Index | Wörter: alphabetisch - Frequenz - rückläufig - Länge - Statistik | Hilfe | IntraText-Bibliothek
Ioannes Paulus PP. II
Mulieris dignitatem

IntraText CT - Text

  • VII. DIE KIRCHE - BRAUT CHRISTI
    • Die symbolische Dimension des »tiefen Geheimnisses«
zurück - vor

Hier klicken um die Links zu den Konkordanzen anzuzeigen

Die symbolische Dimension des »tiefen Geheimnisses«

25. Im Text des Epheserbriefes begegnen wir einer zweiten Dimension jener Analogie, die als ganze der Offenbarung des »tiefen Geheimnisses« dienen soll. Es handelt sich um ihre symbolische Dimension. Wenn die Liebe Gottes zum Menschen und zum auserwählten Volk Israel von den Propheten als die Liebe des Gemahls zu seiner Frau dargestellt wird, bringt eine solche Analogie die »bräutliche« Qualität und den göttlichen und nicht menschlichen Charakter von Gottes Liebe zum Ausdruck: »Dein Schöpfer ist dein Gemahl (...). Gott der ganzen Erde wird er genannt« (Jes 54, 5). Dasselbe gilt auch von der bräutlichen Liebe Christi, des Erlösers: »Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, daß er seinen einzigen Sohn hingab« (Joh 3, 16). Es handelt sich also um die Liebe Gottes, die durch die von Christus vollbrachte Erlösung zum Ausdruck kommt. Nach dem Paulusbrief ist diese Liebe der bräutlichen Liebe menschlicher Eheleute »ähnlich«, aber natürlich nicht »gleich«. Denn die Analogie weist auf eine Ähnlichkeit hin, läßt aber zugleich der Nicht-Ähnlichkeit angemessenen Raum.

Sie ist leicht festzustellen, wenn wir die Gestalt der »Braut« betrachten. Nach dem Epheserbrief ist jene Braut die Kirche, so wie für die Propheten die Braut Israel war: Sie ist also ein kollektives Subjekt, nicht eine Einzelperson. Dieses kollektive Subjekt ist das Volk Gottes, das heißt eine aus vielen Personen, Frauen wie Männern, zusammengesetzte Gemeinschaft. »Christus hat die Kirche geliebt« gerade als Gemeinschaft, als Volk Gottes; und zugleich hat er in dieser Kirche, die im selben Abschnitt auch sein »Leib« genannt wird (vgl. Eph 5, 23), jede einzelne Person geliebt. Denn Christus hat alle ohne Ausnahme, jeden Mann und jede Frau, erlöst. In der Erlösung drückt sich gerade diese Liebe Gottes aus und gelangt ihr bräutlicher Charakter in der Geschichte des Menschen und der Welt zur Vollendung.

Christus ist in diese Geschichte eingetreten und bleibt in ihr als der Bräutigam, der »sich (für sie) hingegeben hat«. »Hingeben« heißt hier, auf vollkommenste und radikalste Weise »zu einer aufrichtigen Hingabe werden«: »Es gibt keine größere Liebe als diese« (Joh 15, 13). In dieser Auffassung sind durch die Kirche alle Menschen - Frauen wie Männer - berufen, »Braut« Christi, des Erlösers der Welt, zu sein. So wird das »Braut-Sein« und damit das »Frauliche« zum Symbol alles »Menschlichen«, wie Paulus sagt: »Es gibt nicht mehr Mann und Frau; denn ihr alle seid "einer" in Christus Jesus« (Gal 3, 28).

Vom sprachlichen Standpunkt her kann man sagen, daß die Analogie der bräutlichen Liebe nach dem Epheserbrief das, was »männlich« ist, auf das zurückführt, was »fraulich« ist, da als Glieder der Kirche auch die Männer in den Begriff der »Braut« einbezogen werden. Und das darf uns nicht wundern; spricht doch der Apostel, um seine Sendung für Christus und an der Kirche zu formulieren, von den »Kindern, für die er von neuem Geburtswehen erleidet« (vgl. Gal 4, 19). Im Bereich des »Menschlichen«, dessen, was den Menschen als Person ausmacht, unterscheiden sich das »Mannsein« und das »Frausein«, und zugleich ergänzen und erklären sie sich gegenseitig. Das ist auch in der großen Analogie von der »Braut« im Epheserbrief gegenwärtig. In der Kirche ist jeder einzelne Mensch - Mann und Frau - die »Braut«, weil sie die Liebe Christi, des Erlösers, als Hingabe erfährt und ihr durch die Hingabe der eigenen Person zu antworten sucht.

Christus ist der Bräutigam. Darin drückt sich die Wahrheit über die Liebe Gottes aus, der »zuerst« geliebt hat (vgl. 1 Joh 4, 19) und mit der von dieser bräutlichen Liebe zum Menschen bewirkten Hingabe alle menschlichen Erwartungen übertroffen hat: »Er erwies ihnen seine Liebe bis zur Vollendung« (Joh 13, 1). Der Bräutigam - der mit Gott Vater wesensgleiche Sohn - ist der Sohn Marias geworden, »Menschensohn« und wahrer Mensch, ein Mann. Das Symbol des Bräutigams ist männlichen Geschlechts. In diesem männlichen Symbol ist der menschliche Charakter jener Liebe dargestellt, in der Gott seiner göttlichen Liebe zu Israel, zur Kirche, zu allen Menschen Ausdruck gegeben hat. Aus unserer Betrachtung dessen, was die Evangelien über das Verhalten Christi gegenüber den Frauen berichten, können wir schließen, daß er als Mann, als Sohn Israels, die Würde der »Töchter Abrahams« (vgl. Lk 13, 16), die Würde, welche die Frau am »Anfang« ebenso besessen hat wie der Mann, offenbar gemacht hat. Und zugleich hat Christus die ganze Eigenart, die die Frau vom Mann unterscheidet, den ganzen Reichtum, der ihr im Schöpfungsgeheimnis geschenkt wurde, hervorgehoben. Im Verhalten Christi gegenüber der Frau findet sich in vorbildlicher Weise verwirklicht, was der Epheserbrief mit dem Begriff »Bräutigam« ausdrückt. Gerade weil die göttliche Liebe Christi die Liebe eines Bräutigams ist, wird sie zum Vorbild und Beispiel jeder menschlichen Liebe, insbesondere aber der Liebe der Männer.




zurück - vor

Index | Wörter: alphabetisch - Frequenz - rückläufig - Länge - Statistik | Hilfe | IntraText-Bibliothek

Best viewed with any browser at 800x600 or 768x1024 on Tablet PC
IntraText® (V89) - Some rights reserved by EuloTech SRL - 1996-2007. Content in this page is licensed under a Creative Commons License