17.
»Indirekter« und »direkter« Arbeitgeber
Der Begriff des
indirekten Arbeitgebers umfaßt Personen wie auch Institutionen verschiedener Art;
er umfaßt auch kollektive Arbeitsverträge und Verhaltensprinzipien, die
von diesen Personen und Institutionen festgelegt sind und das ganze
sozio-ökonomische System bestimmen oder sich aus ihm ergeben. Der
Begriff des indirekten Arbeitgebers bezieht sich somit auf viele verschiedene
Elemente. Die Verantwortung des indirekten Arbeitgebers unterscheidet sich von
der des direkten, wie schon das Wort besagt: die Verantwortung ist weniger
direkt, bleibt jedoch eine echte Verantwortung; der indirekte Arbeitgeber
bestimmt wesentlich den einen oder anderen Aspekt des Arbeitsverhältnisses und
bedingt so das Verhalten des direkten Arbeitgebers, wenn dieser den
Arbeitsvertrag und das Arbeitsverhältnis konkret festlegt. Eine solche
Feststellung verfolgt nicht das Ziel, den direkten Arbeitgeber von der ihm
eigenen Verantwortung zu entbinden, sondern möchte nur die Aufmerksamkeit auf
das Geflecht von Bedingtheiten lenken, die sein Verhalten beeinflussen. Wenn es
um die Fassung einer ethisch korrekten Arbeitspolitik geht, muß man all
diese Bedingtheiten vor Augen haben. Und sie ist korrekt, wenn die objektiven
Rechte des Arbeitnehmers vollauf gewahrt sind.
Der Begriff des
indirekten Arbeitgebers läßt sich auf jedes einzelne Land und vor allem auf den
Staat anwenden. Gerade dem Staat obliegt ja eine gerechte Arbeitspolitik. Es
ist jedoch bekannt, daß im heutigen System der Weltwirtschaft zahlreiche Verbindungen
zwischen den einzelnen Staaten bestehen, zum Beispiel im Bereich von
Ein - und Ausfuhr, also des gegenseitigen Tausches von Wirtschaftsgütern, seien
dies Rohstoffe, Halbfabrikate oder Fertigprodukte. Diese Beziehungen schaffen
auch gegenseitige Abhängigkeiten, weshalb es heute schwer wäre, bei
irgendeinem Staat, und sei er auch wirtschaftlich der mächtigste, von voller
Selbstversorgung, von Autarkie, zu sprechen.
Ein solches
System gegenseitiger Abhängigkeiten ist an sich etwas Normales; es kann aber
leicht zum Anlaß verschiedener Formen von Ausbeutung und Ungerechtigkeit werden
und folglich die Arbeitspolitik der einzelnen Staaten und somit letzten Endes
den einzelnen Arbeitnehmer, das eigentliche Subjekt der Arbeit, beeinflussen.
So suchen zum Beispiel die hochindustrialisierten Länder und mehr noch
jene Unternehmen, welche in hohem Maß über die industriellen Produktionsmittel
bestimmen (die sogenannten multinationalen oder übernationalen Unternehmen),
während sie die Preise für ihre Produkte möglichst hoch festsetzen,
gleichzeitig die Preise der Rohstoffe oder der Halbfabrikate möglichst niedrig
zu halten, was zusammen mit anderen Ursachen zu einem immer größeren
Mißverhältnis zwischen den Nationaleinkommen der betroffenen Länder führt.
Dieser Abstand zwischen den meisten reichen und den ärmeren Ländern verringert
sich nicht und gleicht sich nicht aus, sondern wird immer noch größer,
natürlich den letzteren zum Schaden. Es liegt auf der Hand, daß dies nicht ohne
Auswirkungen auf die lokale Arbeitspolitik und auf die Lage des arbeitenden
Menschen in den wirtschaftlich benachteiligten Ländern bleiben kann. Der
direkte Arbeitgeber, der in einem ähnlichen System von Bedingtheiten steht,
setzt die Arbeitsbedingungen unter dem objektiven Bedarf und Anspruch der
Arbeitnehmer an, vor allem dann, wenn er selbst möglichst hohe Gewinne aus dem
von ihm geführten Unternehmen ziehen will (oder aus mehreren von ihm geführten
Unternehmen im Fall von »sozialisiertem« Eigentum an den Produktionsmitteln).
Dieses System
der Abhängigkeiten, die zum Begriff des indirekten Arbeitgebers gehören, ist,
wie man leicht folgern kann, sehr ausgedehnt und kompliziert. Um es näher zu
bestimmen, muß man gewissermaßen die Gesamtheit der für das
wirtschaftliche Leben im Profil des betreffenden Landes und Staates entscheidenden
Elemente berücksichtigen; gleichzeitig jedoch muß man noch viel weitere Verbindungen
und Abhängigkeiten im Auge haben. Die Verwirklichung der Rechte des
Arbeitnehmers darf aber nicht dazu verurteilt sein, nur einen Ableger von
Wirtschaftssystemen darzustellen, die mehr oder weniger ausschließlich vom
Gesichtspunkt des größtmöglichen Profits geleitet würden. Ganz im Gegenteil,
gerade die Rücksicht auf die objektiven Rechte des Arbeitenden (jede Art von
Arbeit eingeschlossen: körperliche und geistige, in Industrie und
Landwirtschaft) ist es, die einen angemessenen und grundlegenden Maßstab für
den Aufbau der gesamten Wirtschaft bilden muß, sowohl innerhalb von Land und
Staat als auch im Gesamt der Weltwirtschaftspolitik mit den von ihr bestimmten
internationalen Systemen und Beziehungen.
In dieser
Richtung sollten alle dazu berufenen internationalen Organisationen ihren
Einfluß geltend machen, angefangen von der Organisation der Vereinten Nationen.
Das Internationale Arbeitsamt und die Unterorganisation der
Vereinten Nationen für Ernährung und Landwirtschaft und noch
andere mehr können wahrscheinlich gerade hierzu neue Beiträge anbieten. Auf der
Ebene der einzelnen Staaten gibt es Ministerien, Behörden und auch verschiedene
gesellschaftliche Einrichtungen zu diesem Zweck. All das macht unübersehbar,
welch große Bedeutung, wie erwähnt, dem indirekten Arbeitgeber bei der
Verwirklichung der vollen Achtung der Rechte des Arbeitnehmers zukommt; denn
die Rechte der menschlichen Person sind in der gesamten Sozialmoral das
entscheidende Element.
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