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Kongregation für die Institute des geweihten Lebens und die Gesellschaften des apostolischen Lebens
Neubeginn in Christus

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  • Vierter Teil   ZEUGEN DER LIEBE
    • Die Öffnung für die grossen Dialoge
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Die Öffnung für die grossen Dialoge

 

40. Von Christus aus neu beginnen bedeutet schließlich, ihm dorthin zu folgen, wohin er selbst mit seinem Heilswirken gegangen ist, und in der Vielfalt der von ihm eröffneten Horizonte zu leben. Das geweihte Leben kann sich nicht damit begnügen, in der Kirche und für die Kirche zu leben. Es erstreckt sich mit Christus auf andere christliche Kirchen hin, auf andere Religionen, auf alle Menschen, die sich zu keinerlei religiöser Überzeugung bekennen.

Das geweihte Leben ist also ein Anruf, den eigenen, besonderen Beitrag in alle großen Dialoge einzubringen, für welche das II. Vatikanische Konzil die ganze Kirche geöffnet hat. »Engagiert im Dialog mit allen« ist der bezeichnende Titel des letzten Kapitels von Vita consecrata, gleichsam als logische Folge des ganzen Apostolischen Schreibens.

 

41. Das Dokument erinnert vor allem daran, wie die Synode über das geweihte Leben die tiefe Verbindung von geweihtem Leben und Ökumenismus ins Licht gerückt hat. »Wenn nämlich die Seele der Ökumene das Gebet und die Umkehr sind, besteht kein Zweifel, daß die Institute des geweihten Lebens und die Gesellschaften des apostolischen Lebens eine besondere Verpflichtung haben, sich dieser Aufgabe zu widmen131 Im Leben der geweihten Personen muß dem ökumenischen Beten und dem Zeugnis dringend größerer Raum gewidmet werden, damit die Mauern der Spaltungen und Vorurteile mit der Kraft des Heiligen Geistes abgebaut werden können. Kein Institut des geweihten Lebens kann sich von der Arbeit in diesem Anliegen ausgenommen fühlen.

Wenn Vita consecrata von den Formen des ökumenischen Dialogs spricht, dann weist es auf die gemeinsame lectio divina, auf die Teilnahme am gemeinsamen Gebet, in dem der Herr uns seine Gegenwart zusichert (vgl. Mt 18, 20), als auf eine Möglichkeit hin, die für die Mitglieder von Ordensgemeinschaften besonders geeignet ist. Freundschaft, Liebe und Zusammenarbeit in gemeinsamen Unternehmungen des Dienstes und des Zeugnisses werden die lebendige Erfahrung ermöglichen, wie schön es ist, wenn Brüder in Eintracht beisammen sind (vgl. Ps 133/132). Nicht weniger wichtig ist die Kenntnis der Geschichte, der Lehre, der Liturgie, der karitativen und apostolischen Werke der anderen Christen.132

 

42. Für den Dialog zwischen den Religionen nennt Vita consecrata zwei grundlegende Voraussetzungen: das evangelische Zeugnis und die Freiheit des Geistes. Ferner regt es zu besonderen Hilfen an, wie gegenseitige Kenntnis, gegenseitigen Respekt, herzliche Freundschaft und gegenseitige Ehrlichkeit gegenüber den monastischen Bereichen anderer Religionen.133

Ein weiterer Bereich der Zusammenarbeit liegt in der gemeinsamen Sorge um das menschliche Leben, die sich von Mitleid mit dem physischen und geistlichen Leid bis zum Einsatz für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung erstreckt.134 Schließlich erinnert Johannes Paul II. an das Bemühen um die Förderung der Würde der Frau, zu der alle, und besonders die geweihten Frauen, beitragen müssen als einem besonderen Bereich der Begegnung mit anderen religiösen Traditionen.135

 

43. Ferner ist an den Dialog mit jenen zu denken, die keinem besonderen Glaubensbekenntnis angehören. Die geweihten Personen bieten sich aufgrund ihrer Lebensentscheidung als bevorzugte Mittler in jener Suche nach Gott an, die seit jeher das Herz des Menschen umtreibt und ihn zu den verschiedensten Formen der Spiritualität hinführt. Ihr Gespür für die Werte (vgl. Phil 4, 8) und die Verfügbarkeit für die Begegnung bezeugen die Wesensmerkmale einer echten Suche nach Gott. »Darum haben die Personen des geweihten Lebens die Pflicht, all jenen großzügig Aufnahme und geistliche Begleitung anzubieten, die vom Durst nach Gott bewegt sind und sich mit dem Wunsch, die Anforderungen des Glaubens zu leben, an sie wenden«.136

 

44.Dieser Dialog öffnet sich notwendigerweise auf die Verkündigung Christi. In der Gemeinschaft liegt ja die Gegenseitigkeit des Geschenks. Wenn das Hören auf den anderen echt ist, dann bietet es eine gute Möglichkeit, die eigene geistliche Erfahrung und die Inhalte der Frohbotschaft anzubieten, die das geweihte Leben nähren. Man bezeugt so die Hoffnung, die in uns ist (vgl. Petr. 3, 15). Wir müssen nicht fürchten, daß das Sprechen über den eigenen Glauben jene beleidigen könne, die anderen Glaubensüberzeugungen folgen. Es ist dagegen eine Möglichkeit zur frohen Verkündigung der Gabe, die für alle bestimmt ist und allen angeboten wird, wenngleich mit dem höchsten Respekt der Freiheit eines jeden: das Geschenk der Offenbarung des Gottes, der Liebe ist, der »so sehr die Welt geliebt hat, daß er seinen eingeborenen Sohn hingab« (Joh 3, 16).

Die missionarische Pflicht hindert uns andererseits nicht daran, diesen Dialog mit einer tiefen inneren Bereitschaft zu beginnen, auch selbst zu empfangen, denn unter den Schätzen und Grenzen jeder Kultur können die Geweihten die Samen des Wortes sammeln, in denen sie kostbare Werte für ihr eigenes Lebens und ihre Sendung erhalten. »Nicht selten erweckt der Geist, der weht wo er will (Joh 3, 8), in der allgemeinen menschlichen Erfahrung trotz ihrer vielen Widersprüchlichkeiten Zeichen einer Gegenwart, die selbst den Jüngern Christi helfen, die Botschaft, deren Überbringer sie sind, vollkommener zu verstehen«.137

 




131 Vita consecrata, 100.



132 Vgl. Vita consecrata, 101.



133 Vgl. Ecclesia in Asia, 31.34.



134 Vgl. Ecclesia in Asia, 44.



135 Vgl. Vita consecrata, 102.



136 Vita consecrata, 103.



137 Novo millennio ineunte, 56.






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