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Die Ausbildungswege
18.
Hinsichtlich der Ausbildung hat unser Dikasterium zwei Dokumente verfaßt, Potissimum institutioni und Die Zusammenarbeit zwischen den Instituten
in der Ausbildung. Wir sind uns sehr wohl der immer neuen Herausforderungen
bewußt, denen sich die Institute in diesem Bereich zu stellen haben.
Die neuen
Berufungen, die an die Türe des geweihten Lebens klopfen, sind von tiefen
Unterschieden gekennzeichnet und verlangen persönliche Aufmerksamkeit und
geeignete Methoden, um ihre konkrete menschliche, spirituelle und kulturelle
Situation anzunehmen. Deshalb ist in aller Ruhe eine Klärung vorzunehmen, die
frei ist von der Versuchung der Anzahl oder Effizienz, um im Licht des Glaubens
und der möglichen Kontraindikationen die Echtheit der Berufung und die
Lauterkeit der Motivation festzustellen. Die Jugendlichen müssen heute zu hohen
Idealen der radikalen Nachfolge Christi und zu den tiefen Erfordernissen der
Heiligkeit angeregt werden, im Blick auf eine Berufung, die sie überragt und
womöglich weit über die ursprüngliche Absicht, die sie in ein bestimmtes
Institut geführt hat, hinausgeht. Die Ausbildung sollte deshalb die
Charaktermerkmale einer Initiation in die
radikale Nachfolge Christi tragen. Da das Ziel des geweihten Lebens in der
Gleichgestaltung mit dem Herrn Jesus besteht ist es notwendig, einen Weg der
fortschreitenden Assimilierung der Gesinnung Christi an den Vater zu beginnen.55
Dies wird helfen, theologische, humanistische und technische Kenntnisse mit dem
geistlichen und apostolischen Leben des Instituts zu integrieren und wird immer
die Merkmale einer Schule der Heiligkeit
an sich tragen.
Die stärksten
Herausforderungen für die Ausbildung kommen von seiten der Werte, die die
globalisierte Kultur unserer Tage beherrschen. Die christliche Verkündigung des
Lebens als einer Berufung, die einem Liebesplan des Vaters entspringt und einer
persönlichen und heilenden Begegnung mit Christus in der Kirche bedarf, muß
sich mit Vorstellungen und Plänen vergleichen, die von höchst unterschiedlichen
Kulturen und sozialen Geschichten beherrscht werden. Die Gefahr besteht, daß
subjektive Entscheidungen, individuelle Pläne und ortsbedingte Orientierungen
Oberhand gewinnen über die Ordensregel, den gemeinschaftlichen Lebensstil und
die apostolische Ausrichtung des Instituts. Deshalb ist ein formativer Dialog
erforderlich, der fähig ist, die menschlichen, sozialen und spirituellen
Charaktermerkmale eines jeden aufzugreifen, in ihnen die menschlichen Grenzen,
die einer Überwindung bedürfen, und die Provokationen des Geistes zu erkennen,
die das Leben des einzelnen und eines Instituts zu erneuern vermögen. In einer
Zeit tiefgehender Umwandlungen muß bei der Ausbildung darauf geachtet werden,
in die Herzen der jungen Geweihten jene menschlichen, geistlichen und
charismatischen Werte einzupflanzen, die für ihre spätere kreative Treue56 unerläßlich sind, ganz in der
Linie der geistlichen und apostolischen Tradition des Instituts.
Die Vielfalt der
Kulturen, die unterschiedlichen Lebensalter und die Verschiedenheiten in der
Lebensplanung kennzeichnen immer stärker die Institute des geweihten Lebens.
Die Ausbildung muß zum gemeinschaftlichen Dialog in der Herzlichkeit und in der
Liebe Christi erziehen. Sie muß dazu anleiten, die Unterschiede als einen
Reichtum anzunehmen und die unterschiedlichen Gesichtspunkte und Gefühle zu
integrieren. So wird für die christlichen Gemeinschaften die ständige Suche der
Einheit in der Liebe zu einer Schule der comunio
und ein Angebot brüderlichen Zusammenlebens unter den Völkern.
Besondere
Aufmerksamkeit wird dann der kulturellen Ausbildung im Schritt mit der Zeit und
im Dialog mit der Sinnsuche der heutigen Menschen geschenkt werden müssen. Dazu
wird eine bessere philosophische, theologische und psycho-pädagogische
Ausbildung gefordert sowie eine tiefere Orientierung am geistlichen Leben,
ferner angemessenere Modelle für die Achtung der Kulturen, in denen die neuen
Berufungen entstehen, und klar umrissene Programme für die ständige
Weiterbildung; doch vor allem wird gewünscht, daß die besten Kräfte im
Ausbildungsbereich eingesetzt werden, auch wenn dies spürbare Opfer verlangt.
Der Einsatz qualifizierten Personals und dessen angemessene Vorbereitung hat
Vorrang vor allem.
Wir müssen
äußerst großzügig sein wenn es darum geht, unsere Zeit und unsere Kräfte in die
Ausbildung zu investieren. Die geweihten Personen gehören zum kostbarsten Gut der
Kirche. Ohne sie bleiben alle Ausbildungs- und Apostolatspläne Theorie und
fromme Wünsche. Dabei darf nicht vergessen werden, daß in einer hektischen
Zeit, wie der unsrigen, weit mehr Zeit, Ausdauer und Geduld erforderlich ist,
um die Ziele der Ausbildung zu erreichen. In Umständen, in denen Schnelligkeit
und Oberflächlichkeit dominieren, brauchen wir Gelassenheit und Tiefgang, da
die Person sich nur sehr langsam entwickelt.
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