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Ioannes Paulus PP. II
Ut unum sint

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  • II. DIE FRÜCHTE DES DIALOGS
    • Verwirklichte Zusammenarbeit
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Verwirklichte Zusammenarbeit

74. »Nicht jeder, der zu mir sagt: Herr! Herr!, wird in das Himmelreich kommen, sondern nur, wer den Willen meines Vaters im Himmel erfüllt« (Mt 7, 21). Die Kohärenz und Redlichkeit der Absichten und der Grundsatzaussagen erfüllen sich durch deren Anwendung auf das konkrete Leben. Das Konzilsdekret über den Ökumenismus führt an, daß bei den anderen Christen »der Christusglaube seine Früchte in Lobpreis und Danksagung für die von Gott empfangenen Wohltaten zeitigt; hinzu kommt ein lebendiges Gerechtigkeitsgefühl und eine aufrichtige Nächstenliebe«.

Der soeben beschriebene Bereich ist ein fruchtbarer Boden nicht nur für den Dialog, sondern auch für eine tätige Zusammenarbeit: Der »werktätige Glaube hat auch viele Einrichtungen zur Behebung der geistlichen und leiblichen Not, zur Förderung der Jugenderziehung, zur Schaffung menschenwürdiger Verhältnisse im sozialen Leben und zur allgemeinen Festigung des Friedens hervorgebracht«.

Das soziale und kulturelle Leben bietet weite Räume für ökumenische Zusammenarbeit. Immer häufiger finden sich die Christen zusammen, um die Menschenwürde zu verteidigen, das Gut des Friedens, die Anwendung des Evangeliums auf das soziale Leben zu fördern sowie in Wissenschaft und Kunst den christlichen Geist präsent zu machen. Sie finden sich immer mehr zusammen, wenn es darum geht, der Not und dem Elend unserer Zeit entgegenzutreten: dem Hunger, den Katastrophen und der sozialen Ungerechtigkeit.

75. Diese Zusammenarbeit, die ihre Inspiration aus dem Evangelium selbst bezieht, ist für die Christen niemals eine bloß humanitäre Aktion. Sie hat ihren eigentlichen Grund im Wort des Herrn: »Ich war hungrig, und ihr habt mir zu essen gegeben« (Mt 25, 35). Wie ich bereits hervorgehoben habe, macht die Zusammenarbeit aller Christen klar jenen zwischen ihnen bereits bestehenden Grad von Gemeinschaft offenbar.

Vor der Welt gewinnt das gemeinsame Wirken der Christen in der Gesellschaft dann den transparenten Wert eines Zeugnisses, das gemeinsam im Namen des Herrn abgelegt wird. Es nimmt auch die Dimensionen einer Verkündigung an, weil es das Antlitz Christi enthüllt.

Die noch bestehenden gegensätzlichen Auffassungen in der Lehre üben einen negativen Einfluß aus und setzen auch der Zusammenarbeit Grenzen. Die zwischen den Christen bereits bestehende Glaubensgemeinschaft bietet jedoch nicht nur für ihre gemeinsame Tätigkeit auf sozialem Gebiet eine solide Grundlage, sondern auch im religiösen Bereich.

Diese Zusammenarbeit wird die Suche nach der Einheit erleichtern. Wie das Ökumenismusdekret bemerkte, können bei dieser Zusammenarbeit »alle, die an Christus glauben, unschwer lernen, wie sie einander besser kennen und höher achten können und wie der Weg zur Einheit der Christen bereitet wird«.

76. Wie sollte man in diesem Zusammenhang nicht an das ökumenische Interesse für den Frieden erinnern, das unter wachsender Beteiligung der Christen und mit einer immer tiefgründigeren theologischen Motivation im Gebet und im Tun Ausdruck findet? Es könnte gar nicht anders sein. Glauben wir etwa nicht an Jesus Christus, den Friedensfürsten? Die Christen sind sich zunehmend einig in der Ablehnung der Gewalt, und zwar jeder Art von Gewalt, von Kriegen bis zur sozialen Ungerechtigkeit.

Wir sind zu einem immer tätigeren Einsatz aufgerufen, damit noch klarer zutage tritt, daß nicht die religiösen Gründe die wahre Ursache der herrschenden Konflikte darstellen, auch wenn leider die Gefahr der Instrumentalisierung zu politischen und feindseligen Zwecken nicht gebannt ist.

Während des Weltgebetstages für den Frieden 1986 in Assisi haben die Christen der verschiedenen Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften mit einer einzigen Stimme zum Herrn der Geschichte für den Frieden in der Welt gebetet. An jenem Tag haben parallel dazu, wenn auch in anderer Weise, ebenso die Juden und die Vertreter der nichtchristlichen Religionen um den Frieden gebetet — in einem Einklang von Gefühlen, die die tiefsten Seiten des menschlichen Geistes zum Schwingen brachten.

Nicht vergessen möchte ich auch den Weltgebetstag für den Frieden in Europa, besonders auf dem Balkan, der mich am 9. und 10. Januar 1993 wieder als Pilger in die Stadt des hl. Franziskus geführt hat, und die Messe für den Frieden auf dem Balkan und insbesondere in Bosnien-Herzegowina, die ich im Rahmen der Gebetswoche für die Einheit der Christen am 23. Januar 1994 in der Petersbasilika feierte.

Wenn unser Blick durch die Welt streift, erfüllt Freude unser Herz. Denn wir stellen fest, daß sich die Christen immer mehr von der Frage des Friedens ermahnt fühlen. Sie sehen sie in engem Zusammenhang mit der Verkündigung des Evangeliums und mit der Ankunft des Reiches Gottes.

 

 




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