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Die Eucharistie
26. Vor dem weiten Hintergrund des »tiefen
Geheimnisses«, das in der bräutlichen Beziehung zwischen Christus und der
Kirche zum Ausdruck kommt, ist es möglich, in entsprechender Weise auch
die Berufung der »Zwölf« zu begreifen. Wenn Christus nur Männer zu
seinen Aposteln berief, tat er das völlig frei und unabhängig.
Er tat es mit derselben Freiheit, mit der er in seinem Gesamtverhalten die
Würde und Berufung der Frau betonte, ohne sich nach den herrschenden
Sitten und nach der auch von der Gesetzgebung der Zeit gebilligten Tradition zu
richten. Daher entspricht die Hypothese, er habe Männer zu Aposteln
berufen, indem er der damals verbreiteten Mentalität folgte, ganz und gar
nicht der Handlungsweise Christi. »Meister, wir wissen, daß du immer die
Wahrheit sagst und wirklich den Weg Gottes lehrst (...), denn du siehst
nicht auf die Person« (Mt 22, 16). Diese Worte beschreiben vollständig
das Verhalten Jesu von Nazaret. Darin liegt auch eine Erklärung
für die Berufung der »Zwölf«. Sie sind während des Letzten
Abendmahles bei Christus; sie allein empfangen im Zusammenhang mit der
Einsetzung der Eucharistie den sakramentalen Auftrag: »Tut dies zu meinem
Gedächtnis!« (Lk 22, 19; 1 Kor 11, 24). Sie empfangen am
Abend des Auferstehungstages den Heiligen Geist, um die Sünden zu
vergeben: »Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; wem ihr die
Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert« (Joh 20, 23).
Wir befinden uns hier mitten im
Ostergeheimnis, das Gottes bräutliche Liebe zutiefst offenbart. Christus
ist der Bräutigam, weil er »sich hingegeben hat«: Sein Leib wurde
»hingegeben«, sein Blut wurde »vergossen« (vgl. Lk 24, 19. 20). So hat
er »seine Liebe bis zur Vollendung erwiesen« (Joh 13, 1). Die
»aufrichtige Hingabe«, die im Kreuzesopfer enthalten ist, hebt endgültig
den bräutlichen Sinn der Liebe Gottes hervor. Christus ist als
Erlöser der Welt der Bräutigam der Kirche. Die Eucharistie ist das
Sakrament unserer Erlösung. Sie ist das Sakrament des
Bräutigams und der Braut. Die Eucharistie vergegenwärtigt und
verwirklicht auf sakramentale Weise aufs neue den Erlösungsakt Christi,
der die Kirche als seinen Leib »erschafft«. Mit diesem »Leib« ist Christus
verbunden wie der Bräutigam mit der Braut. Alle diese Aussagen sind im Brief
an die Epheser enthalten. In dieses »tiefe Geheimnis« Christi und der
Kirche wird die seit dem »Anfang« von Mann und Frau gebildete bleibende
»Einheit der zwei« eingefügt.
Wenn Christus nun die Eucharistie bei ihrer
Einsetzung so ausdrücklich mit dem priesterlichen Dienst der Apostel
verbunden hat, darf man annehmen, daß er auf diese Weise die gottgewollte
Beziehung zwischen Mann und Frau, zwischen dem »Fraulichen« und dem
»Männlichen«, sowohl im Schöpfungsgeheimnis wie im Geheimnis der
Erlösung ausdrücken wollte. Vor allem in der Eucharistie wird
ja in sakramentaler Weise der Erlösungsakt Christi, des
Bräutigams, gegenüber der Kirche, seiner Braut, ausgedrückt.
Das wird dann durchsichtig und ganz deutlich, wenn der sakramentale Dienst der
Eucharistie, wo der Priester »in persona Christi« handelt, vom Mann
vollzogen wird. Diese Deutung bestätigt die Lehre der im Auftrag Pauls VI.
veröffentlichten Erklärung Inter Insigniores, die Antwort
geben sollte auf die Frage nach der Zulassung der Frauen zum Priesteramt.(50)
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