Index | Wörter: alphabetisch - Frequenz - rückläufig - Länge - Statistik | Hilfe | IntraText-Bibliothek
Ioannes Paulus PP. II
Mulieris dignitatem

IntraText CT - Text

  • VI. MUTTERSCHAFT - JUNGFRÄULICHKEIT
    • Geistige Mutterschaft
zurück - vor

Hier klicken um die Links zu den Konkordanzen auszublenden

Geistige Mutterschaft

21. Die Jungfräulichkeit im Sinne des Evangeliums schließt den Verzicht auf die Ehe und damit auf die leibliche Mutterschaft ein. Doch der Verzicht auf diese Art der Mutterschaft, die sogar ein großes Opfer für das Herz der Frau mit sich bringen kann, macht bereit für die Erfahrung einer Mutterschaft anderer Art: der Mutterschaft »nach dem Geist« (vgl. Röm 8, 4). Die Jungfräulichkeit nimmt der Frau in der Tat nicht ihre besonderen Eigenschaften. Geistige Mutterschaft kennt vielfältige Formen. Im Leben der gottgeweihten Frauen, die zum Beispiel nach dem Charisma und den Regeln der verschiedenen Gemeinschaften apostolischen Charakters leben, wird sie sich als Sorge für die Menschen, besonders für die am meisten Bedürftigen äußern: Kranke, Behinderte, Ausgesetzte, Waisen, alte Menschen, Kinder, Jugendliche, Gefangene und, allgemein, Existenzen am Rand der Gesellschaft. Eine Ordensfrau findet auf diese Weise in allen und in jedem einzelnen den Bräutigam, den einen mit immer anderem Angesicht, wie er selbst gesagt hat: »Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan« (Mt 25, 40). Die bräutliche Liebe enthält eine besondere Bereitschaft, sich all jener anzunehmen, die in ihrem Umkreis leben. In der Ehe besteht diese Bereitschaft, obwohl offen für alle, insbesondere in der Liebe der Eltern zu ihren Kindern. In der Jungfräulichkeit ist diese Bereitschaft offen für alle Menschen, die von der Liebe des Bräutigams Christus umfangen sind.

Im Blick auf Christus, den Erlöser aller und jedes einzelnen, ist die bräutliche Liebe, deren mütterliche Veranlagung sich im Herzen der Frau - der jungfräulichen Braut - verbirgt, ebenfalls bereit, sich für alle und jeden einzelnen zu öffnen. Das findet in den Ordensgemeinschaften apostolischen Lebens seine Bestätigung und ebenso, wenn auch anders, in den Gemeinschaften beschaulichen Lebens oder den Klausurorden. Es gibt zudem noch weitere Formen der Berufung zur Jungfräulichkeit um des Himmelreiches willen, wie zum Beispiel die Säkularinstitute oder die Gemeinschaften von gottgeweihten Menschen, die innerhalb von Bewegungen, Gruppen und Vereinigungen entstehen und in denen dieselbe Wahrheit über die geistige Mutterschaft der in Jungfräulichkeit lebenden Personen eine vielgestaltige Bestätigung findet. Es handelt sich aber nicht nur um gemeinschaftliche, sondern auch um private Formen. Schließlich ist die Jungfräulichkeit als Berufung der Frau immer die Berufung einer Person, einer konkreten und unwiederholbaren Person. Zutiefst persönlich ist darum auch die geistige Mutterschaft, die in dieser Berufung spürbar wird.

Auf dieser Grundlage kommt es denn auch zu einer besonderen Annäherung zwischen der Jungfräulichkeit der unverheirateten Frau und der Mutterschaft der verheirateten Frau. Eine solche Annäherung geht nicht nur von der Mutterschaft zur Jungfräulichkeit, wie soeben herausgestellt wurde; sie verläuft auch von der Jungfräulichkeit zur Ehe, verstanden als Form der Berufung der Frau, in welcher diese Mutter der aus ihrem Schoß geborenen Kinder wird. Ausgangspunkt für diese zweite Analogie ist die Bedeutung der Vermählung. In der Tat ist die Frau »vermählt« entweder durch das Ehesakrament oder geistlich durch die Vermählung mit Christus. Im einen wie im anderen Fall zeigt die Vermählung die »aufrichtige Hingabe« der Person der Braut gegenüber dem Bräutigam an. Auf diese Weise, so kann man sagen, ist das Profil der Ehe geistig in der Jungfräulichkeit wiederzufinden. Und wenn es sich um die leibliche Mutterschaft handelt, muß dann nicht vielleicht auch sie zugleich eine geistige Mutterschaft sein, um der Gesamtwahrheit über den Menschen, der eine Einheit aus Leib und Geist darstellt, zu entsprechen? Es gibt also viele Gründe, um in diesen beiden verschiedenen Wegen - zwei verschiedenen Lebensberufungen der Frau - eine tiefe Komplementarität und geradezu eine tiefe Einheit im innersten Wesen der Person zu entdecken.




zurück - vor

Index | Wörter: alphabetisch - Frequenz - rückläufig - Länge - Statistik | Hilfe | IntraText-Bibliothek

Best viewed with any browser at 800x600 or 768x1024 on Tablet PC
IntraText® (V89) - Some rights reserved by EuloTech SRL - 1996-2007. Content in this page is licensed under a Creative Commons License