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| Ioannes Paulus PP. II Redemptoris Mater IntraText CT - Text |
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SCHLUSS 51. Am Ende des täglichen Stundengebetes richtet die Kirche neben anderen diesen Gebetsruf an Maria: »Alma Redemptoris Mater...« »Erhabne Mutter
des Erlösers, »Der Natur zum Staunen« (»natura mirante«)! Diese Worte der Antiphon geben jenes gläubige Staunen wieder, das das Geheimnis der göttlichen Mutterschaft Marias begleitet. Es begleitet es in gewissem Sinne im Herzen der gesamten Schöpfung und unmittelbar im Herzen des ganzen Gottesvolkes, im Herzen der Kirche. Wie wunderbar weit ist Gott, der Schöpfer und Herr aller Dinge, in der »Offenbarung seiner selbst« an den Menschen gegangen 147! Wie deutlich hat er alle Räume jener unendlichen »Distanz« überwunden, die den Schöpfer vom Geschöpf trennt! Wenn er schon in sich selbst unaussprechlich und unerforschlich bleibt, so ist er noch unaussprechlicher und unerforschlicher in der Wirklichkeit der Inkarnation des göttlichen Wortes, das durch die Jungfrau von Nazaret Mensch geworden ist. Wenn er von Ewigkeit her den Menschen zur »Teilhabe an der göttlichen Natur« (vgl. 2 Petr 1, 4) berufen hat, kann man sagen, daß er die »Vergöttlichung« des Menschen zugleich seiner geschichtlichen Lage entsprechend vorgesehen hat, so daß er auch nach dem Sündenfall bereit ist, den ewigen Plan seiner Liebe durch die »Vermenschlichung« des Sohnes, der ihm wesensgleich ist, um einen hohen Preis wiederherzustellen. Die ganze Schöpfung und noch unmittelbarer der Mensch müssen vom Staunen über dieses Geschenk getroffen bleiben, das ihnen im Heiligen Geist zuteil geworden ist: »Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, daß er seinen einzigen Sohn hingab« ( Joh 3, 16 ). Im Zentrum dieses Geheimnisses, im Mittelpunkt dieses gläubigen Staunens steht Maria. Die erhabne Mutter des Erlösers, sie hat es als erste erfahren: »Du hast geboren, der Natur zum Staunen, deinen heiligen Schöpfer« (»Tu quae genuisti, natura mirante, tuum sanctum Genitorem«)! Diese Worte beziehen sich auf jeden Menschen, auf die Gemeinschaften, Nationen und Völker, auf die Generationen und Epochen der menschlichen Geschichte, auf unsere Epoche, auf diese letzten Jahre des Jahrtausends, das sich dem Ende zuneigt: »Komm, hilf deinem Volk, das fällt« (»Succurre cadenti . .. populo«)! Das ist die Bitte an Maria, die »erhabne Mutter des Erlösers« die Bitte an Christus, der durch Maria in die Geschichte der Menschheit eingetreten ist. Jahr für Jahr steigt diese Antiphon zu Maria auf und erinnert an den Augenblick, da sich diese wesentliche geschichtliche Wende vollzogen hat, die in einem gewissen Sinne unumkehrbar fortdauert: die Wende vom »Fallen« zum »Auferstehen«. Die Menschheit hat wunderbare Entdeckungen gemacht und aufsehenerregende Ergebnisse im Bereich von Wissenschaft und Technik erzielt, sie hat große Taten auf dem Weg des Fortschritts und der Zivilisation vollbracht, und in jüngster Zeit, so könnte man sagen, ist es ihr sogar gelungen, den Lauf der Geschichte zu beschleunigen; aber die grundlegende Wende, jene, die man »originell« nennen kann, begleitet den Weg des Menschen ständig, und durch alle geschichtlichen Ereignisse hindurch begleitet sie alle und jeden. Es ist die Wende vom »Fallen« zum »Auferstehen«, vom Tod zum Leben. Sie ist auch eine unaufhörliche Herausforderung an das menschliche Gewissen, eine Herausforderung an das ganze geschichtliche Bewußtsein des Menschen: die Herausforderung, den Weg des »Nicht-Fallens« auf immer zugleich alte und neue Weise zu gehen und den Weg des »Aufstehens« zu beschreiten, wenn man »gefallen« ist. Während sich die Kirche zusammen mit der ganzen Menschheit dem Übergang zwischen den zwei Jahrtausenden nähert, nimmt sie von ihrer Seite her mit der ganzen Gemeinschaft der Gläubigen und in Verbindung mit jedem Menschen guten Willens die große Herausforderung an, die in diesen Worten der marianischen Antiphon vom »Volk, das sich müht, vom Falle aufzustehn«, enthalten ist, und wendet sich an den Erlöser und seine Mutter zugleich mit der Bitte: »Steh uns bei!«. Sie erblickt ja - und dieses Gebet bestätigt es - die selige Gottesmutter im erlösenden Geheimnis Christi und in ihrem eigenen Geheimnis; sie schaut sie tief in der Geschichte der Menschheit verwurzelt, in der ewigen Berufung des Menschen, nach dem Plan, den Gott in seiner Vorsehung von Ewigkeit her für ihn vorherbestimmt hat; sie erblickt sie mütterlich und teilnahmsvoll anwesend bei den vielfältigen und schwierigen Problemen, die heute das Leben der einzelnen, der Familien und der Völker begleiten; sie sieht in ihr die Helferin des christlichen Volkes beim unaufhörlichen Kampf zwischen dem Guten und dem Bösen, damit es nicht »falle«, oder, wenn gefallen, wieder «aufstehe«. Ich wünsche von Herzen, daß auch die Gedanken der vorliegenden Enzyklika der Erneuerung dieser Sicht in den Herzen aller Gläubigen dienen! Als Bischof von Rom sende ich allen, an die sich diese Erwägungen richten, den Friedenskuß mit Gruß und Segen in unserem Herrn Jesus Christus. Gegeben zu Rom, bei Sankt Peter, am 25. März, dem Fest Mariä Verkündigung des Jahres 1987, dem neunten Jahr meines Pontifikates.
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147 Vgl. II. VATIKANISCHES KONZIL, Dogmatische Konstitution über die göttliche Offenbarung Dei Verbum, 2: »In dieser Offenbarung redet der unsichtbare Gott... aus überströmender Liebe die Menschen an wie Freunde... und verkehrt mit ihnen.... um sie in seine Gemeinschaft einzuladen und aufzunehmen«. |
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