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a) Wirtschaftliche Schäden der
Werbung
10.
Durch falsche Darstellung oder
Vorenthaltung wichtiger Tatsachen kann die Werbung ihre Rolle als
Informationsquelle mibbrauchen. Mitunter kann die Informationsfunktion der
Medien auch dadurch unterminiert werden, dab auf Publikationen oder
Produktionen von Sendungen und Filmen von Werbemanagern Druck ausgeübt
wird, keine Fragen zu behandeln, die sich als peinlich oder unbequem
herausstellen könnten.
Öfter jedoch wird die Werbung nicht nur
dazu verwendet, um zu informieren, sondern auch um zu überreden und zu
motivieren — Menschen zu überzeugen, in einer bestimmten Weise zu handeln:
bestimmte Waren oder Dienstleistungen zu kaufen, bestimmte Einrichtungen zu
unterstützen, usw. Hier kann es zu besonderem Mibbrauch kommen.
Ernste Probleme kann die Werbepraxis
für sogenannte "Marken"-Waren schaffen. Oft bestehen nur
unerhebliche Unterschiede zwischen ähnlichen Waren verschiedener
Markenzeichen, und die Werbung mub versuchen, die Leute zu überreden, sich
von irrationalen Motiven ("Markentreue", Prestige, Mode, "Sex
appeal", usw.) leiten zu lassen, statt die Qualitäts- und
Preisunterschiede als Grundlage für eine vernünftige Entscheidung
vorzulegen.
Werbung kann auch sein und ist oft
tatsächlich ein Werkzeug des "Phänomens des Konsumismus",
wie Papst Johannes Paul II. sich ausdrückte, als er ausführte:
"Nicht das Verlangen nach einem besseren Leben ist schlecht, sondern
falsch ist ein Lebensstil, der vorgibt, dann besser zu sein, wenn er auf das
Haben und nicht auf das Sein ausgerichtet ist. Man will mehr haben, nicht um
mehr zu sein, sondern um das Leben in Selbstgefälligkeit zu
konsumieren".14 Werbemanager bezeichnen es mitunter als zu ihrer Aufgabe
gehörig, Bedürfnisse nach Produkten und Dienstleistungen "hervorzurufen"
— das heibt, Menschen zu veranlassen, dab sie ein Verlangen nach Waren und
Diensten verspüren, die sie gar nicht brauchen, und diesem Verlangen
folgen. "Überläbt man sich ... direkt seinen Trieben unter
Verkennung der Werte des persönlichen Gewissens und der Freiheit, können
Konsumgewohnheiten und Lebensweisen entstehen, die objektiv unzulässig
sind und nicht selten der körperlichen und geistigen Gesundheit
schaden".15
Das ist ein ernstzunehmender Mibbrauch, ein
Affront gegen die Menschenwürde und das Gemeinwohl, wenn es in
Überflubgesellschaften vorkommt. Doch noch ernster ist ein solcher
Mibbrauch, wenn konsumorientierte Verhaltensweisen und Werte von den
Massenmedien und der Werbung an Entwicklungsländer vermittelt werden, wo
sie die sozialen und wirtschaftlichen Probleme verschlimmern und die Armen
schädigen. "Ein wohlüberlegter Einsatz der Werbung kann den
Entwicklungsländern helfen, einen höheren Lebensstandard zu
erreichen. Allerdings wäre der Schaden grob, wenn eine unablässige, verantwortungslose
Werbung diese Völker bei ihrem Aufstieg aus der Armut zu einem
erträglichen Lebensstandard dazu verführen würde, den
Fortschritt in der Befriedigung von Wünschen zu suchen, die künstlich
erzeugt wurden. Das Ergebnis wäre, dab diese Völker ihre Mittel
verschleudern, ihre wirklichen Bedürfnisse vernachlässigen und ihre
genuine Entwicklung verfehlen".16
Ähnlich wird Ländern, die Formen
der Marktwirtschaft zu entwickeln versuchen, welche — nach Jahrzehnten in
zentralistischen, staatlich kontrollierten Systemen — den Bedürfnissen und
Interessen der Menschen dienen sollen, ihre Aufgabe durch eine Werbung
erschwert, die ein Konsumverhalten und Werte fördert, welche die
menschliche Würde und das Gemeinwohl verletzen. Besonders akut ist das
Problem, wenn — wie es oft geschieht — die Würde und das Wohlergehen der
ärmeren und schwächeren Glieder der Gesellschaft auf dem Spiel
stehen. Es darf nie vergessen werden, dab es "Güter gibt, die auf
Grund ihrer Natur nicht verkauft und gekauft werden können und dürfen",
und es gilt "eine ?Vergötzung' des Marktes" zu vermeiden, der
unter Beihilfe der Werbung diese entscheidende Tatsache ignoriert.17
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