Index | Wörter: alphabetisch - Frequenz - rückläufig - Länge - Statistik | Hilfe | IntraText-Bibliothek
Ioannes Paulus PP. II
Mulieris dignitatem

IntraText CT - Text

  • VII. DIE KIRCHE - BRAUT CHRISTI
    • Das »tiefe Geheimnis«
zurück - vor

Hier klicken um die Links zu den Konkordanzen auszublenden

VII.

DIE KIRCHE - BRAUT CHRISTI

Das »tiefe Geheimnis«

23. Von grundlegender Bedeutung sind hierbei die Worte aus demEpheserbrief: »Ihr Männer, liebt eure Frauen, wie Christus die Kirche geliebt und sich für sie hingegeben hat, um sie im Wasser und durch das Wort rein und heilig zu machen. So will er die Kirche herrlich vor sich erscheinen lassen, ohne Flecken, Falten oder andere Fehler; heilig soll sie sein und makellos. Darum sind die Männer verpflichtet, ihre Frauen so zu lieben wie ihren eigenen Leib. Wer seine Frau liebt, liebt sich selbst. Keiner hat je seinen eigenen Leib gehaßt, sondern er nährt und pflegt ihn, wie auch Christus die Kirche. Denn wir sind Glieder seines Leibes. Darum wird der Mann Vater und Mutter verlassen und sich an seine Frau binden, und die zwei werden ein Fleisch sein. Dies ist ein tiefes Geheimnis; ich beziehe es auf Christus und die Kirche« (5, 25, 32).

In diesem Brief spricht der Verfasser die Wahrheit über die Kirche als Braut Christi aus und weist außerdem darauf hin, daß diese Wahrheit in der biblischen Wirklichkeit von der Erschaffung des Menschen als Mann und Frau ihre Wurzel hat. Nach dem Bild und Gleichnis Gottes als »Einheit von zweien« erschaffen, sind beide zu einer bräutlichen Liebe berufen. Man kann, wenn man dem Schöpfungsbericht in Gen 2, 18-25 folgt, auch sagen, daß diese grundlegende Berufung zugleich mit der Erschaffung der Frau offenbar und vom Schöpfer der Institution der Ehe eingeschrieben wird, die nach Gen 2, 24 von Anfang an den Charakter einer Personengemeinschaft (communio personarum) besitzt. Wenn auch nicht direkt, weist die Darstellung des »Anfangs« (vgl. Gen 1, 27 und 2, 24) darauf hin, daß das ganze »Ethos« der gegenseitigen Beziehungen zwischen Mann und Frau der personalen Wahrheit ihres Seins entsprechen muß.

Dies alles wurde bereits früher behandelt. Der Text des Briefes an die Epheser bekräftigt noch einmal die oben dargelegte Wahrheit und vergleicht dabei den bräutlichen Charakter der Liebe zwischen Mann und Frau mit dem Geheimnis Christi und der Kirche. Christus ist der Bräutigam der Kirche, die Kirche ist die Braut Christi. Diese Analogie ist nicht ohne Vorläufer: Sie überträgt, was bereits im Alten Testament, besonders bei den Propheten Hosea, Jeremia, Ezechiel und Jesaja(48) enthalten war, auf das Neue Testament. Die entsprechenden Abschnitte verdienten eine eigene Darlegung. Wenigstens einen Text wollen wir hier anführen. So spricht Gott durch den Propheten zu seinem auserwählten Volk: »Fürchte dich nicht, du wirst nicht beschämt; verzage nicht, du wirst nicht enttäuscht. Daß man deine jugendliche Schönheit verachtet hat, wirst du vergessen, an die Schande deiner Witwenschaft wirst du nicht mehr denken. Denn dein Schöpfer ist dein Gemahl. "Herr der Heere" wird er genannt. Der heilige Gott Israels ist dein Befreier. "Gott der ganzen Erde" wird er genannt (...) Kann man denn die Frau verstoßen, die man in der Jugend geliebt hat?, spricht dein Herr. Nur eine kleine Weile habe ich dich verlassen, doch voller Erbarmen hole ich dich zurück. Einen Augenblick nur verbarg ich vor dir mein Gesicht in grollendem Zorn; aber in meiner ewigen Gnade habe ich Erbarmen mit dir, spricht der Herr, dein Befreier (...) Auch wenn die Berge von ihrem Platz weichen und die Hügel zu wanken beginnen - meine Gnade wird nie von dir weichen und der Bund meines Friedens nicht wanken, spricht der Herr, der Erbarmen hat mit dir« (Jes 54, 4-8. 10).

Wenn der Mensch - Mann und Frau - als Abbild und Gleichnis Gottes erschaffen wurde, kann Gott durch den Mund des Propheten von sich selbst sprechen, indem er sich der ihrem Wesen nach menschlichen Sprache bedient: In dem zitierten Text des Jesaja ist die Art, wie die Liebe Gottes ausgedrückt wird, »menschlich«; aber die Liebe selbst ist göttlich. Als Liebe Gottes hat sie einen in göttlicher Weise bräutlichen Charakter, auch wenn sie mit der Analogie der Liebe des Mannes zur Frau ausgedrückt wird. Diese Frau und Braut ist Israel als das von Gott erwählte Volk, und diese Erwählung hat ihre Quelle ausschließlich in der spontanen Liebe Gottes. Eben durch diese Liebe läßt sich der oft als Ehe dargestellte Bund erklären, den Gott immer wieder neu mit seinem auserwählten Volk schließt. Dieser Bund ist von Gottes Seite her eine bleibende »Verpflichtung«: Gott bleibt seiner bräutlichen Liebe treu, auch wenn sich seine Braut wiederholt als untreu erwiesen hat.

Dieses Bild von der bräutlichen Liebe zusammen mit der Gestalt des göttlichen Bräutigams - ein sehr klares Bild in den prophetischen Texten - findet im Epheserbrief (5, 23-32) seine Bestätigung und Krönung.Christus wurde von Johannes dem Täufer als Bräutigam begrüßt (vgl. Joh 3, 27-29); ja, Christus selbst wendet diesen aus den Propheten genommenen Vergleich auf sich an (vgl. Mk 2, 19-20). Der Apostel Paulus, der das Erbe des Alten Testaments in sich trägt, schreibt an die Korinther: »Denn ich liebe euch mit der Eifersucht Gottes; ich habe euch einem einzigen Mann verlobt, um euch als reine Jungfrau zu Christus zu führen« (2 Kor 11, 2). Die vollständigste Formulierung der Wahrheit über die Liebe Christi, des Erlösers, nach der Analogie einer bräutlichen Liebe findet sich jedoch im Epheserbrief: »Christus hat die Welt geliebt und sich für sie hingegeben« (5, 25); damit wird voll bestätigt, daß die Kirche die Braut Christi ist: »Der heilige Gott Israels ist dein Befreier« (Jes 54, 5). Im Text des Paulus zielt die Analogie der bräutlichen Beziehung gleichzeitig in zwei Richtungen, die zusammen das »tiefe Geheimnis« (sacramentum magnum) bilden. Der Bund der Eheleute »erklärt« den bräutlichen Charakter der Verbundenheit Christi mit der Kirche; und diese Verbundenheit als »tiefes Geheimnis« und »Sakrament« entscheidet ihrerseits über die Sakramentalität der Ehe als eines heiligen Bundes der beiden Brautleute, des Mannes und der Frau. Beim Lesen dieses reichen und vielschichtigen Textes, der als Ganzes eine große Analogie ist, müssen wir unterscheiden zwischen dem, was darin die menschliche Wirklichkeit der interpersonalen Beziehungen, und dem, was in symbolischer Sprache das tiefe göttliche »Geheimnis« ausdrückt.




zurück - vor

Index | Wörter: alphabetisch - Frequenz - rückläufig - Länge - Statistik | Hilfe | IntraText-Bibliothek

Best viewed with any browser at 800x600 or 768x1024 on Tablet PC
IntraText® (V89) - Some rights reserved by EuloTech SRL - 1996-2007. Content in this page is licensed under a Creative Commons License