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Ioannes Paulus PP. II
Ut unum sint

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  • II. DIE FRÜCHTE DES DIALOGS
    • Die Wiederaufnahme der Kontakte
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Die Wiederaufnahme der Kontakte

52. Was die Kirche von Rom und das Ökumenische Patriarchat von Konstantinopel betrifft, so setzte der Prozeß, auf den wir soeben hingewiesen haben, dank der gegenseitigen Öffnung ein, die von den Päpsten Johannes XXIII. und Paul VI. einerseits und dem Ökumenischen Patriarchen Athenagoras I. und seinen Nachfolgern andererseits eingeleitet wurde. Die bewirkte Veränderung erfährt ihren historischen Ausdruck in dem kirchlichen Akt, durch dessen Verwirklichung man die Erinnerung an den gegenseitigen Bann »aus dem Gedächtnis und aus der Mitte der Kirchen getilgt hat«, der neunhundert Jahre zuvor, im Jahr 1054, zum Symbol des Schismas zwischen Rom und Konstantinopel geworden war. Jenes für das ökumenische Engagement so bedeutungsvolle historische kirchliche Ereignis fand am 7. Dezember 1965 während der letzten Tage des Konzils statt. Auf diese Weise schloß die Konzilsversammlung mit einem feierlichen Akt, der gleichzeitig Reinigung der historischen Erinnerung, gegenseitige Vergebung und solidarische Verpflichtung zur Suche nach der Gemeinschaft war.

Vorausgegangen war dieser Geste die Begegnung Pauls VI. mit dem Patriarchen Athenagoras I. im Januar 1964 in Jerusalem während der Pilgerreise des Papstes in das Heilige Land. Bei jener Gelegenheit konnte er auch mit dem orthodoxen Patriarchen Benedictos von Jerusalem zusammmentreffen. In der Folge konnte Papst Paul am 25. Juli 1967 Patriarch Athenagoras im Phanar (Istanbul) einen Besuch abstatten, und im Oktober desselben Jahres wurde der Patriarch in Rom feierlich empfangen. Diese Begegnungen im Gebet wiesen den Weg, dem man für die Wiederannäherung zwischen der Kirche des Orients und der Kirche des Abendlandes sowie für die Wiederherstellung der Einheit, die im ersten Jahrtausend zwischen ihnen bestanden hatte, zu folgen hat.

Als mir nach dem Tod Papst Pauls VI. und dem kurzen Pontifikat Papst Johannes Pauls I. das Amt des Bischofs von Rom anvertraut wurde, habe ich es für eine der ersten Aufgaben meines päpstlichen Dienstes gehalten, einen persönlichen Kontakt zum Ökumenischen Patriarchen Dimitrios I. herzustellen, der inzwischen die Nachfolge des Patriarchen Athenagoras auf dem Stuhl von Konstantinopel angetreten hatte. Während meines Besuches im Phanar am 29. November 1979 konnten der Patriarch und ich die Aufnahme des theologischen Dialogs zwischen der katholischen Kirche und allen kirchenrechtlich in Gemeinschaft mit dem Stuhl von Konstantinopel stehenden orthodoxen Kirchen beschließen. Wichtig scheint mir in diesem Zusammenhang hinzuzufügen, daß damals bereits die Vorbereitungen für die Einberufung des künftigen Konzils der orthodoxen Kirchen im Gang waren. Die Suche nach ihrer Eintracht ist ein Beitrag zum Leben und zur Lebendigkeit jener Schwesterkirchen, und das auch im Hinblick auf die Funktion, die zu erfüllen sie auf dem Weg zur Einheit berufen sind. Der Ökumenische Patriarch wollte mir den Besuch, den ich ihm abgestattet hatte, erwidern, und im Dezember 1987 hatte ich die Freude, ihn mit aufrichtiger Zuneigung und mit der ihm gebührenden Feierlichkeit in Rom zu empfangen. In diesem Rahmen kirchlicher Brüderlichkeit muß an die seit Jahren zur festen Gewohnheit gewordene Gepflogenheit erinnert werden, in Rom am Fest der hll. Apostel Petrus und Paulus eine Delegation des Ökumenischen Patriarchats zu empfangen sowie eine Delegation des Heiligen Stuhles zu den Feierlichkeiten zu Ehren des hl. Andreas in den Phanar zu entsenden.

53. Diese regelmäßigen Kontakte erlauben unter anderem einen direkten Informations - und Meinungsaustausch für eine brüderliche Abstimmung aufeinander. Andererseits macht es uns unsere gegenseitige Teilnahme am Gebet wieder zur vertrauten Gewohnheit, Seite an Seite zu leben, hält uns dazu an, den Willen des Herrn für seine Kirche miteinander anzunehmen und somit in die Tat umzusetzen.

Auf dem Weg, den wir seit dem II. Vatikanischen Konzil zurückgelegt haben, müssen wenigstens zwei Ereignisse erwähnt werden, die von besonderer Bedeutung und von großer ökumenischer Relevanz für die Beziehungen zwischen Orient und Abendland sind: da ist zunächst das Jubiläum von 1984, das angesagt wurde, um des 11-hundertjährigen Jubiläums des Evangelisierungswerkes der hll. Cyrill und Methodius zu gedenken und das es mir ermöglichte, die beiden heiligen Apostel der Slawen und Glaubensboten zu Mitpatronen Europas zu erklären. Schon Papst Paul VI. hatte im Jahr 1964 während des Konzils den hl. Benedikt zum Patron Europas erklärt. daß die beiden Brüder aus Thessaloniki dem großen Begründer des abendländischen Mönchtums an die Seite gestellt werden, soll indirekt jene kirchliche und kulturelle Doppeltradition herausstellen, die für die zweitausend Jahre Christentum, die die Geschichte des europäischen Kontinents geprägt haben, so bedeutsam war. Es ist daher nicht überflüssig zu erwähnen, daß Cyrill und Methodius aus dem Bereich der damaligen byzantinischen Kirche kamen, also einer Epoche, in der diese noch in Gemeinschaft mit Rom stand. Indem ich sie zusammen mit dem hl. Benedikt zu Patronen Europas erklärte, wollte ich nicht nur die historische Wahrheit über das Christentum auf dem europäischen Kontinent bekräftigen, sondern auch ein wichtiges Thema für jenen Dialog zwischen Orient und Abendland liefern, der in der Nachkonzilszeit so viele Hoffnungen geweckt hat. Wie im hl. Benedikt, so findet Europa in den hll. Cyrill und Methodius seine geistlichen Wurzeln wieder. Nun, da sich das zweite Jahrtausend nach Christi Geburt seinem Ende zuneigt, müssen sie gemeinsam als Patrone unserer Vergangenheit und als Heilige verehrt werden, denen die Kirchen und die Nationen des europäischen Kontinents ihre Zukunft anvertrauen.

54. Das andere Ereignis, an das ich gern erinnern möchte, ist die Tausendjahrfeier der Taufe der Rus' (988-1988). Die katholische Kirche und in besonderer Weise der Apostolische Stuhl wollten an den Jubiläumsfeierlichkeiten teilnehmen und haben zu unterstreichen versucht, daß die Taufe, die der hl. Wladimir in Kiew empfangen hat, eines der zentralen Ereignisse für die Evangelisierung der Welt gewesen ist. Ihm verdanken nicht nur die großen slawischen Nationen Osteuropas ihren Glauben, sondern auch jene Völker, die jenseits des Ural bis nach Alaska leben.

In dieser Perspektive findet eine Formulierung, die ich wiederholt gebraucht habe, ihren tiefsten Grund: die Kirche muß mit ihren beiden Lungen atmen! Diese Formulierung bezieht sich im ersten Jahrtausend der Geschichte des Christentums vor allem auf die Dualität Byzanz-Rom; seit der Taufe der Rus' dehnt diese Formulierung ihre Grenzen aus: die Evangelisierung hat sich auf ein viel weiteres Gebiet erstreckt, so daß sie nunmehr die ganze Kirche umfaßt. Wenn man sodann bedenkt, daß dieses Heilsereignis, das sich an den Ufern des Dnjepr vollzogen hat, in eine Zeit zurückreicht, in der es zwischen der Kirche im Orient und jener im Abendland noch keine Spaltung gab, begreift man sehr klar, daß die Perspektive, gemäß der nach der vollen Einheit gesucht wird, jene der Einheit in der legitimen Verschiedenartigkeit sein soll. Das habe ich in der den hll. Cyrill und Methodius gewidmeten Enzyklika Slavorum apostoli und in dem Apostolischen Schreiben Euntes in mundum, das zum Gedenken an den tausendsten Jahrestag der Taufe der Kiewer Rus' an die Gläubigen der katholischen Kirche gerichtet ist, mit Nachdruck ausgeführt.

 




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