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| Ioannes Paulus PP. II Redemptoris missio IntraText CT - Text |
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Der Geist ist zu jeder Zeit und an jedem Ort gegenwärtig und am Werk 28. Der Geist zeigt sich in besonderer Weise in der Kirche und in ihren Mitgliedern; jedoch ist seine Gegenwart und sein Handeln allumfassend, ohne Begrenzung durch Raum und Zeit.35 Das Zweite Vatikanische Konzil erinnert an das Wirken des Geistes im Herzen jedes Menschen, durch »die Samen des Wortes«, auch durch religiöse Anregungen, durch Anstrengungen allen menschlichen Handelns, sofern es auf die Wahrheit, auf das Gute, auf Gott ausgerichtet ist.36 Der Geist gibt dem Menschen »Licht und Kraft, um auf seine höchste Berufung zu antworten«; durch den Geist »kann der Mensch im Glauben zum Betrachten und Verkosten des Geheimnisses des Göttlichen Heilsplanes gelangen«; überdies »müssen wir annehmen, daß der Heilige Geist allen die Möglichkeit bietet, mit dem Ostergeheimnis in Berührung zu kommen in einer Weise, die nur Gott kennt«;37 in jedem Fall weiß die Kirche, »daß der Mensch, vom Geist Gottes angespornt, vom Problem der Religion nicht völlig unberührt bleiben« und »daß er immer den Wunsch haben wird, wenigstens in Umrissen zu erkennen, was der Sinn seines Lebens, seines Tuns, seines Todes sei«.38 Der Geist steht also am Ursprung der Existenz und Glaubensfrage jedes Menschen, die sich ihm nicht nur in bestimmten Situationen, sondern aus der Struktur seines Daseins selbst stellt.39 Die Gegenwart und das Handeln des Geistes berühren nicht nur einzelne Menschen, sondern auch die Gesellschaft und die Geschichte, die Völker, die Kulturen, die Religionen. Der Geist steht ebenso am Ursprung edler Ideale und guter Initiativen der Menschheit auf deren Wege: »In wunderbarer Vorsehung lenkt er den Weg der Zeiten und erneuert er das Gesicht der Erde«.40 Der auferstandene Christus »wirkt im Herzen der Menschen in der Kraft seines Geistes, indem er nicht nur den Wunsch nach einer zukünftigen Welt weckt, sondern dadurch auch jene großmütigen Gedanken inspiriert, reinigt und festigt, durch die die Menschheitsfamilie das eigene Leben menschlicher zu gestalten und die ganze Welt diesem Ziele unterzuordnen versucht«.41 Und nochmals: es ist der Geist, der »die Samen des Wortes« aussät, die in den Riten und Kulturen da sind und der sie für ihr Heranreifen in Christus bereit macht.42 29. So leitet uns der Geist, der »weht, wo er will« (Joh 3, 8), der »in der Welt wirkte, noch bevor Christus verherrlicht wurde«,43 der »das Universum, alles umfassend, erfüllt und jede Stimme kennt« (Weish 1, 7), dazu an, unseren Blick zu erweitern, um so sein zu jeder Zeit und an jedem Ort vorhandenes Wirken in Betracht zu ziehen. Es ist ein Aufruf, den ich selbst wiederholt gemacht habe44 und der mich bei den Begegnungen mit den verschiedensten Völkern geleitet hat. Das Verhältnis der Kirche zu anderen Religionen ist bestimmt von einem doppelten Respekt: »dem Respekt vor dem Menschen bei seiner Suche nach Antworten auf die tiefsten Fragen des Lebens und vom Respekt vor dem Handeln des Geistes im Menschen«.45 Die Begegnung zwischen den Religionen in Assisi wollte unmißverständlich meine Überzeugung bekräftigen, daß »jedes authentische Gebet vom Heiligen Geist geweckt ist, der auf geheimnisvolle Weise im Herzen jedes Menschen gegenwärtig ist«.46 Es ist derselbe Geist, der bei der Menschwerdung, im Leben, im Tode und bei der Auferstehung Jesu mitgewirkt hat und der in der Kirche wirkt. Er ist nicht eine Alternative zu Christus, er füllt nicht eine Lücke aus zwischen Christus und dem Logos, wie manchmal angenommen wird. Was immer der Geist im Herzen der Menschen und in der Geschichte der Völker, in den Kulturen und Religionen bewirkt, hat die Vorbereitung der Verkündigung zum Ziel47 und geschieht in bezug auf Christus, das durch das Wirken des Geistes fleischgewordene Wort, »um Ihn zu erwirken, den vollkommenen Menschen, das Heil aller und die Zusammenführung des Universums«.48 Das universale Wirken des Geistes darf andererseits nicht getrennt werden von der Eigenart des Wirkens am Leib Christi, der die Kirche ist. Denn es ist immer der Geist, der wirkt, sei es daß er die Kirche belebt und sie zur Verkündigung Christi drängt, sei es daß er seine Gaben auf alle Menschen und Völker ausbreitet und sie entfaltet, indem er die Kirche durch den Dialog anleitet, diese Gaben zu entdecken, zu fördern und anzunehmen. Jede Gegenwart des Geistes muß mit Achtung und Dankbarkeit aufgenommen werden. Seine Unterscheidung ist aber eine Aufgabe der Kirche, der Christus seinen Geist gegeben hat, um sie zur vollen Wahrheit zu führen (vgl. Joh 16, 13).
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35 Enzyklika Dominum et vivificantem, Nr. 53: a.a.O., 874f. 36 Vgl. Il. VATIKANISCHES KONZIL, Dekret über die Missionstätigkeit der Kirche Ad gentes, Nr. 3. 11. 15; Pastoralkonstitution über die Kirche in der Welt von heute Gaudium et spes, Nr. 10-11. 22. 26. 38. 41. 92-93 . 37 II. VATIKANISCHES KONZIL, Pastoralkonstitution über die Kirche in der Welt von heute Gaudium et spes, Nr. 10. 15. 22. 38 Ebd., Nr. 41. 39 Vgl Enzvklika Dommum et vivificantem, Nr. 54: a.a.O., 875f. 40 II. VATIKANISCHES KONZIL, Pastoralkonstitution über die Kirche in der Welt von heute Gaudium et spes, Nr. 26. 41 Ebd, Nr. 38 vgl. Nr. 93. 42 Vgl. II. VATIKANISCHES KONZIL, Dogmatische Konstitution über die Kirche Lumen gentium, Nr. 17; Ddcret über die Missionstätigkeit der Kirche Ad gentes, Nr. 3. 15. 43 II. VATIKANISCHES KONZIL, Dekret über die Missionstätigkeit der Kirche Ad gentes, Nr. 4. 44 Vgl. Enzyklika Dominum et vivificantem, Nr. 53: a.a.O, 874. 45 Ansprache an Vertreter der nichtchrisdichen Rdigionen in Madras, 5. Februar 1986: MS 78 (1986), 767; vgl. Botschaft an die Völker Asiens in Manila, 21. Februar 1981, 2-4: AAS 73 (1981), 392f; Ansprache an die Vertreter der nichtchrisdichen Rdigionen in Tokyo, 24. Februar 1981, 3-4: Insegnamenti IV/I (1981), 507f. 46 Ansprache an die Kardinäle, die Päpsdiche Familie und die Römische Kurie und Prälatur, 22 Dezember 1986, 11: MS 79 (1987), 1089. 47 Vgl. II. VATIKANISCHES KONZIL, Dogmatische Konstitution über die Kirche Lumen gentium, Nr. 16. 48 Vgl. II. VATIKANISCHES KONZIL, Pastoralkonstitution über die Kirche in der Welt von heute Gudium et spes, Nr. 45; vgl. Enzvklika Dominum et vivificantem, Nr. 54: a.a.O., 876. |
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