V.
SCHLUSS:
EINIGE SCHRITTE DIE GEMACHT WERDEN SOLLEN
18.
Der unentbehrliche Garant für ein
sittlich korrektes Verhalten seitens der Werbeindustrie ist das richtig
ausgebildete und verantwortliche Gewissen der Werbemanager selber: ein
Gewissen, das empfänglich ist für ihre Verpflichtung, nicht nur den
Interessen derer zu dienen, die Arbeit für sie in Auftrag geben und
finanzieren, sondern auch die Rechte und Interessen ihres Publikums zu achten
und zu schützen und dem Gemeinwohl zu dienen.
Viele in der Werbung beschäftigte
Frauen und Männer haben ein sensibles Gewissen, hohe ethische
Mabstäbe und ein starkes Verantwortungsgefühl. Aber selbst für
sie können Drucksituationen von auben — die ebenso von den Auftraggebern
ihrer Arbeit wie von der inneren Dynamik des Wettbewerbscharakters ihres
Berufes ausgehen — oft mächtige Anreize zu unmoralischem Verhalten
erzeugen. Diese Tatsache unterstreicht die dringende Notwendigkeit von
äuberen Strukturen und Systemen, die ein verantwortungsvolles Vorgehen in
der Werbung unterstützen und fördern und von verantwortungslosem Handeln
abschrecken.
19.
Freiwillige sittliche Verhaltensnormen sind eine Quelle für derartige
Hilfe. Sie bestehen bereits an einer
Reihe von Orten. So begrübenswert sie sind, sind sie doch nur soweit
wirksam, als die Werbemanager bereit sind, sich strikt an sie zu halten.
"Es ist Sache der Werbeagenturen, der Werbetreibenden sowie der Leiter und
verantwortlichen Mitarbeiter der Medien, welche sich als Werbeträger
anbieten, die bereits erarbeiteten nützlichen Zusammenstellungen
berufsethischer Forderungen bekanntzumachen, ihnen zu folgen und sie in die Tat
umzusetzen, um so für deren weitere Vervollkommnung und bessere
Verwirklichung auch bei einer breiten Öffentlichkeit Unterstützung zu
finden".33
Wir unterstreichen die Bedeutung der
Einbeziehung der Öffentlichkeit. Deren Vertreter sollten an der
Formulierung, Anwendung und regelmäbigen Überprüfung
berufs-ethischer Forderungen für die Werbung beteiligt werden. Zu diesen
Vertretern der Öffentlichkeit sollten Ethiker und Kirchenleute ebenso
gehören wie Vertreter von Konsumentengruppen. Einzelne tun gut daran, sich
in solchen Gruppen zu organisieren, um ihre Interessen gegenüber den
kommerziellen Interessen zu schützen.
20.
Auch staatliche Behörden
müssen dabei eine Rolle spielen. Einerseits sollte die Regierung nicht
versuchen, die Werbung mehr als andere Medienbereiche zu kontrollieren und ihr
Verfahrensweisen vorzuschreiben. Anderseits kann und sollte die manchenorts
bereits bestehende gesetzliche Regelung des Inhalts und der Ausführung der
Werbung über das blobe Verbot der genau definierten lügenhaften
Werbung hinausgehen. "Indem die Behörden entsprechende Gesetze
erlassen und darauf achten, dab diese auch eingehalten werden, sollen sie
dafür sorgen, dab der schlechte Gebrauch der Massenmedien ?nicht schwere
Schäden für die öffentliche Sitte und den Fortschritt der
Gesellschaft' verursacht".34
So sollten gesetzliche Regelungen zum
Beispiel Fragen aufgreifen wie den Umfang von Werbung, insbesondere im
Rundfunk, oder den Inhalt der an bestimmte Gruppen gerichteten Werbung, die
für Ausbeutung besonders anfällig sind, wie Kinder und alte Menschen.
Auch für die politische Werbung erscheinen Regelungen angebracht: Wieviel
darf finanziell aufgewendet werden, wie und von wem darf Geld für Werbung
beschafft werden usw.
21.
Die Nachrichten- und Informationsmedien
sollten Wert darauf legen, das Publikum über die Welt der Werbung
informiert zu halten. Angesichts des groben gesellschaftlichen Einflusses der
Werbung ist es angebracht, dab die Medien die Arbeit der Werbemanager
regelmäbig prüfen und kritisieren, genauso wie sie es bei anderen
Gruppen machen, deren Aktivitäten einen bedeutenden Einflub auf die
Gesellschaft haben.
22.
Auber die Medien für die
Verbreitung des Evangeliums zu benutzen, mub die Kirche darüber hinaus die
Aussagen voll aufgreifen, die die Beobachtung Papst Johannes Pauls II.
enthält: dab nämlich die Welt der Kommunikation einen zentralen
Bereich jenes groben modernen "Areopags" darstellt, wo Ideen mitgeteilt
und Haltungen und Werte geformt werden. Das ist eine weitaus "tiefere
Angelegenheit" als die Medien nur zur Verbreitung der christlichen
Botschaft zu benutzen, so wichtig das ist. "Die Botschaft selbst mub in
diese, von der modernen Kommunikation geschaffene ?neue Kultur' integriert
werden", eine Kultur mit "neuen Arten der Mitteilung in Verbindung
mit einer neuen Sprache, mit neuen Techniken und mit neuen psychologischen
Haltungen".35
Angesichts dieser Einsicht ist es wichtig,
dab die Medienerziehung zur Pastoralplanung und zu den verschiedenen pastoralen
und Erziehungsprogrammen gehört, die von der Kirche, katholische Schulen
eingeschlossen, vorangetrieben werden. Das schliebt Erziehung in bezug auf die
Rolle der Werbung in der heutigen Welt und ihre Relevanz für die Arbeit
der Kirche ein. Eine solche Erziehung sollte die Menschen darauf vorbereiten,
informiert und wachsam zu sein beim Gebrauch der Werbung und anderer
Kommunikationsformen. Wie der Katechismus der Katholischen Kirche ausführt,
können "die Kommunikationsmittel, vor allem die Massenmedien, bei den
Benützern eine gewisse Passivität erzeugen, indem sie diese zu wenig
aufmerksamen Konsumenten von Worten und Bildern machen. Die Benützer
sollen die Massenmedien mab- und zuchtvoll gebrauchen".36
23. Letzten Endes
hängt es jedoch dort, wo Redeund Kommunikationsfreiheit besteht,
weitgehend von den Werbefachleuten selbst ab, ethisch verantwortbare Praktiken
in ihrem Beruf zu garantieren. Auber Mibbräuche vermeiden, sollten sich
Werbefachleute auch dazu verpflichten, den mitunter durch Werbung angerichteten
Schaden wiedergutzumachen, insoweit das möglich ist: zum Beispiel durch
Veröffentlichung von Richtigstellungen, duch Schadensersatzleistungen an
verletzte Parteien, durch Ausweitung der Werbung im öffentlich-rechtlichen
Bereich u.ä. Diese Frage der ?Wiedergutmachung' ist ein berechtigtes
Anliegen, das nicht nur durch die Selbstkontrolle der Werbeindustrie und der
Kontrolle der Konsumenten-Organisationen ausgeübt werden müssen, sondern
auch durch staatliche Stellen.
Wo unsittliche Praktiken bereits
weitverbreitet und fest eingewurzelt sind, kann das den gewissenhaften
Werbemanagern beachtliche persönliche Opfer abverlangen. Aber Leute, die
moralisch richtig handeln wollen, müssen eher bereit sein, Nachteile,
Schaden und persönliche Verletzungen zu erleiden, als moralisch falsch zu
handeln. Das ist ohne Zweifel eine Pflicht für Christen als Nachfolger
Christi; aber nicht nur für sie. "In diesem Zeugnis für die
Unbedingtheit des sittlich Guten stehen die Christen nicht allein: Sie finden
Bestätigung im sittlichen Bewubtsein der Völker und in den groben
Traditionen der Religions- und Geistesgeschichte des Abendlandes und des
Orients".37
Wir wollen nicht und erwarten natürlich
auch nicht, dab die Werbung aus der modernen Welt eliminiert werde. Die Werbung
ist ein wichtiges Element in der heutigen Gesellschaft, insbesondere beim
Funktionieren einer freien Marktwirtschaft, die immer weitere Verbreitung
gewinnt.
Auberdem glauben wir aus den hier
skizzierten Gründen, dab die Werbung beim Wirtschaftswachstum, beim
Austausch von Informationen und Ideen und bei der Förderung der
Solidarität unter einzelnen und Gruppen eine konstruktive Rolle spielen
kann und tatsächlich oft spielt. Sie kann jedoch auch — und tut dies oft —
einzelnen und dem Gemeinwohl Schaden zufügen.
Angesichts dieser Überlegungen
appellieren wir daher an die Werbemanager und an alle, die an dem Prozeb,
Werbung in Auftrag zu geben und zu verbreiten, mitwirken, in der praktischen Ausübung
ihres Berufes die sozial schädlichen Aspekte zu beseitigen und hohe
ethische Mabstäbe in bezug auf Wahrheit, Menschenwürde und soziale
Verantwortlichkeit einzuhalten. Auf diese Weise werden sie einen besonderen und
bedeutsamen Beitrag zum menschlichen Fortschritt und zum Gemeinwohl leisten.
Vatikanstadt, 22. Februar 1997, am Fest
Petri Stuhlfeier.
+
John P. Foley
Präsident
+
Pierfranco Pastore
Sekretár
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