Zweiter
Teil
MUT ZUR ANNAHME
DER PRÜFUNGEN
UND HERAUSFORDERUNGEN
11.
Ein realistischer Blick auf die Situation der Kirche und der Welt verlangt, auch
die Schwierigkeiten im Alltag des
geweihten Lebens zu sehen. Wir kennen alle die Prüfungen und Läuterungen,
die es heute durchlebt. Der große Schatz der Gabe Gottes wird in
zerbrechlichen, irdenen Gefäßen bewahrt (vgl. 2Kor 4, 7), und das Geheimnis des Bösen verfolgt auch jene, die
ihr ganzes Leben Gott weihen. Wenn wir nun unsere Aufmerksamkeit auch den
Leiden und Herausforderungen des heutigen geweihten Lebens zuwenden, dann
geschieht dies nicht, um dieses zu kritisieren oder zu verurteilen, sondern um
aufs neue die ganze Solidarität und liebevolle Nähe dessen zu zeigen, der nicht
nur an den Freuden, sondern auch an den Schmerzen Anteil nehmen möchte. Wir
wollen einige besondere Schwierigkeiten ins Auge fassen mit dem Blick dessen,
der weiß, daß die Geschichte der Kirche von Gott geleitet wird und daß jenen,
die ihn lieben, alles zum Guten gerät (vgl. Röm
8, 28). In dieser Sicht des Glaubens vermag auch das Negative einen Neubeginn
auszulösen, wenn in ihm das gekreuzigte und verlassene Antlitz Christi wieder
erkannt wird, der sich mit unseren Grenzen verbunden hat bis dahin, »unsere
Sünden an seinem Leib zu tragen am Holz des Kreuzes« ( 1Petr 2, 24).41 Die Gnade Gottes wird gerade in
der Schwachheit offenkundig (vgl. 2Kor
12, 9).
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