8. Die
Erlösung: eine neue Schöpfung
Der Erlöser der
Welt! In ihm hat sich in neuer und herrlicherer Weise die Grundwahrheit über
die Schöpfung offenbart, die das Buch der Genesis bezeugt, wenn es mehrere Male
wiederholt: »Gott sah, daß es gut war«. Das Gute hat seine Quelle
in der Weisheit und in der Liebe. In Jesus Christus erhält die sichtbare Welt,
die von Gott für den Menschen geschaffen ist - jene Welt, die mit
der Sünde »der Vergänglichkeit unterworfen« wurde - erneut ihre
ursprüngliche Verbindung mit eben dieser göttlichen Quelle der Weisheit und
Liebe zurück. In der Tat, »Gott hat die Welt so geliebt, daß er seinen einzigen
Sohn hingab«. Wie im Menschen-Adam diese Verbindung zerbrochen ist,
so wird sie im Menschen-Christus wiederhergestellt. Überzeugen uns,
Menschen des zwanzigsten Jahrhunderts, etwa nicht die Worte, die der
Völkerapostel mit eindrucksvoller Beredtsamkeit über die Schöpfung gesagt hat,
die »bis zum heutigen Tag seufzt und in Geburtswehen liegt« und die
»sehnsüchtig auf das Offenbarwerden der Söhne Gottes« wartet, über
die Schöpfung, die »der Vergänglichkeit unterworfen ist«? Offenbart nicht sogar
der ungeheuere Fortschritt, den man niemals zuvor gekannt hat und der sich vor
allem während unseres Jahrhunderts in der Beherrschung der Welt durch den
Menschen ereignet hat, auch hier in noch nicht dagewesenem Grade jene
vielfältige Unterwerfung »unter die Vergänglichkeit«? Es genügt an dieser Stelle,
nur auf bestimmte Phänomene hinzuweisen wie die Gefahr der Umweltverschmutzung
in Gegenden, wo eine schnelle Industrialisierung vonstatten geht, die
bewaffneten Konflikte, die ausbrechen und sich andauernd wiederholen, oder die
Aussicht auf eine mögliche Selbstzerstörung durch den Einsatz von Atomwaffen,
der Wasserstoff - oder Neutronenbombe oder ähnlichem, die mangelnde Achtung vor
dem ungeborenen Leben. Ist die Welt dieser neuen Epoche, die Welt der
Weltraumflüge, die Welt der wissenschaftlichen und technischen
Errungenschaften, die nie zuvor erreicht worden sind, nicht gleichzeitig auch
die Welt, die »seufzt und in Geburtswehen liegt« und die
»sehnsüchtig auf das Offenbarwerden der Söhne Gottes wartet«?
Das II.
Vatikanische Konzil ist in seiner tiefen Analyse »der Welt von heute« zu jenem
wichtigsten Punkt der sichtbaren Welt, nämlich zum Menschen, gelangt, indem es
- wie Christus - in die Tiefe des menschlichen Bewußtseins hinabgestiegen ist
und das innerste Geheimnis des Menschen berührt hat, das in der biblischen (und
auch außerbiblischen) Sprache mit dem Wort »Herz« bezeichnet wird. Christus,
der Erlöser der Welt, ist derjenige, der in einzigartiger und unwiederholbarer
Weise in das Geheimnis des Menschen eingedrungen und in sein »Herz« eingetreten
ist. Mit Recht lehrt daher dasselbe Konzil: »Tatsächlich klärt sich nur im
Geheimnis des fleischgewordenen Wortes das Geheimnis des Menschen wahrhaft auf.
Denn Adam, der erste Mensch, war das Vorausbild des zukünftigen (Röm 5,
14), nämlich Christi des Herrn; Christus, der neue Adam, macht eben in
der Offenbarung des Geheimnisses des Vaters und seiner Liebe dem Menschen
den Menschen selbst voll kund und erschließt ihm seine höchste Berufung«.
Und weiter heißt es: »Der "das Bild des unsichtbaren Gottes" (Kol 1,
15) ist, er ist zugleich der vollkommene Mensch, der den Söhnen Adams die
Gottebenbildlichkeit wiedergab, die von der ersten Sünde her verunstaltet war.
Da in ihm die menschliche Natur angenommen wurde, ohne dabei verschlungen zu werden,
ist sie dadurch auch schon in uns zu einer erhabenen Würde erhöht worden. Denn
er, der Sohn Gottes, hat sich in seiner Menschwerdung gewissermaßen
mit jedem Menschen vereinigt. Mit Menschenhänden hat er gearbeitet, mit
menschlichem Geist gedacht, mit einem menschlichen Willen hat er gehandelt, mit
einem menschlichen Herzen geliebt. Geboren aus Maria, der Jungfrau, ist er in
Wahrheit einer aus uns geworden, in allem uns gleich außer der Sünde«.
Er, der Erlöser des Menschen!
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