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Kongregation für die Institute des geweihten Lebens und die Gesellschaften des apostolischen Lebens
Neubeginn in Christus

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  • Dritter Teil   DAS GEISTLICHE LEBEN AN ERSTER STELLE
    • Von Christus ausgehen
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Von Christus ausgehen

 

21. Man muß wieder kraftvoll einen Weg der Umkehr und der Erneuerung einschlagen, wie es in der Ursprungserfahrung der Apostel vor und nach der Auferstehung einen Neuaufbruch von Christus aus gab. Ja, man muß wieder bei Christus beginnen, denn von ihm sind die ersten Jünger in Galiläa ausgegangen; von ihm sind auf den Wegen der Geschichte die Männer und Frauen jeder Schicht und Kultur ausgegangen, die — vom Geist durch die Berufung geweihtseinetwegen Familie und Heimat verlassen haben, ihm bedingungslos gefolgt sind und zur Verkündigung des Reiches und zum Einsatz für das Wohl aller bereit waren (vgl. Apg 10, 28).

Das Bewußtsein der eigenen Begrenztheit und Schwäche und gleichzeitig der Größe der Berufung führte oft dazu, mit Petrus zu sagen; »Herr, geh weg von mir, denn ich bin ein sündiger Mensch« (Lk 5, 8). Und dennoch war die Gabe Gottes stärker als das menschliche Unvermögen. Christus selbst ist in den Gemeinschaften jener gegenwärtig, die sich im Laufe der Jahrhunderte in seinem Namen versammelt haben, er hat sie nach sich und nach dem Geist geformt, hat sie auf den Vater hin ausgerichtet, sie durch die Straßen der Welt zu den Brüdern und Schwestern geführt, hat sie zu Werkzeugen seiner Liebe und zu Baumeistern des Reiches gemacht, zusammen mit allen anderen Berufungen in der Kirche.

Die geweihten Personen können und müssen von Christus ausgehen, denn er selbst ist als erster auf sie zugekommen und begleitet sie auf ihrem Weg (vgl. Lk 42, 13-22). Ihr Leben ist Verkündigung des Primats der Gnade,64 ohne Christus vermögen sie nichts (vgl. Joh 15, 5); alles aber können sie in dem, der sie stärkt (vgl. Phil 3, 14).

 

22. Neu von Christus ausgehen bedeutet zu bekennen, daß das geweihte Leben eine besondere Nachfolge Christi ist, »lebendige Erinnerung an die Lebens- und Handlungsweise Jesu als Fleischgewordenes Wort gegenüber dem Vater und gegenüber den Brüdern und Schwestern«.65 Dies bedingt eine besondere Liebesgemeinschaft mit dem, der die Mitte des Lebens und die ständige Quelle jeder Initiative ist. Es ist — wie das Apostolische Schreiben Vita consecrata sagtErfahrung von Austausch, »besondere Gnade innerer Verbundenheit«,66»Identifizierung mit Ihm, bis zur Annahme seiner Gesinnung und seiner Lebensweise«;67 es ist ein »von Christus ergriffenes Leben«,68 ist »ein von der Hand Christi berührtes Leben, von seiner Stimme erreicht und von seiner Gnade unterstützt«.69

Das ganze Leben der Weihe kann nur von diesem Ansatz her verstanden werden: die evangelischen Räte machen Sinn, sofern sie dabei helfen, die Liebe zum Herrn in voller Fügsamkeit in seinen Willen zu bewahren und zu festigen; das brüderliche Leben begründet sich von jenem her, der um sich versammelt, und es ist auf die Freude seiner ständigen Gegenwart hin ausgerichtet; die Sendung ist sein Auftrag und bewegt dazu, sein Antlitz im Antlitz jener zu suchen, zu denen man gesandt ist, um mit ihnen die Erfahrung Christi zu tauschen.

Dies waren die Ziele der Gründer der verschiedenen Gemeinschaften und Institute des geweihten Lebens. Dies waren die Ideale, die Generationen von geweihten Männern und Frauen bewegt haben.

Neu von Christus ausgehen heißt also, die erste Liebe wiederfinden, den zündenden Funken, der zur Nachfolge entfacht hat. Ihm kommt der Primat der Liebe zu. Die Nachfolge ist nur Antwort der Liebe auf die Liebe Gottes. Wenn »wir lieben«, dann deshalb, »weil er uns zuerst geliebt hat« ( 1Joh 4, 10.19). Dies heißt seine persönliche Liebe mit jenem tiefen Bewußtsein erkennen, das den Apostel Paulus sagen ließ: »Christus hat mich geliebt und hat sein Leben für mich gegeben« (Gal 2, 20).

Nur das Bewußtsein, selbst Objekt einer unendlichen Liebe zu sein, kann helfen, jede persönliche Schwierigkeit und die Schwierigkeiten des Instituts zu überwinden. Die geweihten Personen werden nicht kreativ sein können, nicht fähig das Institut zu erneuern und neue pastorale Wege einzuschlagen, wenn sie sich nicht von dieser Liebe erfüllt sehen. Diese Liebe ist es, die stark macht und mutig, die Kühnheit einflößt und alles wagen läßt.

Die Gelübde, durch welche die Geweihten sich zum Leben der evangelischen Räte verpflichten, konzentrieren ihre ganze Radikalität auf die Antwort der Liebe. Die Jungfräulichkeit weitet das Herz auf das Maß des Herzens Christi und befähigt zu einer Liebe, wie er geliebt hat. Die Armut macht frei von der Sklaverei der Dinge und der künstlichen Bedürfnisse, zu denen die Konsumgesellschaft verleitet, und läßt Christus neu entdecken, den einzigen Schatz, für den sich die Mühsal des Lebens wirklich lohnt. Der Gehorsam legt das Leben völlig in seine Hände, damit er es gelingen lasse nach dem Plane Gottes und ein Meisterwerk aus ihm mache. Dazu ist der Mut einer hochherzigen und frohen Nachfolge erforderlich.

 




64 Vgl. Novo millennio ineunte, 38.



65 Vita consecrata, 22.



66 Vita consecrata, 16.



67 Vita consecrata, 18.



68 Vita consecrata, 25.



69 Vita consecrata, 40.






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