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In den Spuren Christi
2.
Doch wie soll man im Spiegel der Geschichte und in jenem der Gegenwart die
Spuren und Zeichen des Geistes und die
Samen des Wortes deuten, die heute wie zu allen Zeiten im Leben und in der
Kultur der Menschen vorhanden sind?6 Wie sind die Zeichen
der Zeit in Verhältnissen wie den unsrigen zu deuten, die voller Schatten und
Geheimnisse sind? Der Herr selbst muß unser Weggefährte werden — wie mit den
beiden Jüngern auf dem Weg nach Emmaus — und uns seinen Geist schenken. Er
allein, der mitten unter uns ist, kann uns sein Wort vollkommen verstehen und
in die Tat umsetzen lassen; er vermag die Geister zu erleuchten und die Herzen
zu erwärmen.
»Siehe, ich bin
bei euch alle Tage, bis ans Ende der Welt« (Mt
28, 20). Der auferstandene Herr ist seinem Versprechen treu geblieben. Durch
die 2000 Jahre Kirchengeschichte war er in ihr durch die Kraft seines Geistes
ständig präsent; er hat ihren Weg erleuchtet, hat ihr Gnade geschenkt, hat ihr
die Kraft eingeflößt, immer intensiver sein Wort zu leben und die Heilssendung
als ein Sakrament der Einheit der Menschen mit Gott und untereinander zu
erfüllen.7
Im ständigen
Wechsel und Wachsen von immer neuen Formen ist das geweihte Leben schon in sich
selbst ein klarer Ausdruck seiner Gegenwart, ist so etwas wie ein Evangelium,
das sich durch die Jahrhunderte entfaltet. Das geweihte Leben erscheint
tatsächlich als die »Verlängerung einer besonderen Gegenwart des auferstandenen
Herrn in die Geschichte hinein«.8 Aus dieser Gewißheit
müssen die geweihten Personen einen neuen
Aufschwung nehmen und sie zur treibenden Kraft ihres Lebensweges machen.9
Die heutige Gesellschaft
will in ihnen das konkrete Abbild des Handelns Jesu sehen, seiner Liebe zu
jeder Person, ungeachtet ihrer Unterschiede und Eigenschaften. Sie will die
Erfahrung machen, daß es möglich ist, mit dem Apostel Paulus zu sagen »Soweit
ich aber jetzt noch in dieser Welt lebe, lebe ich im Glauben an den Sohn
Gottes, der mich geliebt und sich für mich hingegeben hat« (Gal 2, 20).
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