Anerkennung der bei den
anderen Christen vorhandenen Güter
47. Der Dialog
bewegt sich nicht ausschließlich um die Lehre, sondern bezieht die ganze Person
ein: er ist auch ein Dialog der Liebe. Das Konzil sagte: »Es ist notwendig, daß
die Katholiken die wahrhaft christlichen Güter aus dem gemeinsamen Erbe mit
Freude anerkennen und hochschätzen, die sich bei den von uns getrennten Brüdern
finden. Es ist billig und heilsam, die Reichtümer Christi und das Wirken der
Geisteskräfte im Leben der anderen anzuerkennen, die für Christus Zeugnis
geben, manchmal bis zur Hingabe des Lebens: Denn Gott ist immer wunderbar und
bewunderungswürdig in seinen Werken«.
48. Die
Beziehungen, die die Mitglieder der katholischen Kirche seit dem Konzil zu den
anderen Christen hergestellt haben, führten zur Entdeckung dessen, was Gott in
den Angehörigen der anderen Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften wirkt.
Dieser direkte Kontakt auf verschiedenen Ebenen zwischen den Hirten und
zwischen den Mitgliedern der Gemeinschaften hat uns das Zeugnis zu Bewußtsein
gebracht, das die anderen Christen für Gott und für Christus geben. Auf diese
Weise hat sich für die ganze ökumenische Erfahrung ein weiter Raum aufgetan,
der zugleich die Herausforderung ist, die sich unserer heutigen Zeit stellt.
Ist das 20. Jahrhundert etwa nicht eine Zeit großen Zeugnisses, das »bis zum
Vergießen des Blutes« reicht? Und betrifft dieses Zeugnis etwa nicht auch die
verschiedenen Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften, die ihren Namen von
Christus, dem Gekreuzigten und Auferstandenen, nehmen?
Dieses gemeinsame Zeugnis der
Heiligkeit als Treue zu dem einzigen Herrn ist ein außerordentliches
gnadenreiches ökumenisches Potential. Das II. Vatikanische Konzil hat
unterstrichen, daß die bei den anderen Christen vorhandenen Güter zur
Auferbauung der Katholiken beitragen können: »Man darf auch nicht übergehen,
daß alles, was von der Gnade des Heiligen Geistes in den Herzen der getrennten
Brüder gewirkt wird, auch zu unserer eigenen Auferbauung beitragen kann. Denn
was wahrhaft christlich ist, steht niemals im Gegensatz zu den echten Gütern
des Glaubens, sondern kann immer dazu helfen, daß das Geheimnis Christi und der
Kirche vollkommener erfaßt werde«. Der ökumenische Dialog wird es
als echter Heilsdialog nicht versäumen, diesen schon in sich selbst gut
eingeleiteten Prozeß voranzubringen, um in Richtung der wahren und vollen
Einheit fortzuschreiten.
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