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| Ioannes Paulus PP. II Redemptoris missio IntraText CT - Text |
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Bekehrung und Taufe Die Bekehrung ist von Anfang an ein voller und radikaler Glaubensausdruck, der weder Grenzen noch Einhalt kennt und das Geschenk Gottes voll und ganz annimmt. Zugleich jedoch setzt sie mit Bestimmtheit einen dynamischen und dauerhaften Prozeß in Gang, der das ganze Leben lang dauert und der einen ständigen Übergang vom »Leben nach dem Fleisch« zu einem »Leben nach dem Geist« erfordert (vgl. Röm 8, 3-13). Sie bedeutet, die Heilswirklichkeit Christi durch persönliche Entscheidung annehmen und sein Jünger werden. Die Kirche ruft alle zu dieser Bekehrung auf, nach dem Beispiel Johannes des Täufers, der den Weg für Christus bereitete, »indem er Umkehr und Taufe zur Vergebung der Sünden predigte« (Mk 1, 4), und nach dem Beispiel Christi selbst, »der, nachdem man Johannes ins Gefängnis geworfen hatte, wieder nach Galiläa ging und dort das Evangelium Gottes verkündete mit den Worten: Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um, und glaubt an das Evangelium« (Mk 1, 14-15). Heute steht der Aufruf zur Bekehrung, den die Missionare an Nicht-Christen richten, zur Diskussion oder wird verschwiegen. Man sieht darin einen Akt des »Proselitismus«; man sagt, es genüge, den Menschen zu helfen, mehr Mensch zu werden oder der eigenen Religion treuer zu sein; man sagt, es genüge, Gemeinschaften ins Leben zu rufen, die fähig seien, für Gerechtigkeit, Freiheit, Frieden und Solidarität einzutreten. Aber man vergißt dabei, daß jeder Mensch das Recht hat, von der »guten Nachricht« Gottes zu hören, der sich in Christus offenbart und schenkt; so erst kann der Mensch seine eigene Berufung voll verwirklichen. Die Größe dieses Geschehens klingt in den Worten Jesu an die Samaritanerin an: »Wenn du wüßtest, worin die Gabe Gottes besteht« und in dem unbewußten, aber brennenden Verlangen der Frau: »Herr, gib mir dieses Wasser, damit ich nicht mehr Durst habe« (Joh 4, 10.15). Die Bekehrung zu Christus ist eng mit der Taufe verbunden: diese Verbindung besteht nicht nur wegen der Praxis der Kirche, sondern aufgrund des Willens Christi und seines Aussendungsauftrags, alle Völker zu seinen Jüngern zu machen und sie zu taufen (vgl. Mt 28, 19); sie besteht auch aus einem inneren Zusammenhang heraus, um die Fülle des neuen Lebens in ihm zu erhalten: »Amen, Amen, ich sage dir - spricht Jesus zu Nikodemus -: wenn jemand nicht aus Wasser und Geist geboren wird, kann er nicht in das Reich Gottes eingehen« (Joh 3, 5). Die Taufe schafft uns in der Tat neu zum Leben als Kinder Gottes. Sie verbindet uns mit Jesus Christus und salbt uns im Heiligen Geist. Die Taufe ist nicht einfach die Besiegelung der Bekehrung, gleichsam ein äußerliches Zeichen der Bestätigung; sie ist vielmehr das Sakrament, das diese Neugeburt im Geist bezeichnet und bewirkt, das reale und unlösbare Bande mit der Trinität knüpft und die Getauften zu Gliedern Christi und seiner Kirche macht. An all das muß erinnert werden, da nicht wenige gerade dort, wo sich die Mission ad gentes entfaltet, dazu neigen, die Bekehrung zu Christus von der Taufe zu trennen, letztere als nicht notwendig zu bezeichnen. Es ist wahr, daß in bestimmten Gegenden soziologische Aspekte bezüglich der Taufe zu beobachten sind, die den wahren Sinn des Glaubens eher verdunkeln. Das rührt von verschiedenen historischen und kulturellen Faktoren her, die - wo sie noch vorhanden sind - zu beseitigen sind, damit das Sakrament der geistlichen Neugeburt in seiner vollen Bedeutung erscheine. Dieser Aufgabe müssen sich die lokalen kirchlichen Gemeinschaften widmen. Es ist auch wahr, daß nicht wenige Menschen zugeben, innerlich Christus und seiner Botschaft verpflichtet zu sein; aber sie wollen es nicht im Sakrament sein, weil sie aufgrund ihrer Vorurteile oder der Schuld von Christen die wahre Natur der Kirche als Geheimnis des Glaubens und der Liebe nicht zu erfassen vermögen.77 Ich möchte diese Menschen ermutigen, sich Christus voll zu öffnen und sie daran erinnern, daß - wenn sie die Faszination Christi spüren - er selbst die Kirche als den »Ort« gewollt hat, an dem man ihm tatsächlich begegnen kann. Gleichzeitig lade ich die Gläubigen und die christlichen Gemeinden ein, Christus mit ihrem neuen Leben glaubhaft zu bezeugen. Sicher, jeder Bekehrte ist ein Geschenk auch an die Kirche und bedeutet für sie eine schwere Verantwortung; nicht nur, weil er im Katechumenat auf die Taufe vorbereitet und dann durch religiöse Unterweisung begleitet werden muß, sondern auch weil er, speziell als Erwachsener, mit neuer Energie die Begeisterung des Glaubens mitbringt und den Wunsch, in der Kirche selbst ein gelebtes Evangelium vorzufinden. Es wäre für ihn eine Enttäuschung, wenn er, der in die kirchliche Gemeinschaft eingetreten ist, dort ein müdes, freudloses, nicht erneuerungsbereites Leben anträfe. Wir können nicht die Bekehrung predigen, wenn wir uns nicht selbst jeden Tag bekehren.
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77 Vgl. II. VATIKANISCHES KONZIL, Dogmatische Konstitution über die Kirche Lumen gentium, Nr. 6-9. |
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