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| Ioannes Paulus PP. II Slavorum apostoli IntraText CT - Text |
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II. EINIGE BIOGRAPHISCHE HINWEISE Die Stadt, in der die beiden heiligen Brüder geboren wurden, ist das heutige Saloniki; im 9. Jahrhundert bildete es ein wichtiges Zentrum des wirtschaftlichen und politischen Lebens im byzantinischen Reich und nahm im geistigen und sozialen Geschehen jener Balkangegend einen bedeutenden Platz ein. Da es an der Grenze zu den slawischen Ländern lag, hatte es gewiß auch einen slawischen Namen: Solun. Methodius war der ältere Bruder und trug wahrscheinlich den Taufnamen Michael. Er wurde zwischen den Jahren 815 und 820 geboren. Der jüngere Konstantin, später besser bekannt unter dem Ordensnamen Cyrill, kam im Jahre 827 oder 828 zur Welt. Der Vater war hoher Beamter der kaiserlichen Verwaltung. Die gesellschaftliche Stellung der Familie eröffnete den beiden Brüdern eine ähnliche Laufbahn, wie sie Methodius dann auch tatsächlich einschlug und dabei den Rang eines Archonten oder Präfekten in einer der Grenzprovinzen erlangte, wo viele Slawen lebten. Aber schon um das Jahr 840 brach er diese Laufbahn ab, um sich in eines der Klöster am Fuß des Olymp in Bithynien zurückzuziehen, der damals unter dem Namen Heiliger Berg bekannt war. Der Bruder Cyrill studierte mit besonderem Erfolg in Byzanz, wo er die heiligen Weihen empfing, nachdem er eine glänzende politische Laufbahn entschieden zurückgewiesen hatte. Aufgrund seiner ausgezeichneten Begabungen und Kenntnisse auf kulturellem und religiösem Gebiet wurden ihm bereits in jungen Jahren schwierige kirchliche Aufgaben anvertraut, wie die eines Bibliothekars im Archiv an der berühmten Kirche der heiligen Sophia in Konstantinopel und zur gleichen Zeit das angesehene Amt eines Sekretärs des Patriarchen in derselben Stadt. Sehr bald aber zeigte er sich entschlossen, solchen Aufgaben zu entsagen, um sich, frei von jedem Streben nach Ehren, dem Studium und dem kontemplativen Leben zu widmen. So flüchtete er heimlich in ein Kloster am Ufer des Schwarzen Meeres. Als man ihn dort nach sechs Monaten fand, ließ er sich dazu bewegen, den Unterricht in Philosophie an der Hochschule von Konstantinopel zu übernehmen; dabei verdiente er sich wegen seiner hervorragenden Kenntnisse den Beinamen Philosoph, unter dem er noch heute bekannt ist. Später wurde er von Kaiser und Patriarch in offizieller Mission zu den Sarazenen entsandt. Nachdem dieser Auftrag beendet war, zog er sich vom öffentlichen Leben zurück, um sich seinem älteren Bruder Methodius anzuschließen und mit diesem das Leben eines Mönches zu teilen. Doch zusammen mit Methodius wurde er erneut als religiöser und kultureller Fachmann in eine Delegation von Byzanz berufen, die zu den Chasaren entsandt wurde. Während eines Aufenthaltes auf der Krim bei Cherson glaubten sie die Kirche entdeckt zu haben, in der einst der hl. Klemens beigesetzt worden war, der römische Papst und Märtyrer, den man seinerzeit in jene entfernte Gegend ins Exil geschickt hatte; sie erhoben die Reliquien und nahmen sie mit sich. Die Reliquien begleiteten dann die beiden Brüder auf der nachfolgenden Missionsreise zum Westen bis zu jenem Augenblick, da diese sie feierlich nach Rom bringen und an Papst Hadrian II. übergeben konnten. Dafür erwählt wurden die heiligen Cyrill und Methodius. Sie nahmen die Aufgabe bereitwillig an, brachen auf und erreichten wahrscheinlich schon im Jahre 863 Großmähren, das damals einen Staat von verschiedenen slawischen Völkern in Mitteleuropa bildete, am Schnittpunkt der beiderseitigen Einflüsse von Ost und West. Unter diesen Völkern begannen sie nun jene Mission, der beide den ganzen Rest ihres Lebens widmeten: auf Reisen, unter Entbehrungen, Leiden, Feindseligkeiten und Verfolgungen, die bei Methodius sogar zum grausamen Gefängnis führten. Dies alles ertrugen sie mit starkem Glauben und unbesiegbarer Hoffnung auf Gott. Sie waren ja auch für die ihnen anvertraute Aufgabe gut vorbereitet: Sie trugen die für die Feier der heiligen Liturgie notwendigen Texte der Heiligen Schrift bei sich, die von ihnen zusammengestellt, in die altslawische Sprache übersetzt und in einem neuen Alphabet niedergeschrieben waren, das von Konstantin (Cyrill), dem Philosophen, erarbeitet und den Lauten jener Sprache vollkommen angepaßt war. Das missionarische Wirken der beiden Brüder war von bemerkenswertem Erfolg begleitet, aber auch von verständlichen Schwierigkeiten, welche die vorhergehende Erstchristianisierung durch die benachbarten lateinischen Ortskirchen den neuen Missionaren bereitete. Ungefähr drei Jahre später unterbrachen sie eine Reise nach Rom in Pannonien, wo sie der Slawenfürst Kozel - der aus dem wichtigen politischen und religiösen Zentrum von Nitra geflohen war - gastfreundlich aufnahm. Nach einigen Monaten setzten sie von hieraus zusammen mit ihren Schülern, für die sie die heiligen Weihen erhalten wollten, den Weg in Richtung Rom fort. Ihre Reise ging über Venedig, wo die neuen Grundlagen der von ihnen durchgeführten Mission einer öffentlichen Diskussion unterzogen wurden. In Rom nahm sie Papst Hadrian II., der inzwischen auf Nikolaus I. gefolgt war, sehr wohlwollend auf. Er billigte die slawischen liturgischen Bücher und ließ sie feierlich auf dem Altar der Kirche Santa Maria ad Praesepe, heute Santa Maria Maggiore genannt, niederlegen; er gab Anweisung, ihren Schülern die Priesterweihe zu erteilen. Dieser Abschnitt ihrer Mühen endete somit auf äußerst günstige Weise. Methodius mußte allerdings die folgende Etappe allein unternehmen, weil sein jüngerer Bruder, schwer erkrankt, gerade noch die Zeit fand, die Ordensgelübde abzulegen und das Mönchsgewand anzuziehen; denn kurz darauf, am 14. Februar 869, starb er in Rom. Nachdem er zum Erzbischof für den Bereich der alten Diözese Pannonien geweiht und zum päpstlichen Legaten »ad gentes« (für die Slawenvölker) ernannt worden war, übernahm er als kirchlichen Sitz das wiederhergestellte Bistum Sirmium. Das apostolische Wirken des Methodius wurde jedoch unterbrochen infolge von Schwierigkeiten, die politisch-religiöser Natur waren, und die mit der Einkerkerung des Methodius für zwei Jahre unter der Anklage, er habe sich in eine fremde bischöfliche Jurisdiktion eingemischt, ihren Höhepunkt erreichten. Erst durch die persönliche Intervention von Papst Johannes VIII. kam er wieder frei. Auch der neue Herrscher von Großmähren, Fürst Swatopluk, zeigte sich schließlich ablehnend gegenüber dem Wirken des Methodius, indem er sich der slawischen Liturgie widersetzte und in Rom Zweifel an der Rechtgläubigkeit des neuen Erzbischofs verbreitete. Im Jahre 880 wurde Methodius ad limina Apostolorum gerufen, um dort noch einmal die ganze Frage Papst Johannes VIII. persönlich vorzutragen. Nachdem er in Rom von allen Anklagen freigesprochen worden war, erlangte er vom Papst die Veröffentlichung der Bulle Industriae tuae, die wenigstens im Kern die Privilegien erneuerte, die der Vorgänger Hadrian II. der Liturgie in slawischer Sprache zuerkannt hatte. Als sich Methodius im Jahre 881 oder 882 nach Konstantinopel begab, erhielt er eine entsprechende Anerkennung völliger Rechtmäßigkeit und Rechtgläubigkeit auch vom byzantinischen Kaiser und vom Patriarchen Photius, der in jener Zeit mit Rom in voller kirchlicher Gemeinschaft stand. Die letzten Jahre seines Lebens widmete er vor allem weiteren Übersetzungen der Heiligen Schrift und der liturgischen Bücher, der Werke der Kirchenväter sowie auch der Sammlung des byzantinischen Kirchen - und Zivilrechtes, die Nomokanon genannt wurde. Aus Sorge für das Überleben des von ihm begonnenen Werkes bestimmte er zu seinem Nachfolger seinen Schüler Gorazd. Methodius starb am 6. April 885 im Dienst für die Kirche unter den Slawenvölkern. Deshalb bildeten »Männer und Frauen, Kleine und Große, Reiche und Arme, Freie und Knechte, Witwen und Waisen, Fremde und Einheimische, Gesunde und Kranke« jene Volksmenge, die unter Weinen und Singen den guten Meister und Hirten zu seiner letzten Ruhestätte geleitete, ihn, der »allen alles geworden um auf jeden Fall einige zu retten«. Es ist leider wahr, daß das Werk der beiden heiligen Brüder nach dem Tode des Methodius in eine schwere Krise geriet, und die Verfolgung seiner Schüler nahm so heftige Formen an, daß sie gezwungen waren, ihr Missionsfeld zu verlassen; dennoch trug ihre Aussaat der Frohen Botschaft weiterhin ihre Früchte, und ihre pastorale Einstellung, die sich darum bemühte, die offenbarte Wahrheit den neuen Völkern in Achtung vor ihrer kulturellen Eigenart zu vermitteln, bleibt ein lebendiges Modell für die Kirche und die Missionare aller Zeiten.
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