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| Kongregation für die Institute des geweihten Lebens und die Gesellschaften des apostolischen Lebens Neubeginn in Christus IntraText CT - Text |
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Den Sinn und die Qualität des geweihten Lebens wiederfinden
12. Die heutigen Schwierigkeiten der geweihten Personen haben viele Gesichter, besonders wenn wir die unterschiedlichen kulturellen Gegebenheiten berücksichtigen, in denen sie leben. Der Rückgang der Mitgliederzahl in vielen Instituten und die Überalterung, die in einigen Teilen der Welt unübersehbar sind, wecken die Frage, ob das geweihte Leben noch ein sichtbaren Zeugnis darstellt, das fähig ist, Jugendliche anzuziehen. Wenn, wie mancherorts behauptet wird, das Dritte Jahrtausend die Zeit ist, in der die Laien, die Verbände und die kirchlichen Bewegungen die Hauptakteure sind, dann können wir uns fragen: welcher Platz wird den traditionellen Formen des geweihten Lebens zugewiesen werden? Johannes Paul II. erinnert uns daran, daß es eine große Geschichte aufzubauen hat, und dies gemeinsam mit allen Gläubigen.42 Wir können jedoch nicht übersehen, daß das geweihte Leben zuweilen nicht die gebührende Beachtung findet und man ihm manchmal sogar mit einem gewissen Mißtrauen begegnet. Die geweihten Personen sind angesichts der wachsenden religiösen Krise, die so viele Teile unserer Gesellschaft betrifft, heute in besonderer Weise verpflichtet, neue Formen der Präsenz zu suchen und sich nicht wenige Fragen über ihr Selbstverständnis und ihre Zukunft zu stellen. Neben seiner lebendigen Dynamik, die zu einem Zeugnis und zu einer Hingabe bis zum Martyrium bereit ist, kennt das geweihte Leben auch die Bedrohungen der Mittelmäßigkeit im geistlichen Leben, der wachsenden Verspießerung und des Konsumdenkens. Die Komplexität der Führung von Werken, die von neuen sozialen Anforderungen und von staatlichen Normen verlangt sind, riskieren in Verbindung mit der Versuchung zu Effektivität und Aktionismus eine Verdunkelung der evangelischen Originalität und eine Schwächung der geistlichen Motivationen. Die Dominanz der persönlichen Pläne über die der Gemeinschaft kann die brüderliche Gemeinschaft zutiefst schädigen. Es sind dies wirkliche Probleme, die man jedoch nicht verallgemeinern darf. Die geweihten Personen sind nicht die einzigen, die die Spannung zwischen Säkualrismus und echtem Glaubensleben aushalten müssen, zwischen der Gebrechlichkeit ihres eigenen Menschseins und der Kraft der Gnade; dies ist die Befindlichkeit aller Mitglieder der Kirche.
13. Die Schwierigkeiten und die Infragestellungen, die das geweihte Leben erfährt, können einen neuen kairòs herbeiführen, eine Zeit der Gnade. In ihnen verbirgt sich ein echter Anruf des Heiligen Geistes, den Reichtum und die Möglichkeiten dieser Lebensform neu zu entdekken. So kann beispielsweise die Notwendigkeit, mit einer Gesellschaft zusammenleben zu müssen, in der oft eine Kultur des Todes herrscht, zu einer Herausforderung werden, mit größerer Überzeugungskraft Träger und Diener des Lebens zu sein. Die evangelischen Räte der Keuschheit, der Armut und des Gehorsams, die von Christus in der Fülle seiner Menschennatur als Sohn Gottes gelebt wurden und die aus Liebe zu ihm übernommen werden, erscheinen als ein Weg zur vollen Verwirklichung der Person im Gegensatz zur Entmenschlichung; sie erscheinen als ein wirkungsvolles Gegenmittel zur Trübung des Geistes, des Lebens und der Kultur; sie verkünden die Freiheit der Kinder Gottes und die Freude an einem Leben nach den Lobpreisungen des Evangeliums. Der womöglich bei manchen entstehende Eindruck einer Abnahme der Wertschätzung des geweihten Lebens in einigen Teilen der Kirche kann als eine Einladung zur einer befreienden Reinigung verstanden werden. Das geweihte Leben sucht weder menschliches Lob noch Anerkennung; es findet seine Bestätigung in der Freude, weiterhin aktiv im Dienst am Reich Gottes mitarbeiten zu können, um eine Keimzelle zu sein, die im Geheimen wächst, ohne einen anderen Lohn zu empfangen als den, welchen der Vater ihm am Ende geben wird (vgl. Mt 6, 6). Es findet seine Identität im Ruf des Herrn, in seiner Nachfolge, seiner Liebe und im bedingungslosen Dienst, die fähig sind, ein Leben zu begnaden und ihm vollen Sinn zu geben. Wenn mancherorts die geweihten Personen ihrer zahlenmäßigen Konzentration wegen zu einer kleinen Herde werden, so kann diese Tatsache als ein Zeichen der Vorsehung angesehen werden, das dazu einlädt, die ureigene Aufgabe der Hefe, des Sauerteiges, des Zeichens und der Prophetie wieder zu gewinnen. Je größer die Teigmasse ist, die durchsäuert werden muß, desto anspruchsvoller muß der evangelische Sauerteig sein, und desto ausgeprägter das Lebenszeugnis und der charismatische Dienst der geweihten Personen. Das wachsende Bewußtsein von der Berufung aller zur Heiligkeit,43 und weit davon entfernt, die Zugehörigkeit zu einem Lebensstand, der für die Erreichung der evangelischen Heiligkeit besonders geeignet ist, als überflüssig zu erachten, kann ein weiterer Grund zu Freude für die geweihten Personen sein; sie stehen nun den übrigen Mitgliedern des Gottesvolkes näher, mit denen sie einen gemeinsamen Weg der Nachfolge Christi teilen, in einer tieferen Gemeinschaft, in gegenseitigem Wetteifer, in der gegenseitigen Hilfe einer kirchlichen Gemeinschaft, ohne Überlegenheit oder Unterlegenheit. Gleichzeitig ist dieses Bewußtsein eine Einladung, den Wert der Zeichenhaftigkeit zu erkennen, der dem geweihten Leben gegenüber der Heiligkeit aller Glieder der Kirche zukommt. Denn wenn es wahr ist, daß alle Christen »zur Heiligkeit und zur Vollkommenheit des eigenen Lebensstandes«44 gerufen sind, dann haben die geweihten Personen dank einer »neuen und besonderen Weihe«45 den Auftrag, die Lebensweise Christi durch ihr Zeugnis der evangelischen Räte aufleuchten zu lassen, zur Stärkung der Treue des ganzen Leibes Christi. Dies ist keine Schwierigkeit, es ist vielmehr ein Anreiz zur Originalität und zu einem spezifischen Beitrag der Charismen des geweihten Lebens, die gleichzeitig Charismen einer gemeinsamen Spiritualität und einer Sendung zur Heiligkeit der Kirche darstellen. Letztlich können diese Herausforderungen einen mächtigen Appell darstellen, die eigene Lebenskraft des geweihten Lebens zu vertiefen, dessen Zeugnis heute mehr denn je notwendig ist. Es ist angebracht daran zu erinnern, wie die heiligen Gründer und Gründerinnen es verstanden haben, mit einer ursprünglichen charismatischen Kreativität auf die Herausforderungen und auf die Schwierigkeiten der eigenen Zeit zu antworten.
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42 Vgl. Vita consecrata, 110. 43 Vgl. Lumen gentium, V. 44 Lumen gentium, 42. 45 Vita consecrata, 31; Novo millennio ineunte, 46. |
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