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Kongregation für die Institute des geweihten Lebens und die Gesellschaften des apostolischen Lebens
Ordensleben und Förderung des Menschen

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  • I VIER HAUPTPROBLEMKREISE
    • 4. Das Eingreifen in die «politische Praxis»
      • 12
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12. Einige Leitlinien, die dem Lehramt entsprechen, scheinen daher notwendig, um einen Sachverhalt zu beleuchten, der in sich ein heißes Eisen ist und manchmal zu Grenzüberschreitungen führt.

a) Politik kann in einem weiteren und allgemeinen Sinn verstanden werden, nämlich als dynamische Organisation des gesamten sozialen Lebens. In dieser Sicht sind alle Bürger zu einer menschlichen, verantwortlichen und aktiven Beteiligung verpflichtet.

In dieser Sicht erhält die Rolle der Ordensleute bei den Tätigkeiten und Werken große Bedeutung. Sie regen kulturelle und soziale Wandlungen an und tragen zur Förderung des Menschen bei.

b) Wenn aber «Politik» eine direkte Beteiligung und Vertretung nur einer Gruppe meint - und das heißt ja «politische Praxis» - gilt es, zurückzugreifen auf jene Qualifikationen, die Berufung und Sendung der Ordensleute in Kirche und Gesellschaft begründen, um so die richtigen Kriterien für einen eventuellen Einsatz zu gewinnen.

1) Die Ordensleute, die den wertvollen Beitrag ihres evangelischen Zeugnisses und der Vielfalt ihrer apostolischen Initiativen anerkennen, dürfen sich nicht von der Illusion verführen lassen, daß sie größeren Einfluß auf die Entwicklung der Menschen und Völker ausübten, wenn sie ihre spezifischen Aufgaben durch politischen Einsatz im engeren Sinn ersetzten (40).

2) Der Aufbau des Reiches Gottes innerhalb der Strukturen der Welt, der die Menschen mit dem Evangelium konfrontiert, ist sicher ein Thema von großem Interesse für alle Christen und darum auch für die Ordensleute. Das ist nicht in dem Sinn gemeint, daß sie sich selber direkt in die politische Praxis hineinziehen lassen.

Mit ihren Schulen, den Kommunikationsmedien und ihren vielfältigen religiösen und erzieherischen Initiativen können sie dagegen aktiv zur Vorbereitung vor allem der Jugendlichen beitragen und sie zu Führungskräften bei der Förderung des Menschen und der sozialen Gegebenheiten heranbilden; dann werden sich die Auswirkungen gewiß auch auf politischem Gebiet zeigen. Es geht dabei nicht um eine Eroberungsstrategie, sondern um den Dienst am Menschen und an der Gesellschaft, zu dem die ganze Gemeinschaft der Kirche von Christus eingeladen ist (Lk 22, 2527).

3) In diesem Sinne werden Initiativen von Ordensschwestern bejaht, die die Stellung der Frau heben und fördern wollen. Den Frauen soll geholfen werden, sich in Bereiche des öffentlichen Lebens einzufügen, die über den Bereich der Kirche hinausgehen und ihrer Natur und besonderen Begabung am besten entsprechen (41).

4) Auf diese Weise machen sich Ordensleute durch ihr Zeugnis und ihre Werke als «Experten des Evangeliums» glaubwürdig, und als solche dienen sie der Heilung und dem Aufbau der Gesellschaft, auch wenn sie von spezifisch politischen Optionen sich fernhalten. So stehen sie nicht da als Männer und Frauen nur einer politischen Richtung, sondern als Werkzeuge des Friedens und der brüderlichen Solidarität.

In der Tat, durch den Primat der Gottesliebe, den die Wahl ihres Standes deutlich offenbart (42), stellen sich die Ordensleute als Menschen des Absoluten in das dynamische Leben der Kirche, die vom Absoluten, von Gott, ergriffen ist (43). Sie sind dazu berufen, für diese Grundentscheidung, die alle anderen fördert und bedingt, Zeichen und Impuls zu sein.

5) Aktive politische Beteiligung bleibt daher Ausnahme und kann nur als Vertretung gesehen werden, die nach besonderen Kriterien zu bewerten ist. Sollten ungewöhnliche Umstände sie fordern, kann man die einzelnen Fälle prüfen, um mit Billigung der Verantwortlichen der Ortskirche und der Ordensinstitute die Folgerungen zu ziehen, die dem Wohl der kirchlichen und der bürgerlichen Gemeinschaft entsprechen. Tatsächlich muß man sich immer die Priorität der spezifischen Sendung der Kirche und des Ordenslebens vor Augen halten, wie es ihrer Kompetenz entspricht (44).




40) vgl. die Ansprache Johannes Paul II. an die Vereinigung der Generaloberen vom 24. November 1978, in der er mahnte, der Ordensmann «weiß im rechten Licht des Evangeliums die Entscheidung für die Ärmsten und für alle Opfer des menschlichen Egoismus zu interpretieren, ohne dabei gesellschaftspolitischen Radikalismen nachzugeben... er kommt den Menschen nahe und geht mitten unter das Volk, ohne seine eigene Ordensidentität in Frage zu stellen oder die spezifische Besonderheit seiner Berufung zu schmälernvgl. auch das Dokument von Puebla, Nr. 528.



41) MR 49-50.



42) ET 1; PC 6.



43) EN 69; Dokument von Puebla, Nr. 527-529.



44) vgl. Synode 1971, AAS, S. 912-913: das für die Priester aufgestellte Kriterium, wie es auch schon für andere Formen der Einfügung in die weltlichen Strukturen gefordert ist (Nr. 8), gilt auch für das Verhalten der Ordensleute wegen der engen Verbindung des Ordenslebens mit dem hierarchischen Apostolat (CD 34) und wegen des besonderen Verhältnisses, das es in die pastorale Verantwortung der Kirche hineinstellt (LG 45-46). In MR (Nr. 5-10-36) werden die theologischen Begründungen ausführlicher dargelegt und die praktischen Folgerungen aufgezeigt beim kirchlichen Gehorsam und bei der entsprechenden Ordnung der Dinge.

vgl. auch das Dokument von Puebla, Nr. 769, wo die Worte des Papstes zitiert werden: «Ihr seid Priester und Ordensleute, nicht soziale oder politische Führer oder Funktionäre einer weltlichen Gewalt. Daher wiederhole ich: Bilden wir uns nicht ein, es wäre ein Dienst am Evangelium, wenn wir unser priesterliches Charisma zu 'verwässern' versuchen durch ein übertriebenes Interesse für das weite Gebiet der irdischen Probleme » (AAS, LXXI, S. 193).






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