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| Ioannes Paulus PP. II Evangelium vitae IntraText CT - Text |
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»Es erschien ein großes Zeichen am Himmel: eine Frau, mit der Sonne bekleidet« (Offb 12, 1): die Mutterschaft Mariens und der Kirche Die »mit der Sonne bekleidete Frau« — berichtet das Buch der Offenbarung — »war schwanger« (12, 2). Die Kirche ist sich voll dessen bewußt, daß sie den Retter der Welt, den Herrn Christus, in sich trägt und berufen ist, ihn der Welt zu schenken, indem sie die Menschen wieder zum Leben Gottes selbst erweckt. Sie kann jedoch nicht vergessen, daß diese ihre Sendung nur durch die Mutterschaft Mariens möglich geworden ist, die den empfangen und zur Welt gebracht hat, der »Gott von Gott«, »wahrer Gott vom wahren Gott« ist. Maria ist wahrhaft Gottesmutter, die Theotokos, in deren Mutterschaft die von Gott jeder Frau eingeschriebene Berufung zur Mutterschaft auf die höchste Stufe erhoben wurde. So wird Maria zum Vorbild für die Kirche, dazu berufen, die »neue Eva«, Mutter der Glaubenden, Mutter der »Lebenden« zu sein (vgl. Gen 3, 20). Die geistige Mutterschaft der Kirche — auch dessen ist sich die Kirche bewußt — verwirklicht sich nur inmitten der Schmerzen und »Geburtswehen« (Offb 12, 2), d.h. in der ewigen Auseinandersetzung mit den Kräften des Bösen, die die Welt auch weiterhin überziehen und im Widerstand gegen Christus das Herz der Menschen markieren: »In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht leuchtet in der Finsternis, und die Finsternis hat es nicht erfaßt« (Joh 1, 4-5). Wie die Kirche, so mußte auch Maria ihre Mutterschaft im Zeichen des Leidens leben: »Dieser... wird ein Zeichen sein, dem widersprochen wird. Dadurch sollen die Gedanken vieler Menschen offenbar werden. Dir selbst aber wird ein Schwert durch die Seele dringen« (Lk 2, 34-35). In den Worten, die am Beginn des Erdendaseins des Erlösers Simeon an Maria richtet, ist jene Ablehnung gegenüber Jesus und mit Ihm gegenüber Maria bildlich zusammengefaßt, die auf dem Kalvarienberg ihren Höhepunkt erreichen wird. »Bei dem Kreuz Jesu« (Joh 19, 25) hat Maria teil an dem Sichverschenken ihres Sohnes: sie bietet Jesus dar, sie schenkt ihn, sie bringt ihn endgültig für uns zur Welt. Das »Ja« vom Tag der Verkündigung gelangt am Tag des Kreuzes zur vollen Reife, als für Maria die Zeit kommt, jeden Menschen, der zum Jünger geworden ist, als Sohn aufzunehmen und zur Welt zu bringen, indem sie die erlösende Liebe des Sohnes über ihn ausgießt: »Als Jesus seine Mutter sah und bei ihr den Jünger, den er liebte, sagte er zu seiner Mutter: 'Frau, siehe, dein Sohn!?« (Joh 19, 26).
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