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Ioannes Paulus PP. II
Mulieris dignitatem

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  • II. FRAU - GOTTESMUTTER (THEOTÓKOS)
    • »Ihm zu dienen bedeutet herrschen«
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»Ihm zu dienen bedeutet herrschen«

5. Dieses Ereignis hat einen klaren interpersonalen Charakter: Es ist ein Dialog. Wir begreifen das nicht ganz, wenn wir nicht das gesamte Gespräch zwischen dem Engel und Maria von dem »Sei gegrüßt, du Begnadete« her betrachten.(19) Der ganze Dialog enthüllt die wesentliche Dimension des Geschehens: die übernatürliche Dimension (***). Aber die Gnade schiebt niemals die Natur beiseite, noch hebt sie sie auf; sie trägt vielmehr zu ihrer Vervollkommnung und Veredelung bei. Daher bedeutet jene »Gnadenfülle«, die der Jungfrau aus Nazaret im Hinblick darauf, daß sie Theotókos werden sollte, gewährt worden ist, zugleich die Fülle der Vollkommenheit all dessen, »was kennzeichnend für die Frau ist«, was »das typisch Frauliche ist«. Wir befinden uns hier gewissermaßen am Höhepunkt und beim Urbild der personalen Würde der Frau.

Als Maria auf die Worte des himmlischen Boten mit ihrem »Fiat« antwortet, empfindet die »Begnadete« das Bedürfnis, ihre persönliche Einstellung zu dem Geschenk, das ihr geoffenbart wurde, zu bekennen, und sagt: »Ich bin die Magd des Herrn« (Lk 1, 38). Dieser Satz darf nicht dadurch seiner tiefen Bedeutung beraubt oder geschmälert werden, daß man ihn aus dem Gesamtzusammenhang des Geschehens und aus dem Gesamtinhalt der über Gott und über den Menschen offenbarten Wahrheit künstlich herauslöst. Im Ausdruck »Magd des Herrn« wird deutlich, daß sich Maria voll bewußt ist, vor Gott ein Geschöpf zu sein. Doch wird das Wort »Magd« vom Ende des Verkündigungsdialogs dann in die Gesamtperspektive der Geschichte der Mutter und des Sohnes einbezogen. In der Tat wird dieser Sohn, der wahrer und wesensgleicher »Sohn des Höchsten« ist oft - besonders auf dem Höhepunkt seiner Sendung - von sich sagen: »Denn der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen« (Mk 10, 45).

Christus trägt immer in sich das Bewußtsein, der »Gottesknecht« nach der Prophezeiung des Jesaja zu sein (vgl. Jes 42, 1; 49, 3. 6; 52, 13), wo der Inhalt seiner messianischen Sendung im wesentlichen schon enthalten ist: das Bewußtsein, der Erlöser der Welt zu sein. Maria fügt sich vom ersten Augenblick ihrer Gottesmutterschaft, ihrer Verbundenheit mit dem Sohn, den »der Vater in die Welt gesandt hat, damit die Welt durch ihn gerettet wird« (vgl. Joh 3, 17), in den messianischen Dienst Christi ein.(20) Dieser Dienst ist es, der das Fundament zu jenem Reich legt, in dem »dienen (...) herrschen bedeutet«.(21) Christus, der »Knecht des Herrn«, wird allen Menschen die königliche Würde des Dienens offenbaren, mit der die Berufung jedes Menschen eng verknüpft ist.

So beginnen wir mit der Betrachtung der Wirklichkeit »Frau - Gottesmutter« auf sehr passende Weise die vorliegende Meditation des Marianischen Jahres. Diese Wirklichkeit bestimmt auch den wesentlichen Horizont der Betrachtung über Würde und Berufung der Frau. Wenn etwas zur Würde und Berufung der Frau gedacht, gesagt oder getan werden soll, dürfen sich Geist, Herz und Handeln nicht von diesem Horizont abwenden. Die Würde jedes Menschen und die ihr entsprechende Berufung finden ihr entscheidendes Maß in der Verbundenheit mit Gott. Maria - die Frau der Bibel - ist der vollkommenste Ausdruck dieser Würde und dieser Berufung. Denn jeder Mensch, Mann oder Frau, kann sich, da nach dem Bild und Gleichnis Gottes geschaffen, in der Tat nur in der Dimension dieser Ebenbildlichkeit verwirklichen.




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