DER ORDENSANGEHÖRIGE
SELBST VERANTWORTLICH FÜR SEINE AUSBILDUNG
29. Aber die Hauptverantwortung dafür,
»ja« zu sagen auf den an ihn ergangenen Anruf und alle Konsequenzen aus dieser
Antwort zu ziehen, die nicht so sehr eine verstandesmäßige, sondern
eine Antwort auf eine Lebensfrage ist, liegt beim Ordensangehörigen
selbst. Der Ruf und das Handeln Gottes sowie seine Liebe sind immer neu, die
geschichtlichen Situationen wiederholen sich niemals. Der Gerufene ist daher
ständig eingeladen, eine sorgfältige, neue und verantwortliche
Antwort zu geben. Sein Weg soll ebenso an den des Gottesvolkes im Buch Exodus
erinnern wie an den nur langsamen Fortschritt der Jünger, denen »es
schwerfällt, alles zu glauben«,(91) denen aber zuletzt das Herz
brennt, als sich der auferstandene Herr ihnen zu erkennen gibt.(92)
Damit sei angedeutet, inwieweit die Ausbildung des Ordensangehörigen auf
dessen Persönlichkeit zugeschnitten, also individuell sein muß. Man
wird nachdrücklich an sein persönliches Gewissen und seine Verantwortung
appellieren müssen, damit er die Werte des Ordenslebens und zugleich die
ihm von seinem Novizenter aufgetragene Lebensregel verinnerlicht. So wird er in
sich selbst die Rechtfertigung für seine praktischen Entschlüsse und
im Hl. Geist seine entscheidende Kraft finden. Es gilt also ein richtiges
Gleichgewicht zu finden zwischen der Gruppenausbildung und der individuellen
Ausbildung der einzelnen Person, zwischen der Einhaltung der für jede
Ausbildungsphase vorgesehenen Zeiten und deren Anpassung an den Rhythmus des
einzelnen.
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