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Ioannes Paulus PP. II
Redemptoris missio

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  • KAPITEL V WEGE DER MISSION
    • Die Liebe - Ursprung und Maßstab der Mission
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Die Liebe - Ursprung und Maßstab der Mission

60. »Die Kirche auf der ganzen Welt - so habe ich während meines Besuches in Brasilien gesagt - will die Kirche der Armen sein. Sie will die ganze Wahrheit ausschöpfen, die in den Seligpreisungen enthalten ist, vor allem in der ersten: "Selig, die arm sind vor Gott"... Sie will diese Wahrheit lehren und sie verwirklichen wie Jesus, der gekommen ist, um zu wirken und zu lehren«.114

Die jungen Kirchen leben meist unter den Völkern, die von ziemlich verbreiteter Armut geplagt sind, und bringen diese Sorge oft als den bestimmenden Teil ihrer Mission zum Ausdruck. Die Konferenz der lateinamerikanischen Bischöfe in Puebla erinnert an das Beispiel Jesu und schreibt: »Die Armen verdienen bevorzugte Aufmerksamkeit, wie auch immer die moralische und persönliche Lage sei, in der sie sich befinden. Sie sind nach dem Bild und Gleichnis Gottes geschaffen, um seine Kinder zu sein, doch ist dieses Bild oft verdüstert und sogar geschändet. Daher nimmt sich Gott ihrer Verteidigung an und liebt sie. Daraus folgt, daß sich die Mission zuerst an die Armen richtet, und die Verwirklichung des Evangeliums unter ihnen ist aufs vorzüglichste Zeichen und Beweis der Mission Jesu«.115

Die Kirche, in Treue zum Geist der Seligpreisungen, ist auch gerufen, mit den Armen und Unterdrückten aller Art zu teilen. Ich rufe daher alle Jünger Christi und alle christlichen Gemeinschaften - von den Familien bis zu den Diözesen, von den Pfarren bis zu den Ordensgemeinschaften - dazu auf, ihr Leben im Sinne der Solidarität mit den Armen aufrichtig umzugestalten. Zugleich danke ich den Missionaren, die mit ihrer liebevollen Gegenwart und ihrem demütigen Dienst in Schulen, Gesundheitszentren, Leprastationen, Häusern für behinderte und alte Menschen, Institutionen für die Förderung der Frau und ähnlichem für die ganzheitliche Entwicklung der Person und der Gesellschaft arbeiten. Ich danke den Priestern, Ordensleuten und Laien für ihre Hingabe und ermutige die freiwilligen Mitarbeiter der privaten Organisationen, die sich diesen Werken der Nächstenliebe und der menschlichen Förderung widmen. Es sind in der Tat Werke der Nächstenliebe, die Zeugnis ablegen für die Seele jeglicher missionarischen Aktivität: die Liebe, die Beweggrund der Mission ist und bleibt und zugleich »das einzige Kriterium, nach dem zu handeln oder zu unterlassen, zu ändern oder zu bewahren ist. Sie ist das Prinzip, das alles Handeln leiten, und das Ziel, auf das es sich ausrichten muß. Was mit Blick auf die Liebe oder inspiriert von ihr geschieht ist nie zu gering und immer gut«.116




114 Ansprache an die Bewohner des Elendsviertels Vidigal in Rio de Janeiro, 2. Juli 1980, 4: AAS 72 (1980), 854.



115 Dokumente der III. Vollversammlung der lateinamerikanischen Bischöfe in Puebla (1979), (3757) 1142.



116 ISAAK VON STELLA, Predigt 31: PL 194, 1793.






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