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| Kongregation für die Institute des geweihten Lebens und die Gesellschaften des apostolischen Lebens Richtlinien für Ausbildung in Ordensinstituten IntraText CT - Text |
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KEUSCHHEIT 13. »Der um des Himmelreiches willen übernommene evangelische Rat der Keuschheit, der ein Zeichen der künftigen Welt und eine Quelle reicherer Fruchtbarkeit eines ungeteilten Herzens ist, bringt die Verpflichtung zu vollkommener Enthaltsamkeit im Zölibat mit sich«.(36) Die Befolgung dieses Rates setzt voraus, daß die durch die Ordensgelübde geweihte Person »in mehr unmittelbarer Weise« (ET 13) eine Beziehung zu Gott durch Christus im Heiligen Geist in den Mittelpunkt ihres Gefühlslebens stellt. »Die Beobachtung vollkommener Enthaltsamkeit rührt sehr unmittelbar an tiefere Neigungen der menschlichen Natur. Darum dürfen Kandidaten nur nach wirklich ausreichender Prüfung und nach Erlangung der erforderlichen psychologischen und affektiven Reife zum Gelöbnis der Keuschheit hinzutreten und zugelassen werden. Man soll sie nicht nur auf die Gefahren für die Keuschheit aufmerksam machen sondern sie anleiten, die gottgewollte Ehelosigkeit zum Wohl der Gesamtperson innerlich zu übernehmen«.(37) Eine instinktive Neigung führt die menschliche Person dazu, die menschliche Liebe zu verabsolutieren. Gekennzeichnet ist diese Neigung von dem affektiven Egoismus, der in einer Herrschaft über die geliebte Person sichtbar wird, so als könnte aus diesem Besitz das Glück erwachsen. Andererseits bereitet es dem Menschen große Mühe, zu begreifen und vor allem zu verwirklichen, daß die Liebe in der völligen Selbsthingabe gelebt werden kann ohne notwendigerweise den sexuellen Ausdruck zu erfordern. Die Erziehung zur Keuschheit soll daher darauf ausgerichtet sein, jedem einzelnen zu helfen, seinen Sexualtrieb zu kontrollieren und zu beherrschen, während er sich gleichzeitig vor einem affektiven Egoismus hüten muß, der ihn hochmütige Befriedigung über seine geübte Enthaltsamkeit empfinden läßt. Nicht zufällig räumten die alten Kirchenväter der Demut den Vorrang vor der Keuschheit ein, da diese letztere eben, wie die Erfahrung beweist, sich mit der Härte des Herzens abfinden kann. Die Keuschheit befreit das Herz des Menschen in einzigartiger Weise von seinen FesseIn (vgl. I Kor 7,32-35), so daß es vor Liebe zu Gott und zu allen Menschen glüht. Einer der größten Beiträge, die die Ordensleute für die Menschheit heute erbringen können, besteht gewiß darin, daß sie ihnen, mehr durch ihr Leben als durch ihre Worte, die Möglichkeit einer echten Hingabe und einer Offenheit für die anderen enthüllen, indem sie ihre Freuden teilen, treu und beständig in der Liebe sind, ohne Haltungen der Herrschsucht oder der Exklusivität anzunehmen. Die Erziehung zur gottegeweihten Keuschheit soll daher für Folgendes Sorge tragen: - Erhaltung der Freude und Dankbarkeit für die persönliche Liebe, mit der jeder einzelne von Christus angeblickt und erwählt wurde; - Ermutigung zum häufigen Empfang des Sakramentes der Wiederversöhnung, zur Anwendung einer geordneten geistlichen Führung und zur Teilnahme an einer wahrhaft brüderlichen Liebe in Gemeinschaft, die in offenen und herzlichen Beziehungen konkrete Gestalt annimmt; - Erklärung des Wertes und der Bedeutung des Körpers, Anhalten zu einer grundlegenden Körperpflege (Schlaf, Sport, Entspannung, Ernährung, usw.); - Erteilung der Grundkenntnisse über die Sexualität des Mannes und der Frau mit den entsprechenden physischen, psychologischen und geistigen Hinweisen; - Hilfe zur Selbstkontrolle im sexuellen und affektiven Bereich, aber auch im Hinblick auf andere instinktmäßige oder erworbene Bedürfnisse (Naschen, Tabak, Alkohol); - Hilfe an jeden, seine früheren Erfahrungen anzunehmen: die positiven, um dafür zu danken, die negativen, um die Schwachstellen ausfinding zu machen, sich friedlich vor Gott zu erniedrigen und in Zukunft wachsam zu bleiben; - Herausstellen der Fruchtbarkeit der Keuschheit, der Geburt aus dem Geist (Gal 4,19), die das Leben für die Kirche hervorbringt; - Schaffung eines Klimas des Vertrauens zwischen den Ordensleuten und ihren Erziehern, die bereit sein müssen, alles aufzunehmen und mit aufrichtiger Zuneigung hinzuhören, um Erklärungen zu geben und Hilfe zu leisten. - Verhalten, das im Gebrauch der sozialen Kommunikationsmittel sowie jener zwischenmenschlichen Beziehungen, die einer treu gelebten Keuschheit hinderlich sein können, von der gebotenen Klugheit geprägt ist (vgl. can. 277,2 und 666). Diese Klugheit wird nicht nur von den Ordensleuten, sondern auch von deren Oberen gefordert.
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36) Can. 599. 37) PC 12. |
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