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Ioannes Paulus PP. II
Redemptoris missio

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  • KAPITEL V WEGE DER MISSION
    • Die Erst-Verkündigung Christi, des Erlösers
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Die Erst-Verkündigung Christi, des Erlösers

44. Die Verkündigung hat in der Mission jederzeit Vorrang. Die Kirche darf sich dem ausdrücklichen Auftrag Christi nicht entziehen; sie darf den Menschen die »gute Nachricht«, daß sie von Gott geliebt und gerettet sind, nicht vorenthalten. »Die Evangelisierung wird - als Basis, Zentrum und zugleich Höhepunkt ihrer Dynamik - immer auch eine klare Aussage enthalten, daß in Jesus Christus ... jedem Menschen das Heil angeboten ist, als Geschenk der Gnade und Barmherzigkeit Gottes selbst«.72 Alle Formen der Missionstätigkeit haben diese Verkündigung zum Ziel; sie führt in das in der Zeit verborgene und in Christus enthüllte Geheimnis ein und enthüllt es (vgl. Eph 3, 3-9; Kol 1, 25-29). Christus ist das Herzstück der Mission und des Lebens der Kirche, der Angelpunkt der gesamten Evangelisierung.

In der komplexen Wirklichkeit der Mission spielt die erstmalige Verkündigung eine zentrale und unersetzbare Rolle, weil sie eine Einführung ist »in das Geheimnis der Liebe Gottes, die zu einer engen persönlichen Beziehung in Christus ruft«73 und den Weg zur Bekehrung öffnet. Der Glaube erwächst aus der Verkündigung. Jede kirchliche Gemeinschaft beginnt mit und lebt aus der persönlichen Antwort jedes einzelnen Glaubenden auf diese Verkündigung.74 So wie die ganze Heilsökonomie auf Christus ausgerichtet ist, so ist die Verkündigung seines Geheimnisses das Ziel jeder Missionstätigkeit.

Die Verkündigung hat Christus, den Gekreuzigten, Gestorbenen und Auferstandenen zum Gegenstand: durch ihn ereignet sich die volle und echte Befreiung vom Bösen, von der Sünde und vom Tod; in ihm schenkt Gott das »neue Leben«, ein göttliches und ewiges Leben. Das ist die »gute Nachricht«, die den Menschen und die Geschichte der Menschheit verändert und auf deren Kenntnis alle Völker ein Recht haben. Diese Verkündigung hat im Kontext des Lebens der Menschen und der Völker, die sie erhalten, zu geschehen. Sie muß weiters aus der Haltung der Liebe und der Wertschätzung des Hörenden heraus erfolgen, in einer konkreten und den Umständen angepaßten Sprache. In ihr ist der Geist am Werk und stellt eine Gemeinschaft zwischen dem Missionar und den Hörenden her, die dadurch möglich ist, daß sowohl der eine als auch die anderen durch Christus mit dem Vater verbunden sind.75

45. Verkündigung als Geschehen in Einheit mit der ganzen kirchlichen Gemeinschaft ist niemals eine rein persönliche Angelegenheit. Der Missionar ist da und wirkt kraft eines erhaltenen Auftrages; auch wenn er allein ist, ist er durch ein unsichtbares, aber enges Band mit der Missionstätigkeit der ganzen Kirche verbunden.76 Die Hörer erkennen früher oder später hinter ihm die Gemeinde, die ihn gesandt hat und die ihn unterstützt.

Die Verkündigung ist vom Glauben beseelt, der beim Missionar Enthusiasmus und Eifer hervorruft. Wie schon gesagt wurde, bezeichnet die Apostelgeschichte diese Haltung mit dem Wort Parresía, das heißt: mit Offenheit und Freimut sprechen. Dieser Begriff wird auch bei Paulus verwendet: »Im Vertrauen auf unseren Gott haben wir den Mut gehabt, euch trotz harter Kämpfe das Evangelium von Gott zu künden« (1 Thess 2, 2). »Betet ... auch für mich, daß Gott mir das rechte Wort schenkt, wenn es darauf ankommt, mit Freimut das Geheimnis des Evangeliums zu verkünden, als dessen Gesandter ich im Gefängnis bin. Bittet, daß ich in seiner Kraft freimütig zu reden vermag, wie es meine Pflicht ist« (Eph 6, 18-20).

Der Missionar geht bei der Verkündigung Christi unter Nicht-Christen von der Überzeugung aus, daß sowohl bei den einzelnen als auch bei den Völkern durch das Wirken des Geistes schon eine - wenn auch unbewußte - Erwartung da ist, die Wahrheit über Gott, über den Menschen, über den Weg zur Befreiung von Sünde und Tod zu erfahren. Die Begeisterung bei der Verkündigung Christi kommt von der Überzeugung, auf diese Erwartung antworten zu können, sodaß der Missionar sich weder entmutigen läßt noch von seinem Zeugnis abgeht, auch wenn er seinen Glauben in einer feindseligen oder gleichgültigen Umgebung zu bekennen hat. Er weiß, daß der Geist des Vaters in ihm spricht (vgl. Mt 10, 17-20; Lk 12, 11-12) und kann mit den Aposteln wiederholen: »Zeugen dieser Ereignisse sind wir und der Heilige Geist« (Apg 5, 32). Er weiß, daß er nicht eine Menschenweisheit verkündet, sondern das »Wort Gottes«, das eine ihr eigene innere und geheimnisvolle Kraft besitzt (vgl.Röm 1, 16).

Den besten Beweis dafür bildet das Geschenk des Lebens, bis zur Annahme des Todes als Zeugnis des Glaubens an Jesus Christus. Seit jeher kennt die Geschichte des Christentums zahlreiche und unverzichtbare »Märtyrer« d.h. Zeugen auf dem Weg des Evangeliums. Auch in unserer Zeit gibt es sie in großer Zahl: Bischöfe, Priester, Ordensmänner und Ordensfrauen, Laien und oft unbekannte heldenhafte Menschen, die ihr Leben als Zeugen des Glaubens hingeben. Sie sind an erste Stelle Verkünder und Zeugen.




72 PAUL VI., Apostol. Schreiben Evangelii nuntiandi, Nr. 27: a.a.O., 23.



73 II. VATIKANISCHES KONZIL, Dekret über die Missionstätigkeit der Kirche Ad gentes, Nr. 13.



74 Vgl. PAUL VI., Apostol. Schreiben Evangelii nuntiandi, Nr. 15: a.a.O., 13-15; II. VATIKANISCHES KONZIL, Dekret über die Missionstätigkeit der Kirche Ad gentes., Nr. 13-14.



75 Vgl. Enzyklika Dominum et vivificantem, Nr. 42.64: a.a.O., 857-859. 892-894.



76 Vgl. PAUL Vl., Apostol. Schreiben Evangelii nuntiandi, Nr. 60: a.a.O., 50f.






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