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Communio mit den Hirten
32.
In dieser Beziehung kirchlicher communio mit allen Berufungen und Lebensständen
ist ein ganz besonderer Aspekt jener der Einheit mit den Hirten. Ohne eine
wirksame und emotionale Verbindung mit den Hirten, vor allem mit dem Papst als
dem Zentrum der Kirche, und mit dessen Lehramt, würde man vergeblich behaupten,
eine Spiritualität der Gemeinschaft zu pflegen.
Gerade die
konkrete Verwirklichung des sentire cum
Ecclesia, das ein Wesenzug aller Gläubigen ist,101
leuchtet besonders in den Gründern und Gründerinnen des geweihten Lebens auf
und wird zu einer charismatischen Aufgabe für die Institute. Man kann das
Antlitz Christi nicht betrachten, wenn man es nicht auch in seiner Kirche
strahlen sieht. Christus lieben heißt: die Kirche in ihren Personen und
Einrichtungen lieben.
Angesichts der
üblichen zerstreuenden Kräfte, die fundamentale Prinzipien des Glaubens und der
katholischen Moral in Zweifel ziehen, sind die Personen des geweihten Lebens
und deren Institutionen heute mehr denn je aufgerufen, die nahtlose Einheit mit
dem Magisterium unter Beweis zu stellen und sich vor allem überzeugt und
freudig zu ihr zu bekennen.
Es ist angebracht
zu betonen, was bereits der Papst im Apostolischen Schreiben Vita consecrata sagte: »Ein
Wesensmerkmal dieser kirchlichen comunio ist das Festhalten mit Herz und
Verstand am Lehramt der Bischöfe, das von allen Personen des geweihten Lebens,
besonders jenen, die in der theologischen Forschung, in der Lehre, im
Publikationswesen, in der Katechese, im Bereich der sozialen
Kommunikationsmittel tätig sind, treu gelebt und vor dem Volk Gottes klar und
deutlich bezeugt werden muß«.102 Gleichzeitig anerkennen
sie, daß viele Theologen Ordensleute sind, und daß viele
Forschungseinrichtungen von Instituten des geweihten Lebens geleitet werden.
Sie tragen diese Verantwortung in der Welt der Kultur auf lobenswerte Weise.
Die Kirche blickt mit vertrauensvoller
Aufmerksamkeit auf deren intellektuellen Einsatz angesichts der
Schwierigkeiten und des Affronts, dem das Magisterium heute gegenübersteht.103
Die kirchlichen
Dokumente der vergangenen Jahrzehnte haben ständig den Auftrag des Konzils
aufgegriffen, das die Hirten einlud, die besonderen Charismen in einer
ganzheitlichen Pastoral aufzuwerten. Gleichzeitig ermutigen sie die Personen
des geweihten Lebens, klar und zuversichtlich die eigenen Vorschläge bezüglich
ihrer Präsenz und Arbeit in Übereinstimmung mit der besonderen Berufung bekannt
zu machen und vorzustellen.
Dies gilt ähnlich
auch in der Beziehung zum Diözesanklerus. Der Großteil der Ordensleute arbeitet
täglich mit den Priestern in der Pastoral zusammen. Es ist also unverzichtbar,
alle möglichen Initiativen zu ergreifen, die zu einer immer besseren Kenntnis
und gegenseitigen Achtung führen.
Nur im Einklang
mit der Spiritualität der Gemeinschaft und mit einer Pädagogik, wie sie in Novo millennio ineunte aufgezeigt
ist, wird das Geschenk, das der Heilige Geist, der durch die Charismen des
geweihten Lebens seiner Kirche macht, erkannt werden. Besonders für das
geweihte Leben gilt auch jene »Wesensgemeinschaft« im Leben der Kirche, die
zwischen dem charismatischen und dem hierarchischen Element besteht und die
Johannes Paul II. wiederholt angesprochen hat, wenn er zu den neuen ekklesialen
Bewegungen sprach.104 Die Liebe und der Dienst in der Kirche
verlangen immer, im Austausch einer gegenseitigen Liebe gelebt zu werden.
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