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Ioannes Paulus PP. II
Redemptoris missio

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  • KAPITEL V WEGE DER MISSION
    • Die erste Form der Evangelisierung ist das persönliche Zeugnis
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Die erste Form der Evangelisierung ist das persönliche Zeugnis

42. Der Mensch unserer Zeit glaubt mehr den Zeugen als den Lehrern,69 mehr der Erfahrung als der Lehre, mehr dem Leben und den Taten als den Theorien. Das Zeugnis des christlichen Lebens ist die erste und unersetzbare Form der Mission. Christus, dessen Sendung wir fortsetzen, ist der »Zeuge« schlechthin (Off 1, 5; 3, 14) und das Modell christlichen Zeugnisses. Der Heilige Geist begleitet den Weg der Kirche und läßt sie teilnehmen am Zeugnis, das er von Christus gibt (vgl. Joh 15, 26-27).

Die erste Form des Zeugnisses ist das Leben des Missionars, der christlichen Familie und der kirchlichen Gemeinschaft; diese Form läßt eine neue Verhaltensweise erkennen. Der Missionar, der trotz aller Grenzen und menschlichen Schwächen in Einfachheit nach dem Modell Christi lebt, ist ein Zeichen Gottes und der transzendenten Wirklichkeit. Dieses Zeugnis können und müssen jedoch alle in der Kirche geben, indem sie sich bemühen, den göttlichen Meister nachzuahmen;70 ein Zeugnis, das in vielen Fällen die einzig mögliche Form ist, Missionar zu sein.

Das evangelische Zeugnis, das die Welt am ehesten wahrnimmt, ist jenes der Aufmerksamkeit für die Menschen und der Liebe zu den Armen und den Kleinen, zu den Leidenden. Der Geschenkcharakter dieses Verhaltens und dieser Aktivitäten, die sich abgrundtief von dem in jedem Menschen vorhandenen Egoismus unterscheiden, führt zu gezielten Fragen nach Gott und dem Evangelium. Auch der Einsatz für den Frieden, die Gerechtigkeit, die Menschenrechte und die menschliche Entfaltung ist ein evangelisches Zeugnis, wenn er Zeichen der Aufmerksamkeit für die Menschen ist, ausgerichtet auf die Gesamtentfaltung des Menschen.71

43. Der Christ und die christliche Gemeinde sind tief verwurzelt im Leben der jeweiligen Völker; sie sind Zeugen des Evangeliums auch in der Treue zu ihrer Heimat, zu ihrem Volk, zu ihrer Landeskultur, immer jedoch in der Freiheit, die Christus gebracht hat. Das Christentum ist offen für eine weltweite Brüderlichkeit, weil alle Menschen Söhne und Töchter desselben Vaters und Geschwister in Christus sind.

Die Kirche ist aufgerufen, ihr Zeugnis von Christus zu geben, indem sie mutig und prophetisch Position ergreift gegen die Korruption der politischen und wirtschaftlichen Macht; indem sie selbst weder Ruhm noch materielle Güter sucht; indem sie ihre Güter für den Dienst an den Ärmsten verwendet und zur Einfachheit des Lebens in Christus einlädt. Die Kirche und die Missionare müssen auch ein Zeugnis der Demut geben, bezogen vor allem auf sich selbst. Diese Demut drückt sich auf persönlicher und gemeinschaftlicher Ebene aus in der Fähigkeit zur Gewissenserforschung, um in den eigenen Verhaltensweisen das auszubessern, was unevangelisch ist und das Angesicht Christi entstellt.




69 Vgl. PAUL VI., Apostol. Schreiben Evangelii nunnandi; Nr. 41: a.a.O., 31f.



70 Vgl. II. VATIKANISCHES KONZIL, Dogmatische Konstitution über die Kirche Lumen gentium, Nr. 28. 35. 38; Pastoralkonstitution über die Kirche in der Welt von heute Gaudium et spes, Nr. 43; Dekret über die Missionstätigkeit der Kirche Ad gentes, Nr. 11-12.



71 Vgl. PAUL VI., Enzvklika Populorum progressio (26. März 1967), Nr. 21. 42: AAS 59 (1967), 267f. 278.






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