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Ioannes Paulus PP. II
Ut unum sint

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  • I. DIE ÖKUMENISCHE VERPFLICHTUNG DER KATHOLISCHEN KIRCHE
    • Fundamentale Bedeutung der Lehre
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Fundamentale Bedeutung der Lehre

18. Während das Ökumenismusdekret einen Gedanken aufgreift, den Papst Johannes XXIII. selbst bei der Eröffnung des Konzils geäußert hatte, nennt es die Art der Lehrverkündigung unter den Elementen der dauernden Reform. Es geht in diesem Zusammenhang nicht darum, das Glaubensgut zu modifizieren, die Bedeutung der Dogmen zu ändern, wesentliche Worte aus ihnen zu streichen, die Wahrheit an den Zeitgeschmack anzupassen, bestimmte Artikel aus dem Credo zu streichen mit der falschen Vorgabe, sie würden heute nicht mehr verstanden. Die von Gott gewollte Einheit kann nur in der gemeinsamen Zustimmung zur Unversehrtheit des Inhalts des geoffenbarten Glaubens Wirklichkeit werden. Was den Glauben betrifft, steht der Kompromiß im Widerspruch zu Gott, der die Wahrheit ist. Wer könnte im Leib Christi, der »der Weg, die Wahrheit und das Leben« ist (Joh 14, 6), eine Versöhnung für rechtmäßig halten, die um den Preis der Wahrheit erreicht würde? Die Konzilserklärung über die Religionsfreiheit Dignitatis humanae schreibt der menschlichen Würde die Suche nach der Wahrheit, »besonders in dem, was Gott und seine Kirche angeht«, und die Zustimmung zu seinen Forderungen zu. Ein »Miteinander«, das die Wahrheit verraten würde, stünde daher im Gegensatz zum Wesen Gottes, der seine Gemeinschaft anbietet, und zum Wahrheitsbedürfnis, das tief in jedem Menschenherzen wohnt.

19. Doch die Lehre muß in einer Weise dargelegt werden, die sie denjenigen, für die Gott sie bestimmt, verständlich macht. In der Enzyklika Slavorum apostoli erinnerte ich daran, daß Cyrill und Methodius aus diesem Grunde bemüht waren, die Ausdrücke der Bibel und die Vorstellungen der griechischen Theologie in einen Zusammenhang von sehr verschiedenen geschichtlichen Erfahrungen und Ideen zu übertragen. Sie wollten, daß das eine Wort Gottes »auf diese Weise in den Ausdrucksformen, die jeder einzelnen Zivilisation eigen sind, zugänglich« werde. Sie begriffen, daß sie nicht »den Völkern, die ihrer Verkündigung zugewiesen waren, die unbestrittene Überlegenheit der griechischen Sprache und der byzantinischen Kultur oder die Sitten und Gebräuche der fortgeschrittenen Gesellschaft aufdrängen« konnten, »in welcher sie selbst aufgewachsen waren«. So realisierten sie jene »vollkommene Gemeinschaft in der Liebe, 7 die Kirche vor jeglicher Form von ethnischem Partikularismus oder Exklusivität oder vor rassischem Vorurteil wie auch vor jeder nationalistischen Überheblichkeit bewahrt«. In eben diesem Geist habe ich zu den Ureinwohnern Australiens gesagt: »Ihr dürft kein in zwei Teile gespaltenes Volk sein 8. Jesus ruft euch, seine Worte und seine Werte innerhalb eurer eigenen Kultur anzunehmen«. Da die Gabe des Glaubens ihrer Natur nach für die ganze Menschheit bestimmt ist, ist es erforderlich, sie in alle Kulturen zu übersetzen. Denn das Element, das über die Gemeinschaft in der Wahrheit entscheidet, ist die Bedeutung der Wahrheit. Die Ausdrucksform der Wahrheit kann vielgestaltig sein. Und die Erneuerung der Ausdrucksformen erweist sich als notwendig, um die Botschaft vom Evangelium in ihrer unwandelbaren Bedeutung an den heutigen Menschen weiterzugeben.

»Dieser Erneuerung kommt also eine besondere ökumenische Bedeutung zu«. Und dabei geht es nicht nur um Erneuerung in der Weise, wie der Glaube ausgedrückt wird, sondern um die Erneuerung des Glaubenslebens selbst. Nun könnte man fragen: wer soll diese Erneuerung vornehmen? Das Konzil gibt auf diese Frage eine klare Antwort: »Sie ist Sache der ganzen Kirche, sowohl der Gläubigen wie auch der Hirten, und geht einen jeden an, je nach seiner Fähigkeit, sowohl in seinem täglichen christlichen Leben wie auch bei theologischen und historischen Untersuchungen«.0

20. Das alles ist äußerst wichtig und von grundlegender Bedeutung für die ökumenische Tätigkeit. Daraus ergibt sich unmißverständlich, daß der Ökumenismus, die Bewegung für die Einheit der Christen, nicht bloß irgendein »Anhängsel« ist, das der traditionellen Tätigkeit der Kirche angefügt wird. Im Gegenteil, er gehört organisch zu ihrem Leben und zu ihrem Wirken und muß infolgedessen dieses Miteinander durchdringen und so etwas wie die Frucht eines Baumes sein, der gesund und üppig heranwächst, bis er seine volle Entwicklung erreicht.

So glaubte Papst Johannes XXIII. an die Einheit der Kirche, und so sah er der Einheit aller Christen entgegen. Bezüglich der anderen Christen, der großen christlichen Familie stellte er fest: »Das, was uns verbindet, ist viel stärker als das, was uns trennt«. Und das II. Vatikanische Konzil mahnt seinerseits: »Alle Christgläubigen sollen sich bewußt sein, daß sie die Einheit der Christen um so besser fördern, ja sogar einüben, je mehr sie nach einem reinen Leben gemäß dem Evangelium streben. Je inniger die Gemeinschaft ist, die sie mit dem Vater, dem Wort und dem Geist vereint, um so inniger und leichter werden sie imstande sein, die gegenseitige Brüderlichkeit zu vertiefen«.

 




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