IV.
EINIGE
ETHISCHE UND MORALISCHE PRINZIPIEN
14. Das II. Vatikanische
Konzil hat erklärt: "Die rechte Benutzung der sozialen
Kommunikationsmittel setzt bei allen, die mit ihnen umgehen, die Kenntnis der
Grundsätze sittlicher Wertordnung voraus und die Bereitschaft, sie auch
hier zu verwirklichen".21 Die sittliche Ordnung, auf die sich das bezieht,
ist die Ordnung des Gesetzes vom Wesen des Menschen, das für alle verbindlich
ist, weil es "in ihre Herzen eingeschrieben ist" (Röm 2,15) und
die Forderungen nach authentischer Erfüllung des Menschen enthält.
Für Christen hat das Gesetz von der
Natur des Menschen freilich noch eine tiefere Dimension, eine reichere
Bedeutung. "Christus ist der ?Anfang', der, nachdem er die menschliche
Natur angenommen hat, sie in ihren Grundelementen und in ihrem Dynamismus der
Gottes- und der Nächstenliebe endgültig erleuchtet".22 Hier
begreifen wir die tiefste Bedeutung der menschlichen Freiheit: sie ermöglicht
eine im Lichte Jesu Christi echte moralische Antwort auf den Aufruf, "das
Gewissen zu bilden, es zum Gegenstand ständiger Bekehrung zum Wahren und
Guten zu machen".23
In diesem Zusammenhang haben die sozialen
Kommunikationsmittel zwei, und nur zwei, Optionen. Entweder sie helfen den
Menschen zu verstehen und zu tun, was wahr und gut ist, oder sie erweisen sich
als destruktive Kräfte, die gegen das Wohl des Menschen gerichtet sind.
Das gilt voll und ganz für die Werbung.
Vor diesem Hintergrund weisen wir auf das
Grundprinzip für alle hin, die in der Werbebranche tätig sind:
Werbemanager — also diejenigen, die Werbung in Auftrag geben, vorbereiten oder
verbreiten — sind für das, wozu sie die Menschen zu veranlassen versuchen,
verantwortlich; und diese Verantwortung tragen auch Verleger, Sendeleiter in
Rundfunk und Fernsehen und andere, die in der Medienwelt tätig sind,
ebenso wie jene, die wirtschaftliche oder politische Unterstützung
gewähren und dadurch in den Werbeprozeb involviert sind.
Wenn eine Werbung die Menschen dazu zu
bringen versucht, mit moralisch zulässigen und für sie selbst und
für andere nutzbringenden Mitteln ihre Wahl zu treffen und vernünftig
zu handeln, dann handeln die an dieser Werbung Beteiligten moralisch gut; wenn
sie versucht, Menschen zu schlechten Taten zu verleiten, die diese selbst und
die Gemeinschaft zerstören, dann ist ihr Tun von Übel.
Das gilt auch für die Mittel und
Techniken der Werbung: die Anwendung manipulativer, ausbeuterischer, korrupter
und korrumpierender Überredungs- und Motivierungsmethoden ist moralisch
schlecht. In dieser Hinsicht beobachten wir spezielle Probleme im Zusammenhang
mit der sogenannten indirekten Werbung, die versucht, Menschen zu einem
bestimmten Handeln zu verleiten — zum Beispiel besondere Produkte zu kaufen —,
ohne sich voll bewubt zu sein, dab sie beeinflubt werden. Zu den hier
angewandten Techniken gehört es, dab bestimmte Waren oder Verhaltensweisen
in einem oberflächlich-glitzernden Rahmen in Verbindung mit
oberflächlichen Menschen gezeigt werden; in Extremfällen kann sogar
die Verwendung unterschwelliger Botschaften einbezogen werden.
In diesem ganz allgemeinen Rahmen
können wir mehrere moralische Grundsätze ausmachen, die in besonderer
Weise für die Werbung gelten. Wir wollen kurz über drei dieser
Grundsätze sprechen: die Wahrheit, die Würde der menschlichen Person
und die soziale Verantwortung.
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