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a) Die Wahrheit in der Werbung
15.
Gerade heute ist manche Werbung
schlichtweg und bewubt unwahr. Allgemein gesprochen ist das Problem der
Wahrheit in der Werbung aber etwas subtiler: Nicht dab die Werbung unverhohlen
falsche Dinge erzählen würde, aber sie kann die Wahrheit dadurch
verzerren, dab sie Dinge unterstellt, die tatsächlich nicht so sind, oder
wichtige Fakten verschweigt. Wie Papst Johannes Paul II. unterstreicht, sind
sowohl auf der Ebene des einzelnen wie der Gesellschaft Freiheit und Wahrheit
nicht zu trennen; ohne Wahrheit als Grundlage, Ausgangspunkt und Kriterium
für Wahrnehmung, Urteil, Wahl und Handeln kann es keinen
glaubwürdigen Umgang mit der Freiheit geben.24 Der Katechismus der
Katholischen Kirche fordert unter Hinweis auf das Zweite Vatikanische
Konzil, dab der Inhalt der Mitteilung "stets der Wahrheit entspricht und
bei Beachtung der durch Recht und menschliche Rücksichtnahme gezogenen
Grenzen vollständig ist"; darüber hinaus sollte der Inhalt von
Kommunikationen "die Rechte und Würde des Menschen" beachten.25
Wir sind uns natürlich dessen bewubt,
dab die Werbung genauso wie andere Ausdrucksformen ihre eigenen Gepflogenheiten
und Stilisierungsformen besitzt, und diese müssen bei der Diskussion
über die Wahrheit berücksichtigt werden. Die Menschen nehmen gewisse
rhetorische oder symbolische Übertreibungen in der Werbung für
selbstverständlich; das kann innerhalb der Grenzen der anerkannten und
akzeptierten Praxis zulässig sein.
Aber es gilt als ein Grundprinzip, dab
Werbung nicht absichtlich zu täuschen versuchen darf, sei es durch das,
was sie sagt, oder durch das, was sie andeutend impliziert bzw. verschweigt.
"Der richtige Umgang mit dem Recht auf Information verlangt, dab der
Inhalt der Mitteilung wahr und, innerhalb der von der Gerechtigkeit und der
Liebe gesetzten Grenzen, vollständig ist [...] Dazu gehört auch die
Verpflichtung, jede Manipulation der Wahrheit, aus welchen Gründen auch
immer, zu vermeiden".26
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