10. Noch mehr erfordert die
Beteiligung an gewerkschaftlicher Tätigkeit eine klare Kenntnis der pastoralen
Perspektiven, aber auch der Grenzen und Risiken eines Mißbrauchs, der sich
dabei für Leben und Tätigkeit der Ordensleute ergeben kann.
Die entsprechenden Überlegungen müssen sich
daher von einigen klaren Normen leiten lassen:
a) Grundsätzlich
besteht keine innere Unvereinbarkeit zwischen dem Ordensleben und dem sozialen
Einsatz, auch nicht auf der Ebene der Gewerkschaften. Manchmal kann die
Teilnahme an gewerkschaftlichen Tätigkeiten nach den verschiedenen
Gesetzgebungen notwendig mit der Präsenz in der Welt der Arbeit verbunden sein;
andererseits kann eine solche Teilnahme auch ratsam erscheinen aus Solidarität,
zur rechtmäßigen Unterstützung der bestehenden Rechte (37).
b) Politische
Einmischung bringt freilich oft Probleme, die nicht leicht zu lösen sind. Man
muß solche Situationen nach Kriterien bewerten, wie sie für die politische
Praxis gelten (vgl. den folgenden Abschnitt). Besondere Aufmerksamkeit ist
gegenüber Ideologien nötig, die den sogenannten Klassenkampf fordern. Die Lehre
von OA (26-36) würde sich in diesem Fall als sehr notwendig erweisen.
c) Aus den bisherigen
Erfahrungen lassen sich ferner Verhaltensgrundsätze ableiten, die Zielsetzungen
und Gestaltung ähnlicher Vorhaben leiten sollten. Gerade innerhalb einer für
das soziale Leben derart einflußreichen Gruppe wie der der Arbeiter sind die
Ordensleute Träger menschlicher und christlicher Werte, die sie gelegentlich
zur Ablehnung gewisser gewerkschaftlicher Handlungsweisen oder politischer
Bewegungen veranlassen, wenn sie nicht den klaren Forderungen der Gerechtigkeit
entsprechen, für die allein sie sich eingesetzt haben.
Auch im Inneren der eigenen Gemeinschaften
sollen diese Ordensleute die Werte der Gemeinschaft pflegen und unannehmbare
Polarisierungen vermeiden. Ein solches Verhalten wird den Gemeinschaften
ausgewogene und glaubwürdige Entscheidungen erleichtern.
d) Das Bewußtsein,
daß den Laien aufgrund ihrer Berufung und Sendung besonders der Einsatz für die
Förderung der Werte der Solidarität und Gerechtigkeit innerhalb der weltlichen
Strukturen zukommt, muß als weiteres wesentliches Kriterium angesehen werden,
das für die Präsenz der Ordensleute richtungsweisend ist (38). Ihre
ergänzende Funktion, besonders auf diesem Gebiet, wird sich vor allem im
Zeugnis und im Beitrag zu einer immer sachgerechteren Vorbereitung der Laien
ausprägen.
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