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Kongregation für die Institute des geweihten Lebens und die Gesellschaften des apostolischen Lebens
Neubeginn in Christus

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  • Dritter Teil   DAS GEISTLICHE LEBEN AN ERSTER STELLE
    • Das Antlitz Christi in der Prüfung
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Das Antlitz Christi in der Prüfung

 

27. Die Spiritualität in einem ständigen Neubeginn von Christus aus zu leben bedeutet, immer vom Höhepunkt seiner Liebe auszugehen — und die Eucharistie bewahrt deren Geheimnis — wenn er am Kreuz sein Leben in einer höchsten Hingabe darbringt. Die durch Gelübde Geweihten können gar nicht anders, als die Kontemplation des Antlitzes des Gekreuzigten zu pflegen.84 Es ist das Buch, in dem sie lernen, was Liebe ist und wie Gott und die Menschheit zu lieben sind, die Quelle aller Charismen und die Synthese aller Berufungen.85 Die Weihe als Ganzhingabe und vollkommenes Opfer ist die vom Geist angeregte Weise der Neubelebung des Geheimnisses vom gekreuzigten Christus, der in die Welt kam, um sein Leben als Lösegeld für viele zu geben (vgl.Mt 20, 28; Mk 10, 45), und um auf dessen unendliche Liebe zu antworten.

Die Geschichte des geweihten Lebens hat diese Angleichung an Christus in vielerlei asketischen Formen ausgedrückt, »die eine wahre Hilfe für einen echten Weg der Heiligkeit waren und sind. Die Askese ... ist für die Personen des geweihten Lebens wirklich unentbehrlich, um ihrer Berufung treu zu bleiben und Jesus auf dem Kreuzweg zu folgen«86 Heute bewahren die geweihten Personen zwar die Erfahrung der Jahrhunderte, aber sie sind gerufen, zeitgemäße Formen zu finden, die unserer Zeit angemessen sind. In erster Linie jene, die die Mühe der apostolischen Arbeit begleiten und die Hochherzigkeit des Einsatzes gewährleisten. Heute kann das Kreuz, das täglich anzunehmen ist (vgl. Lk 9, 23), auch eine gemeinschaftsbezogene Wertigkeit erhalten, wie Überalterung des Instituts, unzureichende Strukturen, unsichere Zukunft.

Angesichts all dieser schmerzlichen persönlichen wie gemeinschaftsbezogenen und sozialen Situationen kann der Schrei Jesu am Kreuz im Herzen der einzelnen Personen oder in jenem ganzer Gemeinschaften vernommen werden: »Warum hast du mich verlassen?« (Mk 15, 34). In diesem an den Vater gerichteten Schrei gibt Jesus zu verstehen, daß seine Solidarität mit der Menschheit derart radikal geworden ist, daß sie alles Negative, bis hin zu Sünde und Tod, durchdringt, teilt und selbst annimmt, bis hin zum Tod, der die Frucht der Sünde ist.. »Um den Menschen das Angesicht des Vaters zurückzugeben, mußte Jesus nicht nur das Gesicht des Menschen annehmen, sondern sich sogar das »Gesicht« der Sünde aufladen«.87

Neu von Christus ausgehenbedeutet anerkennen, daß die Sünde noch immer im Herzen und im Leben aller radikal gegenwärtig ist, und es bedeutet, im leidenden Antlitz Christi jene Hingabe zu erkennen, die die Menschheit mit Gott versöhnt hat.

Auf dem Weg der Geschichte der Kirche verstanden es die Geweihten, das leidende Antlitz des Herrn auch außerhalb ihrer selbst zu betrachten. Sie erkannten es in den Kranken, den Gefangenen, den Armen, den Sündern. Ihr Kampf war vor allem gegen die Sünde und deren verheerende Folgen gerichtet. Die Verkündigung Jesu: »Bekehrt euch und glaubt dem Evangelium« (Mk 1, 15) hat ihre Schritte auf die Straßen der Menschen gelenkt und dort Hoffnung auf neues Leben geschenkt, wo Mutlosigkeit und Tod herrschen. Ihr Dienst hat so viele Männer und Frauen dazu gebracht, im Bußsakrament die Erfahrung der barmherzigen Umarmung des Vaters zu machen. Auch heute muß man diesen Dienst der Versöhnung (vgl. 2Kor 5, 18), den Jesus Christus seiner Kirche anvertraut hat, mit Nachdruck neu anbieten. Es ist das mysterium pietatis,88 dessen häufige Erfahrung die Geweihten im Sakrament der Buße zu machen eingeladen sind.

Neue Gesichter zeigen sich heute, in denen das Antlitz Christi dort wiedererkannt, geliebt und gepflegt sein will, wo er heute anwesend ist: es sind die neuen Formen materieller, moralischer und spiritueller Armut, die die heutige Gesellschaft hervorbringt. Der Schrei Jesu am Kreuz verrät, wie er all dieses Leid auf sich genommen hat, um es zu erlösen. Die Berufung der geweihten Personen ist eine Fortführung der Berufung Jesu, und wie er nehmen sie das Leid und die Sünde der Welt auf sich und vollenden sie in der Liebe.

 




84 Vgl. Novo millennio ineunte, 25-27.



85 Vgl. Vita consecrata, 23.



86 Vita consecrata,38.



87 Novo millennio ineunte, 25.



88 Vgl. Novo millennio ineunte, 37.






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