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Das Marianische Jahr
2. Die letzte Synode wurde während
des Marianischen Jahres abgehalten, das einen besonderen Anstoß zur
Auseinandersetzung mit diesem Thema bietet, worauf auch die Enzyklika Redemptoris
Mater hinweist.(9) Diese Enzyklika entwickelt und aktualisiert die im VIII.
Kapitel der Dogmatischen Konstitution über die Kirche Lumen Gentium enthaltene
Lehre des II. Vatikanischen Konzils. Dieses Kapitel trägt einen
bedeutsamen Titel: »Die selige jungfräuliche Gottesmutter Maria im
Geheimnis Christi und der Kirche«. Maria - jene »Frau« der Bibel (vgl.
Gen 3, 15; Joh 2, 4; 19, 26) - gehört eng zum Heilsmysterium
Christi und ist daher in besondererer Weise auch im Mysterium der Kirche
gegenwärtig. Da »die Kirche in Christus gleichsam das Sakrament (...)
für die innigste Vereinigung mit Gott wie für die Einheit der ganzen
Menschheit« ist,(10) denken wir bei dieser besonderen Gegenwart der
Gottesmutter im Geheimnis der Kirche an die einzigartige Beziehung zwischen
dieser »Frau« und der ganzen Menschheitsfamilie. Es handelt sich hier um
jeden einzelnen und jede einzelne, um alle Söhne und alle Töchter des
Menschengeschlechts, in denen sich im Laufe der Generationen jenes grundlegende
Erbe der ganzen Menschheit verwirklicht, das an das Geheimnis des
biblischen »Anfangs« gebunden ist: »Gott schuf den Menschen als sein Abbild;
als Abbild Gottes schuf er ihn. Als Mann und Frau schuf er sie« (Gen 1,
27).(11)
Diese ewige Wahrheit über den
Menschen als Mann und Frau - eine Wahrheit, die auch in der Erfahrung aller
fest verankert ist, - stellt gleichzeitig das Geheimnis dar, das sich nur im
fleischgewordenen Wort wahrhaft aufklärt. »Christus macht dem Menschen
den Menschen selbst voll kund und erschließt ihm seine höchste
Berufung«, so lehrt das Konzil.(12) Dürfen wir dann nicht in diesem »dem
Menschen den Menschen Kundmachen« einen besonderen Platz für jene »Frau«
entdecken, die die Mutter Christi wurde? Hat nicht vielleicht die im Evangelium
- dessen Hintergrund die ganze Schrift, Altes und Neues Testament, ist -
enthaltene »Botschaft« Christi der Kirche und der Menschheit
Wesentliches zu sagen über Würde und Berufung der Frau?
Genau dies soll denn auch das Thema des
vorliegenden Dokumentes sein, das sich in den weiten Rahmen des Marianischen
Jahres einfügt, während wir uns dem Ende des zweiten und dem Beginn
des dritten Jahrtausends seit der Geburt Christi nähern. Und es scheint
mir das beste zu sein, diesem Text den Stil und Charakter einer Meditation zu
geben.
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