend zu wachsen erlaubt.
Daher müssen die Mitglieder miteinander
die Gründe für das Bestehen dieser Gemeinschaft und ihre
grundlegenden Zielsetzungen geklärt haben, ihre zwischenmenschlichen
Beziehungen sollen von Einfachheit und Vertrauen geprägt sein und sich vor
allem auf den Glauben und die Liebe gründen. Zu diesem Zweck wird die
Gemeinschaft jeden Tag unter dem Wirken des Heiligen Geistes aufgebaut, indem
sie sich vom Wort Gottes richten und bekehren, durch die Buße
läutern, durch die Eucharistie aufbauen, durch die Feier des liturgischen
Jahres stärken läßt. Sie steigert ihre Gemeinschaft durch die
hochherzige gegenseitige Unterstützung und durch den ständigen
Austausch materieller und geistiger Güter im Geiste der Armut und aufgrund
der Freundschaft und des Dialogs. Sie lebt aufs tiefste den Geist des
Ordensstifters und die Regel des Instituts. Die Obern werden es als ihren
besonderen Auftrag betrachten, diese brüderliche Gemeinschaft in Christus
aufzubauen (vgl. can. 619).
Im Bewußtsein seiner Verantwortung
innerhalb der Gemeinschaft fühlt sich jeder einzelne angespornt, nicht nur
seinetwegen, sondern um des Wohles aller willen zu wachsen.(90)
Ordensmänner und Ordensfrauen in der Ausbildung sollen in ihrer
Gemeinschaft eine geistliche Atmosphäre, eine Einfachheit des Lebens und
einen apostolischen Schwung finden können, die geeignet sind, sie so in
die Nachfolge Christi einzuüben, wie es der Radikalität ihrer Weihe
entspricht.
Hier sollen die Worte aus der Botschaft
Papst Johannes Pauls II. an die Ordensleute von Brasilien in Erinnerung gerufen
werden: »Darum ist es gut, daß die jungen Ordensleute während ihrer
Ausbildung in formativen Gemeinschaften leben, in denen es nicht an all den
Voraussetzungen für eine vollständige Ausbildung fehlt: für die
geistliche, intellektuelle, liturgische und pastorale Ausbildung und das
Gemeinschaftsleben. Schwerlich werden sie sich alle in kleinen
Kommunitäten finden lassen. Wie auch immer es sei, stets ist es notwendig,
aus der pädagogischen Erfahrung der Kirche alles das zu schöpfen, was
ein Urteil darüber ermöglicht, ob der Prozeß der Ausbildung
sich in rechter und fruchtbarer Weise in einer Gemeinschaft vollzieht, die den
Personen und ihrer Ordensberufung - und in entsprechenden Fällen ihrer
Priesterberufung - angemessen ist« (OR dt, 19.9.86, S.8).
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