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| Ioannes Paulus PP. II Ex corde Ecclesiae IntraText CT - Text |
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3. Kultureller Dialog 43. Ihrem Wesen gemäß fördert die Universität die Kultur durch ihre Forschung, sie hilft, die Kultur des Ortes den nachfolgenden Generationen durch ihre Lehre zu vermitteln und pflegt durch die ihr eigenen Bildungsangebote kulturelle Initiativen. Sie ist für alle menschliche Erfahrung offen, bereit zum Dialog und bereit, aus jeder Kultur selbst zu lernen. An diesen Prozeß beteiligt sich die Katholische Universität dadurch, daß sie die reiche kulturelle Erfahrung der Kirche einbringt. Im Bewußtsein dessen, daß die menschliche Kultur für Offenbarung und Transzendenz offen ist, ist die Katholische Universität der primäre und spezifische Ort für einen fruchtbaren Dialog zwischen Evangelium und Kultur. 44. Die Katholische Universität steht der Kirche gerade durch einen solchen Dialog bei, indem sie ihr hilft, zu einer besseren Kenntnis der verschiedenen Kulturen zu kommen, zwischen deren positiven und negativen Aspekten zu unterscheiden, deren echte menschliche Beiträge anzunehmen und jene Mittel zu entwickeln, durch welche sie den Menschen einer bestimmten Kultur den Glauben verständlicher machen kann.(36) Wenn es wahr ist, daß das Evangelium nicht mit einer bestimmten Kultur gleichgesetzt werden kann, sondern daß es vielmehr alle Kulturen übersteigt, ist es auch zutreffend, daß »das Reich, das das Evangelium verkündet, von Menschen gelebt wird, die zutiefst an eine Kultur gebunden sind, und daß die Errichtung des Gottesreiches nicht darauf verzichten kann, sich gewisser Elemente der menschlichen Kultur und Kulturen zu bedienen«.(37) »Ein Glaube, der sich am Rande des Menschlichen und damit der Kultur vollzöge, wäre ein unzuverlässiger Glaube gegenüber der Fülle dessen, was das Wort Gottes offenbart und enthüllt, ein geköpfter Glaube, ja geradezu ein Glaube im Prozeß der Selbstauflösung«.(38) 45. Die Katholische Universität soll immer mehr die Kulturen der heutigen Welt beachten wie auch die kulturellen Traditionen innerhalb der Kirche, um einen ständigen und fruchtbaren Dialog zwischen dem Evangelium und der heutigen Gesellschaft zu fördern. Unter den Kriterien, welche den Wert einer jeden Kultur kennzeichen, haben Vorrang: das Gespür für die menschliche Person, ihre Freiheit und ihre Würde; das Gespür für ihre Verantwortung und ihre Offenheit für das Transzendente. Mit der Achtung der Person ist das hohe Gut der Familie verbunden, Urzelle jeder menschlichen Kultur. Die Katholischen Universitäten sollen bemüht sein, die Zielsetzungen und Widersprüche der heutigen Kultur zu unterscheiden und gut zu gewichten suchen, um sie so für die volle Entfaltung der Personen und die umfassende Entwicklung der Völker fähig zu machen. Es wird besonders empfohlen, durch geeignete Untersuchungen den Einfluß zu erforschen, welchen die moderne Technologie und vor allem die Medien auf die Personen, die Familie, die Institutionen und auf die Kultur insgesamt ausüben. Die überkommennen Kulturen sind in ihrem ursprünglichen Wesen zu schützen, indem man ihnen hilft, die Werte dieser Zeit anzunehmen, ohne ihr Erbe preiszugeben, das ein Gut der ganzen Menschheitsfamilie ist. Universitäten in Gegenden mit alter kultureller Tradition haben die Kulturen dieser Orte mit dem fruchtbaren Beitrag der jüngeren Kulturen umsichtig in Einklang zu bringen. 46. Ein Bereich von besonderem Interesse für die Katholische Universität ist der Dialog zwischen dem christlichen Denken und den modernen Wissenschaften. Diese Aufgabe erheischt Menschen, die in den einzelnen Disziplinen besonders ausgewiesen und zugleich hinreichend theologisch gebildet und fähig sind, die epistemologische Fragestellung auf der Ebene des Verhältnisses von Glaube und Vernunft zu behandeln. Diese Aufgabe bezieht sich sowohl auf die Naturwissenschaften, wie auch auf die Humanwissenschaften, die neue und komplexe philosophische und ethische Probleme stellen. Der christliche Forscher muß aufzeigen, wie die menschliche Vernunft durch die höhere, vom Evangelium stammende Wahrheit bereichert wird: »Der Verstand wird dadurch niemals beeinträchtigt, sondern im Gegenteil angespornt und gestärkt durch die innere Erkenntnisquelle einer tieferen Einsicht in das Wort Gottes, durch die Hierarchie der Werte, die sich aus ihm ergibt. Die Katholische Universität trägt auf ihre einzigartige Weise dazu bei, den Vorrang des Geistes sichtbar zu machen, der sich unter Gefahr der Selbstaufgabe niemals darauf einlassen kann, sich gänzlich etwas anderem zu widmen als der Erforschung der Wahrheit«.(39) 47. Neben dem kulturellen Dialog kann die katholische Universität, unter Beachtung ihrer eigenen Zielsetzung, unter Berücksichtigung des verschiedenen religiös-kulturellen Kontextes und in Befolgung der von der rechtmäßigen kirchlichen Autorität erlassenen Weisungen dem ökumenischen Dialog von Nutzen sein, um die Suche nach der Einheit aller Christen und den Dialog zwischen den Religionen dadurch zu fördern, daß sie hilft, die den übrigen Religionen eigenen geistlichen Werte zu erkennen.
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36) »In gleicher Weise nimmt die Kirche, dis im Lauf der Zeit in je verschiedener Umwelt lebt, die Errungenschaften der einzelnen Kulturen in Gebrauch, um die Botschaft Christi in ihrer Verkündigung bei allen Völkern zu verbreiten und zu erklären, um sie zu erforschen und tiefer zu verstehen, um sie in der liturgischen Feier und im Leben der vielgestaltigen Gemeinschaft der Gläubigen besser Gestalt werden zu lassen« (II. Vat. Konzil, Pastoralkonstitution über die Kirche in der Welt von heute Gaudium et spes, 58: AAS 58 (1966), S. 1079). 37) PAUL VI., Apostolisches Schreiben Evangelii nuntiandi, 20: AAS 68 (1976), S. 18; vgl. II. Vat. Konzil, Pastoralkonstitution über die Kirche in der Welt von heute Gaudium et spes, 58: AAS 58 (1966), S. 1079. 38) JOHANNES PAUL II., Ansprache in Medellín, Kolumbien, an die Vertreter von Kultur und Wissenschaft vom 5. Juli 1986, Nr.3: AAS 79 (1987), S. 99, [vgl. OssRom-dt 16 (1986), Nr. 30 vom 25. Juli 1986, S. 15]; vgl. auch II. Vat. Konzil, Pastoralkonstitution über die Kirche in der Welt von heute Gaudium et spes, 58: AAS 58 (1966), S. 1079. 39) PAUL VI., Ansprache an die Delegierten der Internationalen Vereinigung der Katholischen Universitäten (FIUC) vom 27. November 1972: AAS 64 (1972) S. 770; [vgl. OssRom-dt 3 (1973), Nr. 4 vom 26. Januar 1973, S. 6]. |
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